Die Clem Clempson Band rockte die Bastion
„Livemusik vom Allerfeinsten“

Kirchheim. „Livemusik vom Allerfeinsten“ hatte Bastion-Sprecher Andreas Kenner angekündigt, und die Clem Clempson Bluesband hielt, was er versprochen hatte. Mit Reggie


Worthy am Bass, dem Ex-Rudolf-Rock-Drummer Eddie Fillip und dem mit allen musikalischen Wassern gewaschenen Keyboarder Adrian Askew zeigte der mit Jon Hisemans „Colosseum“ weltbekannt gewordene Meister der sechs Saiten dem Kirchheimer Publikum, wo im Zwölftakte-System der Hammer hängt.

„It‘s fantastic to be back in the Bastion“ fand Dave Clempson und ließ den Worten Taten folgen, die es in sich hatten und das zahlreiche Publikum schnell aus der Reserve lockten. Zusammen mit seiner dreiköpfigen Truppe und etlichen Röhrenwatt brachte der drahtige Mittsechziger aus Birmingham die Wände der alten Zitadelle am Schweinemarkt zum Vibrieren. Dem konnten sich auch die Zuhörer desto weniger entziehen, als das Konzert an Intensität immer mehr zunahm.

Seinen eigenen Songs, zum Großteil der neuen CD des Quartetts entnommen, gesellte er seine Lieblingsstücke von Ray Charles zu, die er vor Jahrzehnten an der Seite des Humble-Pie-Chefs Steve Marriott lieben gelernt hatte: „I don‘t need no Doctor“ und „Halleluja, I just love her so“ hatten auch in seiner Version Ohrwurmpotenzial.

Mit Bands wie „Atlantis“ und ­„Lake“­ sei er schon in Kirchheim aufgetreten, umso mehr freute sich Andreas Kenner in seiner, wie er selbst sagte, für seine Verhältnisse „sensationell kurzen“ Anmoderation, seinen „Lieblings-Orgler“ Adrian Askew in der Bastion begrüßen zu können, der dem Sound der Band mit seiner Hammond den typisch fülligen Klangteppich unterlegte. Mit Colosseum war Dave „Clem“ Clempson nach einer Europatournee seiner Band „Bakerloo“ der Durchbruch gelungen. Aus diesen Tagen rührte die Freundschaft mit dem 2004 verstorbenen Saxofonisten Dick Heckstall-Smith, dem Clempson in der Bastion den Titel „Watching you every move“ widmete.

Dave Clempson gehört nicht in die Riege der Flinkfinger, wie sie sich im Heavy-Metal-Bereich zu Dutzenden tummeln. Bei ihm sitzt jeder Ton am rechten Fleck und fügt sich geschmeidig und rund in das Gefüge des Songs. Seine Licks haben ihr Tempo, und hier und da zeigt ein schnell und sicher gespielter Lauf, dass er‘s wohl auch schnell kann und das auch einsetzt, wenn es passt, aber eben nicht als Dauerdemonstration einer handwerklichen Kunst, sondern als Handwerkszeug im Dienst der Kunst.

Solches ließe sich auch von seinem Kollegen Reggie Worthy sagen, der für das Schwingungsverhalten der tieferen Saiten zuständig ist. Wenn es denn ein Stück verlangt, fliegen die Finger in Windeseile über die Bünde seines E-Basses, verrichten sonst ihre Arbeit auf angemessene Weise, immer im Dienst des Grooves. Für Rhythmus und Akzente ist der aus Hannover kommende Schlagzeuger Eddie Fillip zuständig, der seine exzellenten Trommelkünste schon den Herren „Sweet“, Barry Ryan und Rudolf Rock mit seinen Schockern geliehen hatte, bevor er bei Clem Clempsons Liveband einstieg. Präzise und filigran, zupackend und immer in Bewegung hält er den Motor des Ensembles unter Kontrolle und weiß gegen Ende des Auftritts noch mit einem ausdrucksstarken Solo zu begeistern, bevor sich die vier Herren mit dem legendären, übrigens von Cream-Bassisten Jack Bruce komponierten Colosseum-Hit „Rope Ladder to the Moon“ von einem völlig begeisterten Publikum in der Bastion verabschieden.