Basketball

Aus Hahn und Butler wird Keita

Basketball Die Knights ziehen mit dem Franzosen Tidjan Keita ein Riesentalent an Land. Der 23-Jährige überzeugt vor allem durch seine Flexibilität. Von Bernd Köble

Der neue Trainer und sein neuer Schützling: Igor Perovic (links) und die Knights haben gestern Tidjan Keita offiziell in Kirchhe
Der neue Trainer und sein neuer Schützling: Igor Perovic (links) und die Knights haben gestern Tidjan Keita offiziell in Kirchheim willkommen geheißen. Foto: Markus Brändli

Wenn man aus zwei Spielern einen machen muss, dann ist es klug, das jeweils Beste zu verbinden. Glaubt man dem Urteil der Knights-Verantwortlichen, dann ist Kirchheims Zweitliga-Basketballern dieser schwierige Spagat in dieser Woche gelungen. Weil die Corona-Krise auch in der Teckstadt finanzielle Spuren hinterlassen hat, wurden die Verträge von Mitch Hahn und Brian Butler nicht mehr verlängert. Aus zwei mach eins - aus einem smarten Distanzwerfer und einem Adrenalin-betankten Kraftwerk wird ein 23-jähriger Schlaks aus Frankreich. 2,07 Meter groß, 93 Kilo schwer und derart schnell auf den Beinen, dass es den bewährten Kirchheimer Abwehrkräften Tim Koch und Till Pape im Probetraining schon mal schwindlig wurde. Gestern haben die Ritter Tidjan Keita zum ers­ten Mal vorgestellt, und die Vorschusslorbeeren, die er erntet, sind nicht alltäglich. Schließlich neigt ein erfahrener Mann wie Igor Perovic im Urteil nicht zum Überschäumen. Jetzt sagt Kirchheims Headcoach: „Tidjan bringt Fähigkeiten mit, die schwer zu finden sind.“ Keita gilt als enorm vielseitig. Er ist schnell und dribbelstark auf der Drei, kann dank seiner Statur aber auch auf der Position vier spielen. „Für einen Spieler seiner Größe hat er ein fantastisches Ballhandling und einen sehr stabilen Distanzwurf“, freut sich Knights-Sportchef Chris Schmidt.

Keita, der seine Wurzeln im Senegal hat, verdiente sein Geld zuletzt eine Klasse tiefer beim Tabellenfünften der Pro B in Coburg. Zu den Franken stieß er erst vergangenen Dezember vom französischen Drittligisten Get Vosges. Seitdem steuerte er in elf Spielen für die Coburger 15,1 Punkte und 7,5 Rebounds in durchschnittlich 24 Minuten Spielzeit bei. Das Wichtigste: Keita ist jung und entwicklungsfähig. Der glühende Fan von Frankreichs Fußball-Superstar Kylian Mbappé kam erst spät zum Basketball. Mit 16 wurden die ers­ten Scouts auf das Bewegungstalent aufmerksam. Über erste Stationen in Kanada landete er an der Basketball-Akademie von Thetford im Nordosten der USA und verpasste 2017 den großen Karriereschritt nur um ein Haar. Nach einer Einladung der Phoenix Suns zur NBA-Summerleague warf den damals 20-Jährigen eine Verletzung aus der Bahn. Wegen eines Ermüdungsbruchs im Schienbein musste er acht Monate lang pausieren. Seiner Rückkehr nach Frankreich folgte eine schwierige Phase mit wenig Einsatzzeit und viel Stillstand.

Jetzt könnte Perovic für ihn der Richtige sein. Der Serbe gilt als überzeugter Mentor junger Talente. Einer, der viel Wert auf individuelle Ausbildung legt. Die Entscheidung, nach seiner Auszeit nicht sofort ins Profigeschäft zurückzukehren, sondern sich in die Ulmer Nachwuchsarbeit einzubringen, war kein Zufall. „Schon als Spieler wollte ich immer mit Jugendlichen und Kindern arbeiten“, sagt Perovic. Ein Kind ist Tidjan Keita nicht mehr. Aber in Kirchheim im Moment vielleicht an der richtigen Stelle.

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