Basketball

Der Kapitän und die Vertrauensfrage

Basketball Ob Andreas Kronhardt mit den Knights in seine vierte Saison geht, ist offener denn je. Nach Differenzen mit dem Trainer ist ein Machtkampf entbrannt. Von Bernd Köble

Kapitän Andreas Kronhardt hat sich bei den Knights in drei Jahren zur Identifikationsfigur entwickelt.Foto: Tanja Spindler
Kapitän Andreas Kronhardt hat sich bei den Knights in drei Jahren zur Identifikationsfigur entwickelt.Foto: Tanja Spindler

Basketball ist ein schnelllebiges Geschäft. Da wirken seltene Treueschwüre von Spielern mitunter wie aus der Zeit gefallen. Andreas Kronhardt hat viele Ziele im Sport schon erreicht. Eines, das er erst vor Wochen formuliert hat, steht noch aus: Um Rekordspieler im Trikot der Knights zu werden, müsste Kirchheims Kapitän die Marke von Radi Tomasevic knacken. Der stand von 2008 bis 2015 sieben Jahre lang in Diensten des Kirchheimer Zweitligisten. Für Kronhardt wäre das erstrebenswert. Für einen Center mit 28 Jahren rein biologisch zudem durchaus realistisch. Seit Monaten allerdings wird immer deutlicher: Die Vertragsverlängerung mit dem in Schwäbisch Hall aufgewachsenen Kapitän, der im Frühsommer 2015 vom Erstligisten aus Crailsheim kam, wird schwierig.

Schuld daran sind Differenzen mit dem neuen Trainer. Dabei schien das Duo Kronhardt und Mirolybov während der Hinserie noch prächtig zu harmonieren. Der neue Mann auf der Bank feierte Erfolge, führte die Knights bis auf Platz zwei in der Pro A, und wesentlichen Anteil daran hatte sein Kapitän, der sich bis Weihnachten durch unglaubliche Konstanz und Effizienz unter dem Korb auszeichnete. Damit jedoch war im neuen Jahr Schluss. Keith Rendleman erhielt nach überstandener Formkrise immer häufiger den Vorzug. Der US-Amerikaner verlängerte seinen Vertrag Ende Februar vorzeitig um zwei weitere Jahre und Kronhardt stand im Schnitt nur noch eine gute Viertelstunde auf dem Parkett.

Bruch nach Weihnachten

„Unser Spiel ist besser, wenn Keith und Andi nicht gemeinsam auf dem Spielfeld stehen“, verteidigt Mirolybov nach wie vor seinen Kurs. Die Rückrunde gibt ihm da nur bedingt recht. Zwar nutzten risikofreudige Werfer wie Corban Collins ihre Freiheiten reichlich, doch reichten selbst 32 Punkte des US-Guards - wie gegen Trier - am Ende nicht mehr aus, um Spiele zu gewinnen. Die Rebound-Bilanz dagegen verschlechterte sich in der Rückrunde merklich. Was die Qualität der Distanzwürfe angeht, belegte Kirchheim im Teamvergleich am Ende nur Platz elf - trotz ausgewiesener Experten wie Koch, Allen, Collins oder Barton. Nur Absteiger Ulm verzeichnete bei noch mehr Wurfversuchen eine schlechtere Quote.

Kronhardt redet von einem „verlorenen Jahr“ und meint damit nicht nur seine persönliche Situation, sondern auch die Tatsache, dass die Knights trotz individueller Klasse in den Play-offs nur Zuschauer sind. Inzwischen ist daraus ein Machtkampf entstanden, den die Knights mit allen Mitteln zu schlichten versuchen. Klar ist: Kronhardt würde gerne bleiben, knüpft daran jedoch Bedingungen, die auch seine berufliche Zukunft betreffen. Der 28-Jährige macht zurzeit seinen Master in Wirtschaftswissenschaften und sucht nach einer Perspektive als Übergang in die Phase nach dem Sport. Den Vertrag mit Mirolybov haben die Knights vor Weihnachten frühzeitig um ein Jahr verlängert - eine vereinbarte Klausel in seinem Kontrakt, die der Finne bei den Verhandlungen im Frühjahr durchgesetzt hat.

„Ich erwarte, dass alle Seiten professionell mit der Situation umgehen“, sagt Geschäftsführer Christoph Schmidt, der in den vergangenen Wochen intensive Gespräche führte. Für heute Abend ist ein Treffen mit Trainer und Teilen der Gesellschafterversammlung anberaumt. „Wir wollen Andi halten“, gibt Schmidt die Richtung vor. „Über allem steht aber das Interesse des Vereins.“ Die Zeit drängt. Eine längere Hängepartie würde die weitere Saisonplanung behindern. Vor allem: Das Werben um Kronhardt hat auch andernorts längst begonnen.

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