Basketball

Die Knights kommen nicht vom Fleck

Basketball Auch der klare Sieg gegen Baunach bringt die Kirchheimer nicht näher an die Play-off-Ränge, weil die Mitbewerber überraschen. Von Bernd Köble

Zwei Daubner-Dreier in der ersten Hälfte lassen auf Besserung hoffen: Die Leistungskurve von Kirchheims Forward (Mitte) zeigt se
Zwei Daubner-Dreier in der ersten Hälfte lassen auf Besserung hoffen: Die Leistungskurve von Kirchheims Forward (Mitte) zeigt seit Samstag wieder nach oben.Foto: Tanja Spindler

So richtig spannend wurde es eigentlich erst nach dem Spiel. Da durfte sich Alexander auf Papas Armen im Knights-Trikot von den Fans feiern lassen. Zuvor hatte der dreijährige Spross von Kirchheims Coach Mauricio Parra das Geschehen von der ersten Zuschauerreihe aus verfolgt - und dabei erkennbar mit der Müdigkeit gekämpft.

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So wie dem kleinen Alexander dürfte es am Samstag vielen ergangen sein. Das 77:53 gegen Baunach wurde nach der Halbzeitpause zur einseitigen Partie mit dem vorhersehbaren Ende. Der höchste Kirchheimer Saisonsieg bisher - und doch wollte danach keine überschäumende Freude aufkommen. Erleichterung ja, schließlich sind es häufig genau solche Spiele wie gegen den Tabellenvorletzten, in denen Leichtsinn besonders brutal bestraft wird. Oder wie Parra es vor dem Spiel umschrieben hatte: „Verlierst du, bist du der Depp, gewinnst du, klopft dir keiner auf die Schultern.“

Schulterklopfer gab es hinterher trotzdem nicht zu knapp. Zumindest in diesem Punkt irrte der Trainer. Vielleicht für eine zweite Hälfte, in der die Knights den Gegner mit einer unberechenbaren Defensive zur Kapitulation zwangen. Mehr als fünf Minuten lang gelang der Bamberger Filiale im dritten Viertel kein einziger Punkt. Ganz sicher aber dafür, dass die Ritter kurz vor der Pause aus dem Tiefschlaf erwachten und sich sofort erinnerten, wie man einer milchbärtigen U20 erfolgreich Respekt einflößt: mit physischer Präsenz. Gegen einen abgezockteren Gegner, als es die Baunacher an diesem Tag waren, hätte es in der Kabine zur Pause wohl nur noch geheißen: die Chose retten - irgendwie. So lag man nach langem Rückstand zur Hälfte der Zeit immerhin mit vier Punkten vorn.

Big Points für die Konkurrenz

„Wir haben anfangs die gleichen Fehler gemacht wie Trier und Chemnitz“, gesteht Kirchheims Coach. Soll heißen: den Gegner unterschätzt. Trier benötigte gegen die Franken zuletzt immerhin zwei Mal Verlängerung, um den Fehler auszubügeln. Das blieb den Rittern erspart. Wo es um die Erledigung von Pflichtaufgaben geht, ist auf die Knights in dieser Saison Verlass. Dass man im Kampf um die Play-offs nicht vom Fleck kommt, liegt daran, dass die Big Points bisher nur die Konkurrenten holen. Die punktgleichen Dragons aus Quakenbrück etwa, die dank eines überragenden Comebacks von Chase Griffin Tabellenführer Chemnitz gleich dreistellig nach Hause schickten. Oder die Nürnberger, die Heidelbergs Erfolgsjunkies ins Hier und Jetzt holten. Nun fragt sich in Kirchheim jeder, ob Frenkie Ignjatovics Truppe ein zweites Mal Bock hat auf kalten Entzug. Am Sonntag wird man es wissen.

Schön wär‘s zumindest aus Kirchheimer Sicht. Schließlich hat das, was sich im Hinspiel vor Weihnachten in der Stuttgarter Scharrena ereignet hat, untherapiert Potenzial für ein handfestes Trauma. Mauricio Parra, der seiner Mannschaft gestern einen trainingsfreien Tag schenkte, um neue Energie zu tanken, hat sich das Video von dem, was er eine „Demütigung“ nennt, schon mal fürs Mittwochstraining zurechtgelegt. Der Coach setzt auf die Macht der Bilder. Das gilt nicht nur für den ersten Teil der Kirchheimer Passionsspiele bis zur Pause, sondern auch für den zweiten, in dem es dann immerhin hieß: Jeder trage des anderen Last. Parra ist überzeugt, dass es eine zweite Schmach nicht geben wird. „Am Samstag direkt nach dem Spiel in der Kabine hat keiner mehr über Baunach geredet,“ sagt er. „Da ging es nur noch ums Spiel gegen Heidelberg.“