Basketball

Die Ritter in der Lieblingsrolle

Basketball Heute Heidelberg, am Sonntag Chemnitz – den Knights stehen an diesem Wochenende als Außenseiter turbulente Zeiten bevor. Von Bernd Köble

Beim 80:69-Sieg im Hinspiel haben die Knights um Dajuan Graf (rechts) den Heidelbergern (am Ball ­Niklas Würzner) das Leben schwer gemacht. Foto: Alfred Gerold
Heidelberg, das sind glorreiche Kirchheimer Erfolge in den Play-offs, das sind niederschmetternde Ergebnisse wie im Dezember vor zwei Jahren, als die Uni-Städter den Knights in der Stuttgarter Scharrena ihre Werbetour vermasselten, und es steht für einen Trainer, der zuvor sechs Jahre lang in Kirchheim auf der Bank saß und dort für die erfolgreichste Episode der Vereinshistorie sorgte, indem er 2012 mit den Knights die Vizemeisterschaft holte.

Anfang März 2020 ist es das Spiel einer Kirchheimer Mannschaft, die um ihre letzte Play-off-Chance kämpft, gegen das Team der Stunde. Heidelbergs Coach Frenkie Ignjatovic, der heute Abend um 20 Uhr zu Gast in Kirchheim ist, sagt: „Vor fünf Wochen haben wir in der Tabelle noch nach unten geschaut.“ Seitdem holten die Academics 5:1 Siege und sind als Tabellenvierter möglicherweise nur noch zwei Erfolge vom sicheren Heimrecht in den Play-offs entfernt.

Knights-Coach David Rösch kann davon zurzeit nur träumen. Die knappe Niederlage gegen Leverkusen war ein Rückschlag im Rennen um Platz acht oder besser, obwohl seine Mannschaft kein schlechtes Spiel machte. Darüber hinaus hagelte es von Fanseite Kritik, weil die Ritter in dieser wichtigen Begegnung freiwillig auf ihren Topscorer Jalan McCloud verzichteten – aus disziplinarischen Gründen. Heute Abend wird

McCloud wieder dabei sein, was schon aus psychologischen Gründen wichtig sein dürfte. Schließlich ist der 24-jährige Guard derjenige, den die Heidelberger in besonders schlechter Erinnerung haben. Beim 80:69-Sieg im Hinspiel im November war der Amerikaner mit 23 Punkten Bester in einer Kirchheimer Mannschaft, die an diesem Tag regelrecht über sich hinauswuchs.

Ähnliches fordert Rösch auch heute Abend: „In solchen Spielen heißt es, ans Limit zu gehen und darüber hinaus.“ Dass seine Jungs bereit dazu sind, steht für ihn außer Frage. Zudem stecken die Kirchheimer als unbequemer Außenseiter in ihrer Lieblingsrolle. „Sich gegen die besten Mannschaften zu beweisen, das sind Momente, auf die sich jeder Profi freut“, sagt Rösch. Schon am Samstag fährt der Bus in Richtung Chemnitz. Nach dem vielleicht besten Team momentan wartet am Sonntag um 17 Uhr mit dem souveränen Tabellenführer dann das beste Team überhaupt in der Pro A.

Unterm Korb anfällig

„Jeder Gegner hat seine Schwachstellen“, sagt David Rösch. „Dort müssen wir versuchen, ihnen weh zu tun.“ Bei den Heidelbergern war eine solche lange Zeit unterm Korb verortet. Die Academics stehen in der Teamstatistik als reboundschwächste Mannschaft zwar immer noch auf dem letzten Platz. Trotzdem entwickeln sich beide Gegner in diesem Punkt gegenläufig. Knights-Center Keith Rendleman strahlt nach einer Handgelenksverletzung und längeren Erkältung längst nicht die Sicherheit aus, die man von ihm kennt. Sein Heidelberger Kollege Phillipp Heyden dagegen, einer der physisch stärksten Center der Liga, zeigt sich seit Wochen in Topform. Beim Sieg gegen Bremerhaven glänzte der Ex-Kirchheimer mit 20 Punkten und elf Rebounds. Frenkie Ignjatovic kann sich glücklich schätzen: „Ich habe den Eindruck, je mehr Probleme wir haben, desto besser spielen wir“, meint er. Bestes Beispiel: Davonte Lacy, mit 19,4 Punkten pro Spiel Topscorer der Liga, brach sich vor zwei Wochen im Training das Nasenbein. Wenig später gegen Leverkusen lief er dennoch auf und war erneut einer der Besten an diesem Tag. Der 26-jährige Shooting Guard, der erst im Januar als Ersatz für den verletzten Shy Ely kam, schlug sofort ein und trifft auch schwierigste Würfe hochprozentig. Ihn zu kontrollieren dürfte eine Schlüsselaufgabe sein. Das Problem: Lacy kaltzustellen allein reicht nicht. Mit Nixon, Würzner oder dem jungen Stephon Jelks haben die Academics gleich mehrere Scharfschützen.

 

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