Basketball

Ein Mann fürs Feinstoffliche

Basketball Die Knights überraschen mit der Verpflichtung von Ulms Nachwuchs-Center Till Pape. Der Student der Molekularmedizin bringt Eurocup-Erfahrung mit. Von Bernd Köble

Hat in den vergangenen beiden Wochen gezeigt, dass er auch auf BBL-Niveau mithalten kann: Till Pape, hier noch im Trikot der Ulm
Hat in den vergangenen beiden Wochen gezeigt, dass er auch auf BBL-Niveau mithalten kann: Till Pape, hier noch im Trikot der Ulmer, wechselt kommende Saison unter die Teck.Foto: Harry Langer

Ums richtige Timing geht es beim Basketball nicht nur beim Rebound. Das richtige Timing definiert auch den Erfolg bei der Verpflichtung neuer Spieler. Ein Gedanke, der Mauricio Parra durch den Kopf geschossen sein mag, als er am Sonntagabend in der Ulmer Ratiopharm-Arena auf der Tribüne saß. Als einer von mehr als 6 000 im Publikum, die mit stehenden Ovationen einen 21-Jährigen feierten, der mit drei Dreiern in der Crunchtime gegen Vechta gerade ein verloren geglaubtes Spiel gedreht hatte. Das Besondere aus Parras Sicht: Der Mann mit der Rückennummer elf wird kommende Saison sein Schützling sein und das Trikot der Knights tragen.

Mit der Verpflichtung von Ulms Nachwuchs-Center Till Pape ist den Rittern schon früh in der Off-Season ein Coup gelungen, den Headcoach Mauricio Parra ein „Statement an die Liga“ nennt. Ulms Pech ist Kirchheims Glück. Die Verletzungsmisere beim Tabellensechsten der BBL hat dem 2,03 Meter großen Modellathleten, der im März die Orange Academy aus Weißenhorn mit 31 Punkten gegen Bernau ins Play-off-Viertelfinale der Pro B starten ließ, zusätzliche Minuten in der ersten Liga verschafft. Vorige Woche im Topspiel gegen Bayern stellte Pape mit sieben Punkten und zwei Rebounds in elf Minuten einen persönlichen Karriere-Bestwert auf, bevor er am Sonntag gegen Vechta noch eins drauf setzte.

Pape gilt als für sein Alter äußerst intelligenter und umsichtiger Spieler. Deshalb war es auch nicht schwer, ihm klarzumachen, dass der Gang in die Pro A ein Schritt nach vorn sein kann. „Bereits nach unserem ersten Gespräch wussten wir, dass er unser Wunschkandidat auf dieser Position sein wird“, sagt Knights-Sportchef Christoph Schmidt. Für Parra liefert der 21-Jährige mit Eurocup-Erfahrung das Komplettpaket auf den beiden großen Positionen, weil er unterm Korb robust aufposten kann und gleichzeitig als gefährlicher Werfer gilt. „Ihm muss man keine Automatismen beibringen“, meint Parra, „er hat sie.“ Insofern könnte Pape die perfekte Ergänzung zum physisch starken Center-Duo Kronhardt und Rendleman sein und gleichzeitig Ersatz für Phillip Daubner. Der ist für einen Neuvertrag in Kirchheim damit zwar noch nicht aus dem Rennen, hat sich aber Bedenkzeit erbeten.

Zeit, die die Knights genutzt haben. Mit Kronhardt, Koch, Wohlrath und Nicklaus ist Pape bereits der fünfte Deutsche im Team. Die Arbeitseinstellung des gebürtigen Paderborners, der sämtliche Jugendnationalteams durchlaufen hat und seine Vereinskarriere bereits als Fünfjähriger begann, hat Christoph Schmidt besonders imponiert. In Ulm steht er nicht selten schon morgens um sechs in der Halle, um rechtzeitig zu Vorlesungsbeginn an der Uni zu sein. Till Pape ist nicht nur auf dem Parkett ein Typ fürs Feinstoffliche. Der Mann mit der Abiturnote 1,6 studiert molekulare Medizin.

Anzeige