Basketball
Eineinhalb Siege machen Lust auf mehr

Basketball Die spektakulären Auftritte der Knights gegen Heidelberg und Chemnitz wecken neue Hoffnungen aufs Erreichen der Finalrunde. Von Bernd Köble

Was macht ein Basketballspiel zu einem Ereignis, das man nicht vergisst? Einer, der die Antwort kennt, saß am Freitag in der Sporthalle Stadtmitte als Zuschauer am Spielfeldrand: Radi Tomasevic erlebte den Sieg einer entfesselten Kirchheimer Mannschaft gegen den Favoriten aus Heidelberg fast hautnah mit. Exakt zehn Jahre zuvor war er es, der an gleicher Stelle mit einem Wurf fast von der Mittellinie ein Stück Geschichte schrieb. Sein Buzzerbeater gegen den späteren Meister aus Bayreuth machte die Kirchheimer im März 2010 zu Helden. Als einzige Mannschaft, die das Ausnahmeteam aus Franken in Hin- und Rückspiel bezwungen hatte.

Am Sonntag haben sich die Knights gegen Chemnitz erneut einen Platz in der Chronik gesichert: Mehr Punkte als beim 125:131 fielen in der Pro A seit ihrem Bestehen noch nie in einer einzigen Partie. Eine andere Marke wäre freilich attraktiver gewesen: Als zuhause ungeschlagener Meister in die Fachliteratur einzugehen, hatte sich der Tabellenführer am Sonntagabend eigentlich schon abgeschminkt. Als Knights-Spielmacher Dajuan Graf fünf Sekunden vor Ablauf der ersten Verlängerung an die Linie trat, sprach alles für ein Ende der Chemnitzer Serie. 66 Freiwürfe hat Graf in dieser Saison bereits verwandelt, eine Erfolgsquote von fast 82 Prozent. Eine bessere Bilanz hat nur sein Teamkollege Jalan McCloud. Doch beiden Experten spielten in den Schlusssekunden die Nerven einen Streich: vier Versuche - null Treffer. Dabei hätte einer gereicht. Der Rest ist bekannt.

Dafür Worte zu finden, fällt schwer. Headcoach David Rösch jedenfalls war wild entschlossen, über das, was aus Kirchheimer Sicht falsch lief, erst gar nicht zu reden. Stattdessen hielt er fest: „Wir haben heute das Spiel des Jahres gesehen. Ich bin extrem stolz auf meine Mannschaft, die in dieser Liga im Moment auf Top-Level spielt.“

Erfolgreicher Schlachtplan

Zumindest seit dem furiosen 87:79 am Freitag gegen Heidelberg. Ein Spiel, in dem die Not zur Tugend wurde und sich Trainerfuchs Frenkie Ignjatovic von seinem 31-jährigen Gegenüber überrumpeln ließ. Rösch hielt die Verletzungen von Kronhardt und Hahn streng unter Verschluss und heckte einen Schlachtplan aus, den sein Kollege schlicht nicht auf dem Zettel hatte. Weniger Größe, mehr Tempo, viel Druck auf die gefährlichen Distanzschützen. Das Geschehen dorthin verlagern, wo es Heidelberg am wenigsten schmeckt:­ unter den Korb. Ins Reich von Keith Rendleman, der sich nach wochenlangem Tief wie aus dem Nichts in ein furchteinflößendes Block-Monster verwandelte.

Wer geglaubt hatte, das Ganze sei spielerisch nicht mehr zu toppen, der fand sich am Sonntag in Chemnitz auf dem Holzweg wieder. Kein Nadelstich ohne die passende Kirchheimer Antwort - bis zum bitteren Ende in den Schlusssekunden, in denen den Rittern im entscheidenden Moment wieder einmal die Kaltschnäuzigkeit fehlte. Dass auch eine Dreierquote von 63 Prozent nicht zum Sieg reicht, verrät freilich viel über die Qualitäten des Gegners.

Für Chris Schmidt war dies kein Trost. Beim Sportchef der Knights überwog bei allem Stolz auch am Tag danach noch der Frust. „Wir haben wie schon so oft in dieser Saison nicht abgeholt, was wir verdient haben“, sagt er. „Das ist ärgerlich, weil ich von Anfang an vom Potenzial dieser Mannschaft überzeugt war.“ Ein Potenzial, das auszuspielen noch immer nicht zu spät ist. Vier Begegnungen stehen noch aus. Platz elf klingt aussichtsloser, als es ist. Mit Blick auf die Play-offs sagt David Rösch: „Wir sind noch lange nicht tot.“