Basketball

Einige Prozent Nennleistung fehlen

Basketball Die Knights mühen sich durch die Saison. In Hamburg war nicht zum ersten Mal erkennbar, was mit einem Kader in Normalform möglich wäre. Von Bernd Köble

Er beißt sich durch, allerdings mit mäßigem Erfolg: Keith Rendleman (links im Duell mit Hamburgs Justin Raffington) ist verletzu
Er beißt sich durch, allerdings mit mäßigem Erfolg: Keith Rendleman (links im Duell mit Hamburgs Justin Raffington) ist verletzungsbedingt weit von seiner gewohnten Form entfernt. Foto: Tanja Spindler

Niederlagen, mit denen zu rechnen war, sind mitunter die ärgerlichsten. Das klingt nur dann nicht paradox, wenn man wie die Knights am Samstag die Riesenchance vergeigt, mit zwei Bonuspunkten in die ganz und gar nicht besinnliche Vorweihnachtszeit zu starten. Aus sportlicher Sicht war das erste Adventswochenende für Kirchheims Basketballer der Einstieg ins Hammerprogramm bis zum Fest: Hamburg, Vechta, Karlsruhe - da wäre es beruhigend gewesen, das erste Lichtlein hätte nach der Rückkehr aus der Elbstadt schon mal gebrannt. Doch als am Sonntagfrüh um kurz nach halb sieben der Bus auf den Parkplatz an der Sporthalle Stadtmitte einbog, war klar: Die knapp 1 500 Kilometer lange Ochsentour über die Autobahn war für die Katz‘.

Ob Knights-Coach Anton Mirolybov nun ein Mann mit Premium-Sitzfleisch ist, oder ob dem Finnen als Rand-Europäer lange Distanzen alltäglich erscheinen, sei dahingestellt. Bei der Analyse des Spiels jedenfalls blieb der Coach im Bild: „Man hat gesehen, dass wir noch immer zu wenig gemeinsame Kilometer auf der Straße haben,“ fand er.

Gemeint waren Missverständnisse in der Offensive, die in der Schlussphase den Sieg kosteten. Ein Phantom-Pass von Charles Barton, der für Freund und Feind zu überraschend kam. Kronhardts Mix aus Korbwurf und -vorlage, der als Airball endete, dazu leicht verschenkte Rebounds, die den Gegner zu Fastbreaks und leichten Punkten einluden. Dabei war diesmal alles möglich, und deshalb tat es diesmal auch besonders weh, wie der Coach einräumen musste

Neuzugänge überzeugen

Positiv betrachtet: Ein Team wie Hamburg unter 80 Punkten zu halten, kann sich sehen lassen. Der Tabellendritte balancierte mehr als eine Hälfte lang am Rande der ersten Heimniederlage. Vor allem bis zur Pause ließ sich erahnen, was zurzeit möglich wäre, könnten die Knights die fehlenden Prozent an Nennleistung aus dem Motor kitzeln. Dabei hat sich längst umgekehrt, was noch vor Wochen als größter Unsicherheitsfaktor galt: Collins und McCray - die beiden Nachzügler - liefern. Sieht man von Collins‘ zeitweilig ungebremstem Hang zum Risiko einmal ab und legte man McCrays momentanen Lauf als nachhaltige Entwicklung aus, dann hätten die Knights alles richtig gemacht.

Auf der anderen Seite werfen gerade diejenigen Fragen auf, die vor der Saison noch als fester Anker galten: Keith Rendleman und Tim Koch spielen dauerhaft unter Wert. Rendleman, seit seiner Bänderverletzung ein Schatten früherer Tage, müht sich nach Kräften und leidet erkennbar, sofern sich die Körpersprache des Amerikaners richtig deuten lässt. Der 26-Jährige, der von seiner Sprungkraft und Athletik lebt, sucht nach einem Jahr Spielpause noch immer gehandicapt Rhythmus und Selbstvertrauen. Nicht wenige Experten meinen: Der Mann bräuchte dringend eine längere Pause.

Tim Koch hat zwar bewiesen, dass er in Mirolybovs Defensiv-Plan nach wie vor unverzichtbar ist. Der einstige Scharfschütze vom Dienst ist mit einer Dreierquote von bisher 22,4 Prozent zumindest offensiv eine Enttäuschung. Auch ihm fehlen Selbstvertrauen und Erfolgserlebnisse, die den Kopf frei räumen. Der Trainer ist sich sicher, dass der Knoten allsbald platzt: Das Auf und Ab der Formkurve sei völlig normal, nimmt Mirolybov seine Leute in Schutz. „Manchmal dauert es eben ein bisschen länger“, sagt er. „Wir sind alle Menschen und keine Maschinen.“

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