Basketball

Entspannung nach dem ersten Zahltag

Basketball Zunächst scheint alles wie immer, doch dann beweisen die Knights in Hagen, dass sie nicht nur kämpfen, sondern auch clever verwalten können. Von Bernd Köble

Im dritten Spiel der erste Erfolg. Kirchheims Basketballer wirkten nach dem Auswärtssieg in Hagen wie von einer Zentnerlast befr
Im dritten Spiel der erste Erfolg. Kirchheims Basketballer wirkten nach dem Auswärtssieg in Hagen wie von einer Zentnerlast befreit.Foto: Tanja Spindler

Auf dem Parkett, das schon glorreiche Bundesliga-Zeiten erlebt hat, musste am Ende raus, was sich 40 Minuten lang angestaut hatte. Während die Knights, von allen Fesseln befreit, ihren ersten Saisonsieg feierten, feuerte wenige Meter entfernt Hagens Kapitän Dominik Spohr vor laufender Kamera Salven gegen den Trainer ab. Vielleicht sei es der Stabilität einer Mannschaft ja dienlich, ein Konzept länger zu verfolgen, statt es ständig zu ändern, stellte ein gereizter Kapitän die Frage in den Raum. Mit vier Dreiern in Folge hatte er sein Team nach der Pause fast schon sicher auf der Siegerstraße. Am Ende musste auch er einsehen, dass die Krise beim hochgewetteten Traditionsklub, der mit dem 22-jährigen Jonas Grof seit September sogar einen A-Nationalspieler in seinen Reihen hat, doch ernster ist als angenommen.

Dass ausgerechnet einer daran großen Anteil hatte, der seiner Mannschaft Stabilität verlieh, indem er sein Konzept im Spiel gleich mehrfach änderte, machte die Sache umso interessanter. Mauro Parras Handy jedenfalls lief nach dem ersten Saisonsieg heiß. „Ich war überrascht, wie viele Freunde quer durch die Republik dieses Spiel verfolgt haben“, stellte der Trainer hinterher fest. Dabei sah es lange nicht danach aus, als könnte an diesem Tag der Knoten platzen. Ob es die holprige Anreise war, die den Mannschaftsbus wegen kilometerlanger Staus über Landstraßen schaukeln ließ oder schlicht das dünne Nervenkostüm nach zwei Niederlagen - Tatsache ist: Parra sah, wie schon gegen die Artland Dragons, zu Beginn eine miserable Mannverteidigung, mit der sich sein Team einen frühen 17-Punkte-Rückstand einhandelte. Der Coach reagierte, stellte wie schon zuletzt auf Zonen-Verteidigung um und erwischte den Gegner in der zweiten Hälfte mit einer unkonventionellen Halbfeld-Presse eiskalt. Hätte Dominik Spohr keinen Glanztag erwischt, die Führung wäre den ratlos wirkenden Gastgebern schon deutlich vor Beginn des Schlussviertels entglitten.

Parras wichtigste Erkenntnis nach drei Spielen: Seine Mannschaft kann auch offensiv ein Spiel aus dem Feuer reißen. Heiß laufen, ohne zu überhitzen - dieses Kunststück gelang vor allem Rhondell Goodwin mit 23 Punkten nach der Pause. Dem überragenden Mann der Vorbereitung wurde seit dem Testspiel in Tübingen eine mentale Blockade nachgesagt. Am Sonntag traf der Amerikaner mit beeindruckender Sicherheit. Was genauso wichtig war: Er bewies dabei das richtige Gespür fürs Risiko. Den Rest erledigte in den Schlussminuten ein Duo. Dajuan Graf, der mit viel Ballsicherheit und Ruhe das richtige Timing wahrte und Keith Rendleman, der von Alex Herrera - immerhin bester Center der vergangenen Saison - in der Crunchtime kaum zu stoppen war.

Am Samstag kommt Aufsteiger Rostock in die Sporthalle Stadtmitte und Parra weiß: Bei einer Niederlage war dieser Sieg nichts wert. „Der Erfolg gibt uns diese Woche die Chance, in Ruhe zu arbeiten“, sagt der Trainer. Dann auch wieder mit Tim Koch, der in Hagen wegen hartnäckiger Nackenschmerzen fehlte. Parra, der an der Seitenlinie oft kaum zu bändigen scheint, bleibt cool: „Wir machen einen Schritt nach dem anderen“, meint er. „Unser bestes Spiel wird man vor Weihnachten vermutlich nicht sehen.“

Unantastbar ist keiner

Den Satz hat er ganz sicher abgespeichert, auch wenn sich Knights-Coach Mauro Parra in der Pressekonferenz nichts anmerken ließ. Gegen Tübingen oder Quakenbrück könne man so verlieren, meinte Hagens Cheftrainer Kevin Magdowski am Sonntag nach dem Spiel, „aber nicht gegen Kirchheim“.

Wie falsch der Phoenix-Coach mit seiner Einschätzung liegt, zeigt nicht zum ersten Mal ein Blick auf den vergangenen Spieltag. Vermeintliche Überraschungsergebnisse sind inzwischen Alltag in der Pro A.

Hanau schlägt Titeltopfavorit Hamburg scheinbar mühelos mit 14 Punkten. Tübingen kassiert gegen Hinterbänkler Nürnberg die zweite deutliche Niederlage in Folge, die Artland Dragons werden vom Aufsteiger aus Schalke mit 37 Punkten regelrecht gedemütigt und Abstiegskandidat Baunach erkämpft sich mit BBL-Rückkehrer Leon Kratzer (14 Rebounds) in Heidelberg nicht nur die Lufthoheit unterm Korb, sondern auch zwei wichtige Punkte. Selbst Schlusslicht Ehingen war bisher in keinem Spiel chancenlos.

Die Liga ,so spannend wie selten. Knights-Sportchef Chris Schmidt ist überzeugt: „In diesem Jahr werden zwei Mannschaften absteigen, die über weite Strecken auf hohem Niveau gespielt haben.“bk

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