Basketball

Geduld als schärfster Gegner

Basketball Den Knights fehlen Betriebsstunden im Entwicklungsprozess. Im Spiel auf Zeit geht es morgen ausgerechnet gegen einen Titelfavoriten. Von Bernd Köble

Die Mechanismen greifen noch nicht: Knights-Coach Anton Mirolybov muss gegen Crailsheim weiter sein Team formen.Foto: Tanja Spin
Die Mechanismen greifen noch nicht: Knights-Coach Anton Mirolybov muss gegen Crailsheim weiter sein Team formen.Foto: Tanja Spindler

Sie haben dasselbe Herkunftsland, kamen beide aus Helsinki nach Deutschland und hassen nichts mehr, als zu verlieren. Damit sind die Gemeinsamkeiten, die Knights-Trainer Anton Mirolybov und seinen Crailsheimer Kollegen Tuomas Lisalo verbinden, allerdings bereits erschöpft. Hier der heißblütige Arbeiter, der sich schon in jungen Jahren für die Trainerlaufbahn entschied, dort der eher kühle Analyst, der auf mehr als 500 Erstliga-Einsätze zurückblicken kann. Die beiden Finnen verbindet eine Freundschaft, die das Aufeinandertreffen ihrer Teams am Samstag (19.30 Uhr) in der Sporthalle Stadtmitte überdauern dürfte, auch wenn man in dieser Woche professionell auf Distanz ging.

Lisalo hat, was sich sein Landsmann in Kirchheim zurzeit erst noch hart erarbeiten muss: ein eingespieltes Team. Eine Mannschaft, die trotz vieler Kritik und enttäuschter Aufstiegs-Hoffnungen im Frühjahr auf etlichen Positionen unverändert blieb und die zweifellos zu den erfahrensten der Liga zählt. Spieler wie ­Chase Griffin, Michael Cuffee, Sherman Gay oder Ex-Nationalspieler Konrad Wysocki haben das vierte Lebensjahrzehnt schon zur Hälfte durchschritten, Center Patrick Flomo ist mit 37 Jahren der Dienstälteste. Dass man morgen auf einen Gegner treffen könnte, der seinen Zenit überschritten hat, ist nichts, woran Mirolybov einen Gedanken verschwenden würde. „Trier war stark“, meint Kirchheims Trainer. „Aber Crailsheim wird ein ganz anderes Kaliber.“

Dass die Merlins ihre zuletzt hart kritisierte Arbeitseinstellung überdacht haben, musste am vergangenen Samstag Chemnitz erfahren. Die Niners, immerhin eines der am höchsten gehandelten Teams in dieser Spielzeit, vergeigten mit einem 8:26 im Schlussviertel in der Hohenlohe-Arena einen komfortablen Vorsprung, blieben die letzten fast fünf Minuten des Spiels ohne einen einzigen Punkt und verloren am Ende noch klar mit 70:78.

Moral und Kampfgeist waren es auch bei den Knights, die die Hoffnung auf bessere Zeiten am Samstag am Leben hielten. Fast wurden Erinnerungen wach an jenes Spiel im Januar 2016, das tags zuvor noch vor der Absage gestanden hatte. Die Knights, die nur sechs gesunde Stammkräfte aufs Parkett schicken konnten, entschieden sich, dennoch zu spielen, und fegten in einem mitreißenden Kampf eine Kölner Mannschaft in Bestbesetzung aus der Halle.

Auch am Samstag gegen Trier stimmten Einsatz und Moral. Was fehlte, waren die Mechanismen, die es braucht, um einer kraftraubenden Spielweise die nötige Effizienz an die Seite zu stellen. „Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der Ball läuft und die Laufwege stimmen“, sagt Tim Koch, von dem viele meinen, dass er als wichtigste Defensivkraft am Samstag den Unterschied ausgemacht hätte. Statt zu Hause am Liveticker still zu leiden, ist Koch nach überstandenem Mageninfekt zurück. Ebenso wie Justin Hedley, der am Mittwoch erstmals wieder trainierte, aber morgen wohl nicht mehr wird sein können, als kurzer Pausengeber für das derzeit stark strapazierte Guard-Duo Barton und Collins. Auch Keith Rendleman benötigt noch Zeit. Der sprungstarke Center leidet noch immer erkennbar unter den Auswirkungen einer Bänderverletzung am Knöchel. „Keith will mehr, als er im Moment wirklich kann“, sagt sein Trainer.

Die Mannschaft hat individuelle Klasse, das konnte man sehen, auch wenn es am Samstag in der Halle über weite Strecken ungewohnt still war. „Jede Trainingseinheit, jedes Spiel bringt uns ein Stück weiter“, meint Tim Koch. „Ich bin überzeugt, wir haben die Qualität, um wieder die Play-offs zu erreichen.“

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