Basketball

Hier bewegt sich etwas

Ob die Knights den Erzieherinnen im Lindorfer Kindergarten einen süßen Gruß vom Konditor geschickt oder wenigstens ein Gratisticket fürs erste Heimspiel ins Postfach gesteckt haben? Angemessen wäre es allemal oder, um in der Dienstsprache der Basketballer zu bleiben: fair enough. Der vierjährige Alexander mit Nachnamen Parra jedenfalls fühlt sich in der Kita in Stadtrandlage derart pudelwohl, dass er vor Freude gejuchzt haben soll, als der Papa beim Kofferpacken nach Ferienende Kirchheim als Ziel ins Navi tippte. Für einen Trainerpimpf scheinen schlappe vier Jahre Lebenserfahrung auszureichen, um zu wissen: Der Ort des Aufbruchs ist nicht zwangsläufig auch der, an den man wieder zurückkehrt.

Alexanders brennende Liebe für seine schwäbischen Kita- Kumpels dürfte allerdings nicht der einzige Grund sein, weshalb Mauricio Parra nun in sein zweites Jahr als Trainer unter der Teck geht. Es gab Angebote, die verlockender waren - sportlich wie finanziell. Doch Parra sagt, er habe festgestellt: Hier bewegt sich etwas. Dabei geht es nicht nur um Mineralwasser, das dank Sponsorenhilfe im Training neuerdings gratis durch durstige Kehlen rinnt, um modernes Physiogerät oder eine eigene Umkleide für die Mannschaft. Erstmals geht es konkret um das, was noch immer als größtes Hemmnis innerer Entwicklung gilt: eine neue Halle.

Statt hinter vorgehaltener Hand redet man im Gesellschafterrund der Knights zum ersten Mal seit 2012 - dem Jahr des verbauten Aufstiegs - offen über Hallenpläne. Über Standorte, Vermarktungswege und Investitionsvolumen. Ziel ist eine politische Debatte, mit der man der Stadt ein klares Bekenntnis abringen und deutlich machen will: Es geht längst nicht mehr nur um Prestige und Komfort, sondern allein um die Frage, ob Kirchheim auch in wenigen Jahren noch im Basketball für Spitzensport stehen wird. Deshalb sind auch Rat und Kommune gefragt. Nicht als Bauherren, sondern als kreative Partner auf dem Weg zu einem schlüssigen städtebaulichen Konzept.

Beide Seiten täten gut daran, sich dieser Debatte jetzt zu stellen. Mit oder ohne Basketball - in Kirchheim fehlen seit Jahren Hallenkapazitäten, auch im Breitensport. Von einem zeitgemäßen und attraktiven Veranstaltungsort ganz zu schweigen. Selbst das Thema Hallenbad ist plötzlich wieder einen Gedanken wert. Einfacher ausgedrückt: Die Knights bringen ins Rollen, was die Stadt seit vielen Jahren vor sich her schiebt. Gemessen an der eigenen Lage spät, aber immerhin. Das kann man als tollkühnen Hochseilakt betrachten - oder als große Chance sehen.

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