Basketball

„Keiner soll denken, dass es vorbei ist“

Basketball Nach der vergebenen Chance gegen Hagen verlangt Knights-Trainer Mauricio Parra von seiner Mannschaft eine Trotzreaktion. Von Bernd Köble

War‘s das? Rhondell Goodwin konnte wie die meisten seine Enttäuschung im Fan-Spalier nach Spielende nur schwer verbergen.Foto: T
War‘s das? Rhondell Goodwin konnte wie die meisten seine Enttäuschung im Fan-Spalier nach Spielende nur schwer verbergen.Foto: Tanja Spindler

Je später die Saison, desto plakativer die Bilder. Auf den Punkt gebracht hat die Situation in der heißen Endphase bisher jedoch keines. Finale? Matchball? Letztes Gefecht? Alles Quatsch. An der grundsätzlichen Möglichkeit, am 30. März in die Play-offs einzuziehen, hat sich für Kirchheims Zweitliga-Basketballer auch nach der Niederlage am Samstag gegen Hagen nichts geändert. Was sich geschmälert hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende tatsächlich so weit kommt.

Ein Endspiel ist ein Spiel, das keinen Konjunktiv kennt - nur Sieger und Verlierer. Danach ist Schluss. Deshalb erlebten die gut tausend Zuschauer am Samstag in der Sporthalle Stadtmitte vieles, nur kein Finale, und deshalb wird es ein solches auch die Woche darauf im Artland nicht geben. Gewinnt Kirchheim bei den zwei Plätze dahinter liegenden Dragons aus Quakenbrück und verlieren Karlsruhe (gegen Heidelberg) und Hagen (gegen Rostock) ihre Heimspiele gegen zwei Topteams, dann wäre auch diesmal nichts entschieden und es käme am letzten Spieltag zu einem packenden Dreikampf um Platz acht. Das ist eines auf jeden Fall nicht: undenkbar - und hätte am Ende vielleicht sogar mehr Unterhaltungswert, als das, was danach bestenfalls käme: ein Viertelfinale gegen Spitzenreiter Chemnitz.

Klar ist: Siege allein bringen die Knights nicht mehr ans Ziel. Sie tun es nur dann, wenn beide Konkurrenten aus ihrem schweren Restprogramm keine Punkte mehr saugen. Die Vorstellung, dass im letzten Heimspiel gegen Ehingen auf den Rängen die Smartphones glühen und das Geschehen in drei Hallen die Entscheidung bringen könnte, ist immerhin ein kleiner Trost für Knights-Coach Mauricio Parra - wenngleich ein schwacher.

Viel lieber hätte der Chef an der Linie seine Mannschaft am Samstag gewinnen sehen. Doch die war beeindruckt von der Brisanz dieses Spiels und einem Gegner, dem das Adrenalin 40 Minuten lang randhoch in den Schaugläsern stand. Dass die Feuervögel als restlos verdienter Sieger vom Parkett gingen, der nach einer unglaublichen Energieleistung in den Schlussminuten noch den Nerv fand, rotzfreche Würfe aufreizend sicher zu verwandeln, daran wollte keiner ernsthaft rütteln. Auch Parra nicht. „Wenn man so viel liegen lässt wie wir heute, dann kann man so ein Spiel eben nicht gewinnen.“ Dabei war es nicht allein die miserable Trefferquote aus dem Feld und eine erneut schwache Serie von der Freiwurflinie. Irgendwann ging den Gastgebern der Faden verloren. Gerade, als alle hofften, die Duracell-Häschen aus dem westfälischen Süden müssten vielleicht doch mal zum Laden ans Dock.

Zwar weiß niemand, was passiert wäre, hätte Tim Koch, der bei seinem Heim-Comeback auftrat, als wäre er nie weg gewesen, seinen letzten Versuch von draußen nicht an den Ring gesetzt. Dann wären die Knights zweieinhalb Minuten vor dem Ende auf vier Punkte dran gewesen und hätten den Feuervögeln womöglich noch mal richtig eingeheizt. Doch auch dann hätte es mehr gebraucht: einen Rhondell Goodwin mit dem rechten Augenmaß fürs Risiko, einen Keith Rendleman in Normalform und irgendeinen, dem es gelungen wäre, einen Irrwisch wie Jannik Lodders für einen Moment an die Kette zu legen.

Parra hat jetzt angekündigt, nach Wochen moderater Dosierung die Zügel im Training wieder anzuziehen. „Keiner soll denken, dass es vorbei ist“, sagt Kirchheims Coach. Fortsetzung folgt.

Wenzel wird Nachwuchscoach

Brian Wenzel wird im Sommer in seine vierte Saison in Diensten der Knights gehen. Kirchheims verletzter Kapitän wird allerdings nicht als Spieler, sondern als Nachwuchscoach den Rittern erhalten bleiben. Der 28-Jährige, der sich in der Hinrunde zum dritten Mal in seiner Karriere einen Bandscheibenvorfall zugezogen hat, soll künftig als Trainer der U16 die gemeinsame Mannschaft der Kooperationspartner aus Kirchheim, Stuttgart und Esslingen in die Jugend-Bundesliga (JBBL) führen. Die Jugendspielgemeinschaft nimmt im Sommer zum zweiten Mal Anlauf zur Qualifikation für die JBBL, die für die Zweitligisten in der Pro A inzwischen verpflichtend ist.

Ob Wenzel als Spieler zurückkehren wird, ist völlig offen. „Er wird das Jahr zur Reha nutzen und um völlig gesund zu werden“, sagt Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt. Brian Wenzel wechselte im Frühsommer 2016 vom Liga-Konkurrenten aus Essen unter die Teck. Zuvor spielte der gebürtige Berliner in Braunschweig und Jena.bk

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