Basketball

Planen im luftleeren Raum

Basketball Die Knights müssen in Zeiten des Stillstands die Trainerfrage klären. Ohne eine verlässliche Perspektive ist das im Moment ein schwieriger Job. Von Bernd Köble

Mit Leidenschaft am Werk: Trotzdem gibt es für David Rösch ein Leben außerhalb des Courts. Der Headcoach der Knights bereitet se
Mit Leidenschaft am Werk: Trotzdem gibt es für David Rösch ein Leben außerhalb des Courts. Der Headcoach der Knights bereitet seine Promotion als Sportwissenschaftler vor.Foto: Tanja Spindler

We stand as one, zu Deutsch: Wir halten zusammen - mit diesem neuen Song haben die Altrocker von Wishbone Ash im Januar ihre Deutschland-Tour beworben. Die fand tatsächlich auch statt, weil das Coronavirus zu diesem Zeitpunkt vor allem Chinesen betraf. Inzwischen ist man schlauer und Zusammenhalt das Einzige, was vielerorts den Laden noch am Laufen hält. „Standas­one30“ nennt sich das Motto, mit dem die Gladiators aus Trier in der 2. Basketball-Bundesliga um Spenden bei Fans und Gönnern werben. Angeblich fehlen wegen Corona 300 000 Euro in der Kasse. Ein Hilfeschrei, an den die Botschaft geknüpft ist: Die Lage ist wirklich ernst.

Eine ähnlich dramatische Aktion gibt es bei den Knights in Kirchheim bisher nicht, auch wenn Geschäftsführer Chris Schmidt sagt: „Wir rechnen mit einem um 30 Prozent geringeren Etat.“ Eine Ungewissheit, die im Moment Basis allen Handelns ist. „Wir sind nicht untätig, aber sehr bedacht“, sagt Schmidt. Die kaufmännische Maxime lautet: auf Sicht fahren. Deshalb haben die Knights alles, was neues Geld kostet, vorerst auf Eis gelegt. Auch die Frage, wer künftig Trainer sein wird. Seit klar ist, dass Karriereplanung und der Job als Headcoach für David Rösch in diesem Jahr nur schwer zu vereinbaren sind, besteht Handlungsbedarf. Rösch bereitet an der Uni Tübingen seine Promotion als Sportwissenschaftler vor und hat diesen zeitlichen Konflikt frühzeitig thematisiert, als er an Weihnachten für den erkrankten Mauricio Parra einsprang.

Verhandlungen mit van den Berg

Im Februar und März haben die Knights folglich das Gespräch mit einem Mann vertieft, der bereits als Nachfolger Parras auf der Wunschliste stand, zu diesem Zeitpunkt jedoch die Basketball-Akademie des niederländischen Verbands leitete: Marco van den Berg, viele Jahre Erstliga-Trainer in den Niederlanden und in der BBL mit Bayreuth, fand den Job in Kirchheim spannend. Die Gespräche mit dem 54-Jährigen waren offenbar weit fortgeschritten, als das Virus Mitte März den Spielbetrieb in der Pro A abrupt lahmlegte. Die Verhandlungen ruhten zunächst einvernehmlich, bis van den Berg den Kirchheimern am 28. März absagte. Knapp vier Wochen später, am vergangenen Mittwoch, verkündete der finanziell angeschlagene Konkurrent aus Trier­ die langfristige Verpflichtung des Niederländers, der die Gladiators von 2015 an schon einmal drei Spielzeiten lang trainiert hatte. „Ich kann die Situation in anderen Klubs nicht einschätzen“, sagt Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt mit Blick auf die unklare wirtschaftliche Lage. „Aber das Timing hat mich schon sehr verwundert.“ In einem Interview mit dem Lokalblatt Trierischer Volksfreund spricht van den Berg über seine Rückkehr an die Mosel von Zufall. Er wird mit den Worten zitiert: „Ich stand kurz vor dem Vertragsabschluss mit einem anderen deutschen Klub.“

Für die Knights geht die Suche nach einer Lösung für das Trainerproblem also weiter. Schmidt zufolge werden mehrere Varianten geprüft, von denen David Rösch noch immer eine ist. „Wir haben Ende April und fühlen uns in keiner Weise getrieben, in den nächs­ten zwei Wochen einen Trainer präsentieren zu müssen“, sagt er. Zumal im Moment niemand weiß, wann und unter welchen Bedingungen die neue Saison beginnen wird. Geschätzt 30 Prozent weniger Einnahmen bedeutet auch einen geringeren Spieleretat. Die deutschen Kräfte zu halten, ist das Ziel. Vieles davon hängt vom Markt ab, von dem keiner weiß, wie er sich entwickeln wird, und natürlich vom Trainer. Schon jetzt wird überlegt, den Kader von elf auf zehn Spieler zu reduzieren. Transferfristen, Gehälter, Preise, das ganze Geschäft verändert sich. „Für alles, was im Moment läuft, gibt es keinerlei Erfahrungswerte“, sagt Schmidt. Sein einziger Trost: Die Situation ist für alle gleich.

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