Basketball

Plötzlich kopflos

Basketball Beim Zweitligisten aus Kirchheim meldet sich nach dem Co-Trainer auch der Headcoach für unbestimmte Zeit krank. Ob Mauricio Parra auf die Bank zurückkehren wird, ist ungewiss. Von Bernd Köble

Am Samstag gegen Ehingen pushte sich die Kirchheimer Mannschaft selbst - mit Erfolg.Foto: Tanja Spindler
Am Samstag gegen Ehingen pushte sich die Kirchheimer Mannschaft selbst - mit Erfolg.Foto: Tanja Spindler

Manche Nachrichten werfen Fragen auf, statt Antworten zu geben. Der als Eilmeldung deklarierte Post am Samstag auf der der Facebook-Seite der Knights ist so eine. Gut zwei Stunden vor Beginn des Kirchheimer Basketball-Heimspiels gegen Ehingen hat der Verein die Erkrankung seines Cheftrainers bekannt gegeben. Mauricio Parra, der zwei Wochen zuvor in Hagen verantworten musste, was viele Beobachter als sportlichen Offenbarungseid betitelten, ist seit Donnerstag offiziell krank geschrieben. Dass es sich dabei um keine harmlose Erkältung handelt, dürfte jedem sofort klar gewesen sein, der lesen kann. Wie sich die Situation weiter entwickle, könne man nicht sagen, hieß es weiter im Text.

Beim Heimsieg am Samstag­abend, mit dem die Ritter zum ersten Mal in dieser Saison in der Pro A auf einen Nichtabstiegsplatz geklettert sind, betreuten Sportchef Christoph Schmidt und Nachwuchstrainer Brian Wenzel die Mannschaft. Das wird auch morgen Abend in Tübingen (20 Uhr, Paul-Horn-Arena) und am Samstag in eigener Halle gegen Rostock so sein. Alles Weitere? Ungewiss.

Sechs Wochen nach dem Ausfall von Co-Trainer Miguel Rodriguez wegen einer stressbedingten Erkrankung müssen Kirchheims Zweitliga-Basketballer aus ähnlichen Gründen nun auch ohne ihren Headcoach auskommen. Ungünstiger könnte der Augenblick kaum sein, mit drei Spielen innerhalb von acht Tagen. „Ich hätte gegen Ehingen gerne auf der Bank gesessen“, ließ Mauricio Parra gestern am Telefon wissen. „Mir blieb auf Anraten des Arztes jedoch keine Alternative.“

Der Spanier gilt als besessener Analytiker, einer der Spiele bis ins kleinste Detail seziert, Muster vergleicht und ganze Nächte damit verbringt, Videos zu schneiden und den kommenden Gegner zu durchleuchten. Eine Akribie, die in den zurückliegenden sechs Wochen ohne die gewohnte Assis­tenz offenbar nicht nur ihn, sondern mitunter auch sein Umfeld an Grenzen gebracht hat. Nach der völligen Blockade bei der 70:103-Niederlage vor zwei Wochen in Hagen konnte man am Samstag fast den Eindruck gewinnen, die Mannschaft wirke wie von Fesseln befreit.

Alle Szenarien sind möglich

Wie lange Mauricio Parra fehlen wird, ob er bei den Knights überhaupt noch einmal auf die Bank zurückkehren wird, ist im Moment völlig unklar. „Zuallererst geht es um den Menschen. Wir hoffen natürlich alle, dass es Mauro schnell besser geht“, sagt Geschäftsführer Christoph Schmidt, der gleichzeitig betont: „Trotzdem müssen wir auf alle Szenarien vorbereitet sein.“ Das schließt eine längere Erkrankung des Trainers mit ein, der in seinem zweiten Jahr in Kirchheim noch einen Vertrag bis Saisonende hat.

Wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem man reagieren muss, wird vor allem vom sportlichen Erfolg abhängen. Bei zwei Niederlagen innerhalb einer Woche in Tübingen und gegen Rostock wäre Gefahr in Verzug, müsste die Vereinsspitze wohl rasch handeln. Ein längeres Vakuum an sportlich entscheidender Stelle wäre in einer Saison, in der man wie selten zuvor um den Klassenerhalt kämpfen muss, kaum zu verantworten. „Wir werden durch diese Situation durchgehen, wie wir das immer tun in Kirchheim“, sagt Christoph Schmidt. „Ich habe dabei volles Vertrauen in die Mannschaft.“

Zugegeben: Einstellung und Körpersprache stimmten am Samstag. Gegen einen Abstiegskandidaten wie Ehingen reichte das zum knappen Sieg. Ob die Notlösung Schmidt/Wenzel auch im Krisenmodus funktioniert, ist allerdings fraglich. So oder so: Die Knights brauchen möglichst schnell wieder eine erfahrene Kraft auf der Trainerbank - wer immer das sein wird.

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