Basketball

Schlaflos unter Teck

Basketball Der Zweitligist aus Kirchheim verliert Spiele, die man eigentlich nicht verlieren kann. Das macht die Lage im Moment besonders gefährlich. Von Bernd Köble

In heiklen Spielphasen liegt die Verantwortung meist auf seinen Schultern: Knights-Spielmacher Dajuan Graf.Foto: Werner Schönber
In heiklen Spielphasen liegt die Verantwortung meist auf seinen Schultern: Knights-Spielmacher Dajuan Graf.Foto: Werner Schönberger

Am Ende ist es die eine Frage, die sich im Basketball immer wieder stellt: Foulen oder nicht? Sekunden von der Uhr nehmen, indem man den Gegner defensiv kontrolliert oder ihn an die Freiwurflinie schicken und darauf vertrauen, dass der eigene Ballbesitz im Anschluss zum knappen Sieg reicht? Mauricio Parra hat am Sonntagabend in Nürnberg die erste Variante gewählt und daraufhin eine schlaflose Nacht erlebt. „Die Entscheidung nehme ich auf meine Kappe“ sagt Kirchheims Headcoach. „Wenn‘s gut geht, wird dir gratuliert, wenn‘s schiefläuft, kommen die Fragen. So ist das Geschäft.“

Moritz Sanders Dreier zum Ausgleich der Franken neun Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit war der Anfang vom Ende aller Kirchheimer Träume vom zweiten Saisonsieg. Ein Sieg, der bis zu diesem Moment so gut wie sicher schien, nach einem Spiel, das die Gäste von Beginn an klar dominiert hatten. Den fatalen Schlusspunkt hinter einen unglaublichen Abend setzte kurze Zeit später ausgerechnet Knights-Spielmacher Dajuan Graf, der nach einem gewohnt souveränen Auftritt die zweite Fehlentscheidung an diesem Abend traf: Statt in den Schlusssekunden der Overtime bei Gleichstand das letzte Foul zu ziehen, entschied sich Graf für den schwierigen Wurf aus der Mitteldistanz und sorgte so dafür, dass das Spiel zum zweiten Mal in die Verlängerung ging. Was danach kam, war Resignation, hängende Köpfe und leere Blicke bei Spielern, Trainern und mitgereisten Fans.

Und jede Menge Fragen. Etwa die, warum es angesichts der deutlichen Führung nicht schon viel früher gelungen war, den sprichwörtlichen Deckel aufs Spiel zu machen, den Gegner „endgültig über die Klippe zu schubsen“, wie Knights-Geschäftsführer Christoph ­Schmidt es ausdrückt. „Sich auf dieses Spiel einen Reim zu machen, fällt schwer“, sagt er. „Das muss man erst mal verdauen.“

Die Knights spielen seit Wochen guten Basketball, aber sie spielen nicht erfolgreich. In einer Mannschaft, die im Sommer noch als eine der mutmaßlich stärks­ten im gelben Trikot galt, gibt es zu viele Mitläufer. Selbst erfahrene Kräfte, die in der Crunchtime abtauchen, statt das Heft in die Hand zu nehmen. „Da muss mehr kommen“, sagt ­Schmidt. Drei Viertel der Saison stehen noch aus. „Das ist Zeit genug, das Ruder herumzureißen.“

Brandgefährlich ist die Lage allemal. Einen Verein, dem die finanziellen Mittel fehlen, um im Winter personell aufzurüsten, schmerzen Punkte, die man vor Weihnachten liegen lässt, umso mehr. Gelingt auch am Samstag zu Hause gegen Karlsruhe kein Sieg, stehen die Knights in den beiden schweren Auswärtsspielen in Heidelberg und Hagen mit dem Rücken zur Wand. Danach folgt eine zweiwöchige Zwangspause, die dem Coach alles andere als gelegen kommt. „Ich weiß, dass wir Alarmstufe Rot haben“, sagt Parra. „Trotzdem müssen wir unseren Weg geduldig weitergehen.“

Trainer und Sportliche Leitung sind nach wie vor von der Qualität der Mannschaft überzeugt. Tatsache ist: Bis aufs Heimspiel am zweiten Spieltag gegen Trier waren die Ritter in keiner Begegnung chancenlos. Doch wer sich für gute Leistungen dauerhaft nicht belohnt, ist ein Abstiegskandidat. Zumal in einem Jahr, in dem möglicherweise gleich drei Mannschaften der Gang in die Pro B droht.

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