Basketball

„Um ein guter Verteidiger zu sein, braucht man nicht viel Talent“

Interview Unerbittlich in der Defensive, brandgefährlich beim Wurf – Tim Koch hat sich als dienstältester Spieler in Kirchheim zum Liebling der Fans entwickelt. Von Bernd Köble

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Er steht vor seiner inzwischen sechsten Saison im Knights-Trikot, und er ist der Einzige im Team mit schwäbischen Wurzeln. Kirchheim ist für Tim Koch zur Basketball-Heimat geworden und Tim Koch für Kirchheim zur Identifikationsfigur. Was er von sich, der neuen Saison und vielen neuen Teamkollegen erwartet, verrät er im Interview.

 

Tim, vieles in dieser holprigen Vorbereitung mit vielen Verletzten hat ans vergangene Jahr erinnert. Was ist trotzdem anders?

Tim Koch: Wir haben in erster Linie einen größeren Kader als zuletzt. Mehr Möglichkeiten dadurch in der Rotation. Verletzungen gehören im Sport leider dazu. Das lässt sich nicht verhindern. Der größere Kader konnte da schon manches auffangen. Der verspätete Saisonbeginn hat uns zudem wertvolle Zeit verschafft.

 

Viele meinen, die Mannschaft sei stärker einzuschätzen als zuletzt. Würden Sie dem zustimmen?

Das höre ich jetzt zum ersten Mal. So etwas kann nur die Saison beantworten, vor der noch keiner weiß, wie stark unsere Gegner sind. Durch die größere Rotation sind wir natürlich taktisch variabler, haben mehr Wechselmöglichkeiten. Dass wir insgesamt stärker wären, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber so nicht bestätigen.

Ihr hattet deutlicher weniger Testspiele als geplant. Wo sind momentan noch die größten Baustellen?

Im Zusammenspiel generell. Ich glaube aber, dass wir unter den gegebenen Bedingungen einen guten Job gemacht haben. Die Ballbewegung im Offensiv-Spiel fand ich schon richtig gut in den wenigen Testspielen. Keiner hat eigennützig gespielt oder irgendetwas erzwungen. In der Verteidigung ist noch Luft nach oben. Da müssen wir noch an der Kommunikation und den Abläufen arbeiten, damit jeder weiß, was er zu welchem Zeitpunkt zu tun hat.

Der Trainer lobt den Charakter der Mannschaft. Beim Turniersieg in Nürnberg sah man ein Team ohne Egoismen. Ist das die größte Stärke in diesem Jahr?

Das kann schon eine große Stärke werden. Wenn man noch einmal den Extra-Pass spielt, um den besser postierten Mann zu finden, oder man sich in der Defensive hilft. Die Charaktere dafür haben wir. Zwischen uns passt es menschlich, auch außerhalb der Halle. Wenn wir das aufs Spiel übertragen, dann glaube ich, kann es eine gute Saison werden.

Als Distanzschütze leben Sie von guten Vorbereitern. Das scheint besser zu funktionieren als im vergangenen Jahr, als man häufig den Eindruck hatte, das Spiel läuft an Ihnen vorbei.

Das sollte man nicht zu stark gewichten, aber es ist schon so, dass der Trainer darauf achtet, dass sich die Stärken jedes Einzelnen im Spiel entfalten können. Meine Stärke ist nun mal mein Wurf. Deshalb gibt es einige neue Spielvarianten, die auf mich ausgelegt sind. Der Trainer macht dadurch jeden von uns stärker und, wie ich finde, einen extrem guten Job.

 

Wenn wir schon bei Ihren Stärken sind. Was zeichnet einen guten Defensivspieler aus?

Dass er das umsetzt, was der Trainer will. Defensive ist harte Arbeit. Da muss man nicht viel Talent dafür haben. Das ist echt nur Physis, sich den Arsch aufreißen auf gut Deutsch.

Es gibt in dieser Saison viel Konkurrenz auf den Positionen. Der Trainer will sich auf keine Startfünf festlegen, sagt er. Ist das generell gut, oder steckt darin auch Zündstoff?

Gesunde Konkurrenz ist für jede Mannschaft wichtig. Ich finde es super, dass wir so viele konkurrenzfähige Leute haben. Das bringt auch im Training eine viel größere Qualität. Wenn man sich im Training gegenseitig pushed, macht das am Ende jeden besser. Das ist ein großer Pluspunkt.

 

Sie sind jetzt 29. Da gehört man im Basketball noch nicht zum alten Eisen. Wie groß ist der Wunsch, vielleicht doch noch einmal in die BBL zurückzukehren?

Auf jeden Fall möchte ich in der Pro A oben mitspielen. Mein größter Traum wäre natürlich, mit Kirchheim in den kommenden Jahren den Aufstieg zu schaffen. Ich habe ja gerade erst für drei Jahre verlängert.

Besonders realistisch ist das nicht.Mag sein. Was für mich hier zählt: Man fühlt sich gut aufgehoben, vieles ist noch sehr familiär, und man weiß sich zu schätzen. Ich gehe in Kirchheim jeden Tag mit einem Riesenspaß an die Arbeit. Natürlich sind sportliche Ambitionen das andere. Aber ich sehe, dass hier hart und konsequent gearbeitet wird, um Dinge weiterzuentwickeln. Dieser Wille gab für mich den Ausschlag, Teil dieser Entwicklung sein zu wollen.

Sie sind der einzige Schwabe in der Mannschaft, auch wenn man das nicht hört. Das habe ich mir hart abtrainiert.

Identifikationsfigur zu sein, ist das ein Zusatzjob? Ich sehe das schon als Teil meiner Arbeit, und es ist auch schön. Basketball ist ein extrem kurzlebiges Geschäft. Da freuen sich die Leute schon, wenn sie ein Gesicht zweimal sehen. Für mich ist das eine Ehre, wenn nicht nur die Kids, sondern auch ältere Zuschauer mich als den Kirchheimer sehen. Es ist schön, dass mit Andi, Brian und mir der deutsche Kern der Mannschaft zusammengeblieben ist. Das zeigt auch, dass im Verein etwas in die richtige Richtung geht.

 

 

Zur Person

Tim Koch ist 29 Jahre alt, geboren und aufgewachsen ist er in Dürrn in der Nähe von Pforzheim, wo seine Familie bis heute lebt. Mit Basketball begann er in der Jugend von Grüner Stern Keltern, ab 2006 spielte er für die BSG Ludwigsburg in der Regionalliga und in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL). Seinen ersten Einsatz als Profi hatte Koch in der Saison 2007/08 im Trikot des Erstligisten EnBW Ludwigsburg. Von 2009 bis 2011 lief Koch erstmals für den damaligen Kooperationspartner Kirchheim in der Pro A auf. Vor seinem Wechsel 2015 zu den Knights verzeichnete er 2011/12 seine erfolgreichste BBL-Saison mit Ludwigsburg. Bei 25 Einsätzen stand er achtmal in der Startformation.

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