Basketball

Vorwärts immer

Am Freitag ist zum ersten Mal ein Auftaktspiel in der Pro A im frei empfangbaren Fernsehen übertragen worden. Zum ersten Mal gehören Standkorbanlagen, wie sie in der BBL schon lange die Regel sind, zur Standardausstattung in der Pro A. Zum ersten Mal wird am Ende der Saison nur aufsteigen können, wer mindestens drei Millionen Euro im Etat nachweisen kann, und zum ersten Mal hat die Pro A mit einem großen deutschen Krankenversicherer einen eigenen zahlungskräftigen Namenssponsor an Land gezogen. Doch ist die Liga deshalb gesund?

Dass sich Basketball in Deutschland rapide entwickelt, ist nicht nur daran abzulesen, dass zum ersten Mal sieben deutsche Spieler in der NBA ihr Geld verdienen. Schwergewichte wie Bayern-Boss Uli Hoeness oder Bambergs Mäzen Michael Stoschek schüren seit Jahren das Feuer im Kessel, um den Basketball-Standort Deutschland wirtschaftlich wie sportlich näher an die europäische Spitze heranzuführen.

Was in selbem Maße mitwächst, ist die Kluft zwischen oben und unten. Nicht nur innerhalb der BBL, die in den kommenden Jahren eine Leistungsverdichtung mit weniger Klubs erfahren soll, sondern auch zwischen erster und zweiter Liga. Mit Köln und Erfurt hat es im Frühjahr zwei Standorte erwischt, die mit großen Ambitionen angetreten waren. Mit den Artland Dragons aus Quakenbrück kehrt jetzt ein Verein als Nutznießer zurück, der mehr als drei Jahrzehnte lang das ganze Dilemma verkörperte. Vom wundersamen Aufstieg zur europäischen Bühne bis zum Absturz in die dritte Liga vor drei Jahren.

Und Kirchheim? Die Knights schwimmen im Haifischbecken munter mit, gelten im elften Jahr Pro A sogar als Stabilitätsanker. Dabei ist wenig mehr als ein Jahr verstrichen, seit man sich hier die Grundsatzfrage stellte: Aufhören oder weitermachen? Nach einem Jahr unter Anton Mirolybov, der an eigenen Prinzipien scheiterte, setzt man mit Mauricio Parra nun auf einen ganz anderen Trainertyp: kommunikationsfreudig, gut vernetzt, einend. Dass er als Chefcoach erfolgreich sein kann, muss der ehemalige Assistenztrainer mit langjähriger Erfahrung in der ersten Liga zwar erst noch beweisen. Schon jetzt aber deutet vieles darauf hin, dass er begriffen hat, wo die Herausforderungen in Kirchheim in Zukunft liegen werden: Optimierung der Ressourcen, ein besseres Marketing, professionellere Nachwuchsarbeit, und auch am Thema Hallenneubau wird kein Weg mehr vorbeiführen. Die Aufgaben sind gewaltig. Dass die Knights sie mit aller Entschlossenheit anpacken wollen, ist neu.

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