Fussball Bezirksliga

Den Titel-Hattrick fest im Visier

Fußball Von der Kreisliga B in die Landesliga? Bezirksliga-Neuling JC Donzdorf peilt den dritten Aufstieg in Folge an. Helfen soll dabei unter anderem ein neuer Trainer. Von Max Pradler

Der JC Donzdorf ist auf dem Vormarsch. In der Ende August beginnenden Bezirksligasaison sind die Lautertäler einer der Favoriten
Der JC Donzdorf ist auf dem Vormarsch. In der Ende August beginnenden Bezirksligasaison sind die Lautertäler einer der Favoriten. Foto: Cornelius Nickisch

Aufbruchstimmung im Lautertal: Nach zwei Meistertiteln in Folge, geht der JC Donzdorf in diesem Jahr erstmals in der Fußball-Bezirksliga an den Start - und das direkt als absoluter Topfavorit.

Die Mannschaft, die sich bislang überwiegend aus türkisch-stämmigen Spielern zusammensetzte, wurde mit insgesamt 14 Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen bei Saisonabbruch souverän Meister der Kreisliga A3. Dementsprechend groß ist auch die Euphorie vor dem Abenteuer Bezirksliga. „Wir können es kaum abwarten. Die Liga ist ein echter Kracher“, freut sich Veysel Bilgin, Sportlicher Leiter des JC.

Die Vorzeichen jedenfalls stehen gut: Die Donzdorfer schwimmen seit gut drei Jahren auf einer Erfolgswelle, haben seit August 2017 saisonübergreifend in gerade einmal sechs Liga-Partien den Platz als Verlierer verlassen. „Den Rückenwind wollen wir natürlich mitnehmen und den Titel-Hattrick schaffen“, betont Bilgin, „auch wenn es einige Teams gibt, die berechtigte Titelambitionen haben - so wie beispielsweise der VfL Kirchheim, 1. FC Eislingen oder FC Esslingen.“

Dass es der türkische Klub kommende Saison wissen will, unterstreichen vor allem die Transferaktivitäten in diesem Sommer: Mit Dennis Wagner, Noel Akcay (beide VfL Kirchheim U19), Marius Nigl, Tolunay Gedik (beide TSG Salach), Felix Lache (TSV Bad Boll), Toni Carfagna (TSV Weilheim), Pietro Maglio, Maik Lissner (beide SV Ebersbach), Emrullah Maloku (Normannia Gmünd U19), Visar Mustafa (TSGV Waldstetten), Gianluca D‘Onofrio und Fatih Hamamci (beide 1. FC Heiningen) verpflichteten die Lautertäler in den vergangenen Wochen insgesamt zwölf neue Akteure - die meisten davon aus höherklassigen Ligen. Dem gegenüber verzeichnet der Klub acht Abgänge. „Wir wollten unseren Kader qualitativ und quantitativ an die Liga anpassen. Die Spieler, die gegangen sind, sind aber alle freiwillig gewechselt. Wir haben keinem einen Abgang nahegelegt“, betont der Sportliche Leiter.

Vorgestern folgten dann pünktlich zum bevorstehenden Auftakt in die Pflichtspielrunde direkt die nächsten beiden Kracher: Nachdem Dominik Mader - einst in der 2. Bundesliga für die TuS Koblenz aktiv - und der ehemalige VfL-Jugendspieler Tarik Serour, bis dato beide noch bei Landesligist SV Ebersbach unter Vertrag, bereits seit einigen Wochen beim Bezirksliga-Aufsteiger mittrainiert hatten, ist der Doppeltransfer nun endgültig fix. „Es hat sich etwas gezogen, weil es Differenzen bei den Ablösesummen gab. Aber jetzt sind wir natürlich sehr stolz, solch namhafte und routinierte Spieler zu uns gelotst zu haben“, freut sich Bilgin.

Dass dermaßen intensive Aktivitäten auf dem Transfermarkt mit immens hohem finanziellen Einsatz für kritische Stimmen bei der Konkurrenz sorgen, lässt den 37-Jährigen kalt: „Dem ein oder anderen ‚Traditionsverein‘ passt das natürlich nicht. Aber wir verfolgen unser Ziel und haben starke Sponsoren hinter uns, das ist doch nicht verwerflich. Manche haben vermutlich die Befürchtung, dass wir ihnen den Rang ablaufen.“

Hoskins soll‘s richten

Doch trotz aller Euphorie hatte der Klub erst kürzlich auch einen Rückschlag zu verkraften, als Anfang Juli - unmittelbar vor Beginn der Vorbereitung - Aufstiegstrainer Serkan Coskun nach nur einem Jahr im Amt überraschend das Handtuch warf. Ihm habe das Vertrauen und der Respekt vonseiten des Vorstands gefehlt, erklärte er bei seinem Abschied gegenüber der Mannschaft. „Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen und Meinungsverschiedenheiten. Aber das haben wir alles offen miteinander kommuniziert und uns deshalb letztlich einvernehmlich getrennt“, relativiert Bilgin.

Die Lautertäler ließen sich davon allerdings nicht beirren und verpflichteten mit Michael Hoskins kurzerhand einen Trainer aus der Oberliga. Der 40-jährige Halbamerikaner coachte bis zur Corona-Pause den TSV Ilshofen. Viele und sehr lange Telefonate hätten ihn letztlich davon überzeugt, den ungewöhnlichen Schritt von der Oberliga in die Bezirksliga zu gehen. Veysel Bilgin freut‘s: „Michael hat viel Erfahrung, er wird das Maximum aus unserem Kader herausholen. Er kennt auch schon einige Spieler von früher.“

In welcher Liga er den JC Donz- dorf in fünf Jahren sehe, möchte Veysel Bilgin nicht beantworten - zu schnelllebig sei das Fußballgeschäft. „Wichtig ist doch erst mal, dass wir hoffentlich eine komplette Runde frei von Corona spielen dürfen.“

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