Fussball Bezirksliga

Die SGEH „wie abgeschnitten“

Fußball-Bezirksliga Währen die „Älbler“ die Klatsche gegen den TSV Neckartailfingen schmerzt, tut der TSV Weilheim mit seinem Coup in Deizisau den Kirchheimern einen großen Gefallen. Von Reimund Elbe

Zwei Tore durch Ingo Schäfer reichten der SGEH zu Hause nicht zum Sieg. Foto: Markus Brändli
Zwei Tore durch Ingo Schäfer reichten der SGEH zu Hause nicht zum Sieg. Foto: Markus Brändli

Kurioses liefert der Fußball immer mal wieder. Dass Bezirksligist TSV Weilheim in der vergangenen Woche mit der Nullnummer den VfL Kirchheim von der Tabellenspitze stürzte, bedeutet nur Teil eins der Story. Das zweite Kapitel schrieben die Weilheimer gestern per 3:2-Überraschung in Deizisau. Dieser zweite Sturz eines Spitzenreiters binnen sieben Tagen führte dazu, dass nun ausgerechnet der VfL Kirchheim wieder oben steht.

Dabei hatten die Weilheimer gestern in Deizisau keinen guten Einstieg. Stammkeeper Ali Sahin fuhr zwar mit zum Spiel, musste aber schon beim Warmmachen wegen der bereits seit Tagen anhaltenden Muskelbeschwerden die weiße Fahne hissen. „Er konnte nicht einmal schmerzfrei Abschläge vom Boden ausführen“, berichtete Spielleiter Armin Sigler.

Felix Kuhnert musste ran, eigentlich Reserve-Keeper der „Zweiten“. Und der Youngster wurde in der hitzigen Schlussphase zu einer wichtigen Stütze: Drei Hochkaräter entschärfte Kuhnert, half entscheidend mit, dass die Weilheimer zum fünften Mal in Folge ungeschlagen blieben. „Felix ist über sich hinausgewachsen, es freut mich sehr für den Jungen“, lobte TSVW-Coach Benjamin Geiger den kurzfristig eingesprungenen Goalie.

Die Weilheimer lieferten vor der Pause eine erstaunlich konzentrierte Leistung ab, die sie mit drei Treffern krönten. „Kurz nach dem Seitenwechsel hatten wir durch Toni Carfagna eine weitere Topchance“, sagte Geiger, doch der Angreifer scheiterte in einer Eins-zu-eins-Situation an Deizisaus Torwart Patrick Magnani. Den Sturmlauf der Gastgeber überstand der TSVW dann auch „mit etwas Glück“, wie Armin Sigler befand. Für ihn bedeutete die Partie eine Rückkehr in alte Gefilde - der TSVD ist sein Heimatklub.

Kuhnert könnte auch kommende Woche gegen Neuling SpV 05 Nürtingen, der gestern mit 3:2 gegen Faurndau gewann, im Tor stehen. Denn Sahin bleibt ein Wackelkandidat und der einstige Stammkeeper Jonas Schmidt dürfte laut Geigers Einschätzung durch das Studium in Rumänien in den kommenden zwei bis drei Jahren kein Thema mehr unter der Limburg sein. „Der Spielerpass bleibt vorerst hier“, so der Coach.

VfL dreht nach der Pause auf

Das Weilheimer Wirken machte den VfL-Heimerfolg über den TV Nellingen für die Teckstädter doppelt schön. Nach einer einwöchigen Abstinenz steht der VfL durch das 4:0 wieder ganz oben. Fußball-Abteilungsleiter Marc Butenuth durchlebte dabei allerdings weniger schöne Phasen im Spiel. „Die erste Halbzeit war nicht gut für meine Nerven“, merkte der Funktionär an. Die Kirchheimer dominierten zwar, blieben aber in der Chancenverwertung blass. Ganz anders der Start in Halbzeit zwei. Felix Hummel traf binnen 120 Sekunden zweimal, Meksud Colic binnen sieben Minuten ebenso zweifach. „Es war wichtig, dass wir nach dem 1:0 gleich nachgelegt haben“, resümierte Butenuth, der sich zudem darüber freute, dass das Team im zweiten Spiel hintereinander ohne Gegentor blieb. Kommenden Sonntag könnte der TV Neidlingen die Kirchheimer bereits wieder vom ersten Tabellenplatz stürzen - der Spitzenreiter gastiert dann an der Schönbuchstraße - eine pikante Note des kommenden Duells.

Neidlinger im Minimalmodus

Die Generalprobe für den lokalen Hit gestalteten die Neidlinger gestern freilich auf einem eher überschaubaren Level. Das 1:1 beim weiter sieglosen Tabellenletzten FC Rechberghausen war besonders deshalb etwas glücklich, weil mitten in den Schlussminuten FCR-Akteur Patrick Niemietz den Ball aus kurzer Distanz nach einem Flachpass über statt ins Tor beförderte. „Das war knapp“, sagte TVN-Spielertrainer Patrick Kölle, dessen Team seit der 50. Minute einem 0:1-Rückstand hinterher laufen musste. Christian Kuch sorgte rund eine Viertelstunde vor Schluss für das Endresultat. Patrick Kölle war ob dieser ganzen Spielentwicklung mit dem Punkt nicht unzufrieden. „Die Gesamttendenz stimmt trotzdem, wir kommen Schritt für Schritt weiter“, betonte der Coach mit Blick zurück auf den schwachen Saisonstart. Für das Derby gegen den VfL hegt Kölle ganz besondere Hoffnung. „Ein Sieg wäre ein Big point, wir könnten uns im oberen Mittelfeld festsetzen“, frohlockt der Torjäger.

Erklärungsnot bei der SGEH

Daheim war sie eine Bastion, jetzt hat es die Sportgemeinschaft Erkenbrechtsweiler-Hochwang erwischt. Das 3:6 gegen den TSV Neckartailfingen bot Spektakelfußball, der allerdings erhebliche Lücken im Abwehrverhalten der Gastgeber offenbarte.

Die Gäste hatten eine verrückte Woche hinter sich. So fiel das eigentlich für vergangenen Donnerstag angesetzte Spiel gegen den FV Plochingen aus, weil laut TSVN-Angaben die Gemeinde den Platz walzen wollte, der zuständige Mitarbeiter freilich die falsche Gerätewahl traf. „Der Platz sah danach aus wie eine Motocross-Strecke“, berichtetet Neckartailfingens Spieler Samuel Schöner.

Noch dicker kam es einen Tag später, als ein Landwirt wenige Meter neben dem Sportplatz Gülle ausbrachte, daraufhin wegen des ausgetretenen Ammoniaks etliche kickende Fußballer Augenreizungen und Atemnot bekamen. Neben der Polizei kamen sogar ein lokaler Fernsehsender vorbei, um über diese Seltsamkeit zu berichten. „Das war ein Theater“, bilanzierte Neckartailfingens Fußball-Ikone Dieter Hiemer kopfschüttelnd. Nach dem 6:3 bei der SGEH war er wieder im Lachmodus unterwegs. „Ein überraschender Sieg, zumal wir fast mit dem letzten Aufgebot angerückt waren“, resümierte Hiemer.

SGEH-Sprecher Florian Lenuzza fand keine exakte Erklärung dafür, warum die SGEH nach Wochen meist positiver Erlebnisse und Erkenntnisse diesmal so krass patzte. „Wir kamen mit dem 1:0 durch Ingo Schäfer prinzipiell gut in die Partie rein, doch nach einer halben Stunde war alles wie abgeschnitten“, bilanzierte der SGEH-Stammspieler. Besonders der Neckartailfinger Doppelschlag binnen 60 Sekunden durch Yannick Schellander (38.) und Ben Twardygrosz (39.) schmerzte. Lenuzza fand harte Worte für das Auftreten des Teams in der zweiten Halbzeit. „Richtig schlecht“, befand er. Die SGEH hat vorerst den Anschluss an die Spitzengruppe verloren.

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