Fussball Bezirksliga

Drei kommen unter die Räder

Fußball-Bezirksliga Weilheim, Neidlingen und Neuling TSV Jesingen kassieren am zweiten Spieltag krachende Niederlagen. VfL-Coach Oliver Klingler wird beim 6:3 gegen Plochingen in der Halbzeitpause laut. Von Klaus Schlütter

Jesingen am Boden: Der Bezirksliga-Aufsteiger bezahlt an den ersten beiden Spieltagen noch Lehrgeld.Foto: Carsten Riedl
Jesingen am Boden: Der Bezirksliga-Aufsteiger bezahlt an den ersten beiden Spieltagen noch Lehrgeld.Foto: Carsten Riedl

Zwei Siege, aber drei vernichtende Niederlagen für die Teckvereine in der Bezirksliga. Nur der VfL Kirchheim und die SG Erkenbrechtsweiler/Hochwang retteten die Ehre des Quintetts. Das 1:0 gegen den TV Nellingen nach dem zweiten Erfolg im zweiten Spiel katapultierte die SGEH auf den dritten Tabellenplatz. Der Gegner scheint den Älblern zu liegen. Denn in der Vorrunde der abgebrochenen Corona-Saison hatten sie die Gäste von den Fildern gar mit 7:0 nach Hause geschickt.

Die erste Halbzeit verlief fast so einseitig wie das damalige Spiel. „Es gab Chancen für ein 4:0“, meinte Betreuer Marc Bräuer, „aber der Ball wollte einfach nicht rein.“ Erst in der zweiten Halbzeit bekam Torwart Kevin Drawetz Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Doch die Platzherren fighteten zurück, wollten unbedingt gewinnen. Mit der Einwechslung von Marco Lude und Marc Kevin Theimer kam noch einmal frischer Wind in die Angriffsbemühungen. Sie wurden sieben Minuten vor Schluss belohnt. Auf Flanke von Dennis Oswald köpfte Torjäger Kevin Rieke das von 150 Zuschauern vielumjubelte Tor des Tages. Mit einem Polster von sechs Punkten aus zwei Spielen kann die SGEH einigermaßen beruhigt nach Esslingen fahren, wo die Mannschaft von Christian Mirbauer ein heißer Empfang erwartet.

Wiedergutmachung war angesagt für den VfL Kirchheim nach dem misslungenen Saisonauftakt beim Türk SV Donzdorf (1:2), der Erinnerungen weckte an die Auftaktpleite im Vorjahr gegen Deizisau. Die erste Halbzeit machte noch wenig Hoffnung. Zweimal ging der FV Plochingen, angetrieben vom Ex-Göppinger Oberligaspieler Patrick Warth, in Führung. „Paddy war überragend. Was er machte, hatte Hand und Fuß“, zollte ihm VfL-Trainer Oliver Klingler Respekt. 2:3 zur Pause - und Kollege Fabio Morisco, der 2003 mit dem VfL Kirchheim und seinem jetzigen Co-Trainer Thorsten Schöllkopf WFV-Pokalsieger wurde, frohlockte: „Ich dachte, das können wir packen.“

Denkste! In den zweiten 45 Minuten drehte sich das Spiel komplett. Der VfL-Coach hatte in der Halbzeitansprache „den Rauch rein gelassen“ und einen Sieg mit zwei Toren Unterschied gefordert. Mit anderen Worten: Klingler hat seine Mannen „wachgeklingelt.“ Sein Appell zeigte Wirkung. Am Ende waren es sogar drei Tore mehr. Drei Neuzugänge hatten großen Anteil daran: Der 35-jährige Türke Hakan Aslantas (kam vom SV Fellbach) als Takt- und Ideengeber, das kroatische Talent Karlo Mandir (19, vom 1. Göppinger SV) als Joker und zweifacher Torschütze, sowie der ebenfalls 19-jährige Torwart Niko Nagel vom FV 09 Nürtingen. Als Doppel-Torschütze tat sich noch ein Neuer hervor: der 20-jährige Bosnier Ammar Memic vom SSV Reutlingen.

Eine 1:6-Packung setzte es für den TSV Weilheim im Lindachstadion gegen den Türk SV Donzdorf. Bis zum 1:1 durch Tayip Abanoz konnte die Geiger-Elf noch Paroli bieten, dann ging es Schlag auf Schlag. „Wir haben viele individuelle Fehler gemacht und wurden dafür gnadenlos bestraft“, urteilte Trainer Benny Geiger. Allein dreimal netzte Antonio Carfagna ein, der in der vergangenen Saison noch das Weilheimer Trikot trug. „Ein Abgang, der uns richtig weh getan hat“, so der Coach. Beim TSV zeichnete sich Torwart Felix Kuhnert mit einigen Glanzparaden aus, war aber umgekehrt an zwei Gegentoren nicht ganz schuldlos. Schlusswort Geiger: „Das war nicht der Gegner, mit dem wir uns messen müssen.“ Donzdorf ist für mich der Topfavorit für den Aufstieg.“

Nicht weniger ernüchternd ist die 1:5-Klatsche, die der TSV Jesingen zuhause gegen FTSV Kuchen, eher ein Gegner aus dem unteren Mittelfeld, bezog. „Wir sind gut gestartet und haben schlecht weitergespielt“, so das Fazit von Danell Stumpe. Nach dem 1:0 folgten zwei Gegentore aus dem Nichts. „Wie auf dem Servierbrett. Unsere Fehler“, so der Trainer. Nach der Pause erhöhten die Jesinger den Druck - und kassierten nach einem weiteren Lapsus den dritten Treffer. „Der hat uns das Genick gebrochen.“ Sein Trost: Im nächsten Heimspiel gegen den TSV Weilheim ist Timo Mader nach langer Pause wegen eines Jochbeinbruchs wieder dabei.

Auf bessere Zeiten muss auch der TV Neidlingen hoffen. Gegen Neuling FC Esslingen gab`s eine bittere 0:5-Schlappe. Fazit von Spielertrainer Patrick Kölle: „Wir haben 40 Minuten gut dagegen gehalten, wurden aber nicht belohnt. Nach dem Doppelschlag kurz vor und nach der Pause war das Spiel entschieden. Die Esslinger Mannschaft ist ausgeglichen gut besetzt, spielt technisch und taktisch einen disziplinierten Fußball.“

Warteschlangen wegen Corona

Eine Viertelstunde vor Schluss meldeten die Kioskbetreiber im Kirchheimer Stadion an der Jesinger Allee: „Rote Würste ausverkauft!“ Mit so einem Andrang beim ersten Heimspiel hatten die Verantwortlichen des VfL Kirchheim tatsächlich nicht gerechnet. Fast 400 Zuschauer, so viel wie seit Jahren nicht mehr. Ein Flutlichtspiel am Freitagabend bei bestem Fußballwetter, alles hat gepasst.

Warteschlangen am Kassenhäuschen bis lange nach Spielbeginn. Geschuldet den Vorgaben von Stadt und Land wegen der Corona-Pandemie. Jeder Zuschauer musste einen Zettel mit seinen Daten ausfüllen. Die gesammelten „Werke“ wurden in einen Karton mit Schlitz, dann in einen Briefumschlag gesteckt, zugeklebt und vier Wochen aufbewahrt, um für einen Corona-Fall gerüstet zu sein.

„In Kirchheim werden die Verordnungen strikt eingehalten“, sagt VfL-Abteilungsleiter Marc Butenuth, „das liegt auch in unserem Interesse“. Deshalb nimmt der Verein den Mehraufwand gerne in Kauf. Statt einer Person an am Kassenhäuschen sind bei künftigen Heimspielen bis auf weiteres drei Kontrolleure am Eingang zum Stadion und vier Verkäufer für die begehrten „Roten“ zuständig.ks

Anzeige