Fussball Bezirksliga

Kunstschüsse und Zusammenbrüche

Fußball-Bezirksliga Der VfL Kirchheim setzt sich mit einem Heimsieg in der erweiterten Spitzengruppe fest. In den Lehenäckern ist das Schlusslicht nach dem Last-Minute-Remis gegen Weilheim erloschen. Von Reimund Elbe

Ein Remis als Fingerzeig? In Jesingen hoffen die Verantwortlichen Stefan Haußmann, Danell Stumpe und Thomas Reinöhl (von links),
Ein Remis als Fingerzeig? In Jesingen hoffen die Verantwortlichen Stefan Haußmann, Danell Stumpe und Thomas Reinöhl (von links), dass der Knoten nach dem 1:1 gegen Weilheim geplatzt ist. Foto: Markus Brändli

Ein fulminanter Weitschuss aus 22 Metern Entfernung weit in der Nachspielzeit hat am Freitagabend dem TSV Jesingen den ersten Bezirksligazähler verschafft. Dass Kunstschütze Jonathan Willig danach beim Jubilieren kurz zum Guten-Abend-Sagen hautnah an der Weilheimer Bank vorbeilief, kam bei den Limburgstädtern nicht gut an, passte aber zum emotional aufgeladenen Derby.

1:1 - Weilheims Trainer Benjamin Geiger musste zerknirscht eingestehen, dass das Remis letztendlich ein Resultat der gerechten Sorte darstellte. „Wir waren in der zweiten Halbzeit zu lethargisch“, kritisierte der Coach. Dabei hatten die Gäste vor 300 Zuschauern, was in Jesingen zu Coronazeiten ausverkauft bedeutet, zu Beginn dominiert, häufig von Ungenauigkeiten im Gastgeber-Spielaufbau profitiert.

Sehenswert war nicht nur Willigs Last-Minute-Tor, das 1:0 für die Weilheimer durch Salih Egrlic nicht weniger. Ein Kicker, der die gesamte Trainingswoche angeschlagen hatte pausieren müssen. Der TSVW-Akteur schlenzte den Ball bei einem Freistoß aus rund 22 Metern Torentfernung so raffiniert über die gegnerische Vier-Mann-Mauer, dass auch der Abwehrversuch von Jesingens neuem Keeper Marko Suton scheiterte. Neben Torschütze Egrlic konnte übrigens auch der zuvor leicht lädierte Jannik Leonhardt auflaufen, der Einsatz des vermeintlich Urlaubenden Julian Kulinsky überraschte dagegen mehr. „Sein Flug wurde kurzfristig abgesagt, weil das Reiseziel zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde“, nannte Coach Geiger die Ursache. Kulinsky habe ihm deshalb kurzfristig mitgeteilt, dass er „doch noch da“ sei.

Bei den Jesingern herrschte nach dem Abpfiff des souveränen Referees Marc Engelfried (Wittlingen) gute Laune. Für den Sportlichen Leiter Stefan Haußmann stand das Nicht-Verlieren im Vordergrund: „Der erste Punkt ist wichtig, zumal wir nun mit dem FC Eislingen und JC Donzdorf zwei extrem schwere Aufgaben vor uns haben.“

Der Stadion-DJ der Jesinger bewies nach dem Remis Humor, ließ zum musikalischen Ausklang „Chariots of fire“ laufen - weltbekannt geworden durch den Film „Die Stunde des Siegers“. Als Verlierer durften sich in der Tat keine der beiden Teams fühlen.

VfL feiert Heimsieg

Kirchheims Trainer Oliver Klingler hatte für die Partie gegen die SpV 05 Nürtingen einen „Pflichtsieg“ bestellt, bekam ihn gestern prompt von der Mannschaft per 4:2 geliefert. Zum gemütlichen Ausklang ging es nach dem dritten Saisonsieg mit dem Team in eine Kirchheimer Gastwirtschaft.

Der zweite Coach-Wunsch, womöglich etwas weniger Spektakel als in den vergangenen Begegnungen, blieb unerfüllt. Neben vier eigenen Treffern setzte es zwei Gegentore. „Hauptsache drei Punkte“, so Klingler kurz und knackig. Die Teckstädter bleiben Tabellenvierter, nahmen wohlwollend zur Kenntnis, dass Titelanwärter JC Donzdorf durch eine Nullnummer in Eislingen erstmals Punkte liegenließ.

Die neue Nummer eins heißt FV Neuhausen. Das 5:1 bei der SGEH wirkt heftig für die Sportgemeinschaft, doch SGEH-Coach Christian Mirbauer relativierte das Ergebnis. Sein Team hätte praktisch 60 Minuten das Spiel bestimmt, sei aber nach einer Stunde, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1, „in sich zusammengefallen“. Dabei hatte der Kunstschuss von SGEH-Kicker Nico Kuhn, er verwandelte einen Freistoß direkt, nach 16 Minuten Hoffnung geweckt. „Nach unseren Auftaktsiegen haben wir gegen zwei Titelanwärter verloren“, blickte Mirbauer auf die gestrige Niederlage sowie die in Esslingen zurück. Kommenden Samstagabend habe die SGEH in Kuchen einen Gegner auf Augenhöhe, sollte deshalb wieder punkten“.

Neidlinger zieren das Ende

Ein ähnlicher Zusammenbruch widerfuhr einer Heimmannschaft neun Kilometer Luftlinie vom Hardtwaldstadion entfernt. „Die Köpfe hängen schon etwas unten“, schilderte Neidlingens Pressewart Stefan Hummel die Szenerie nach der 1:4-Schlappe gegen den FTSV Kuchen.

1:0 geführt, Ausgleich drei Minuten danach kassiert, das 1:2 Sekunden vor der Pause - keine gute Reihenfolge für ein nach drei Niederlagen nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzendes Team. „Jetzt haben wir Weilheim vor der Brust“, blickt Hummel auf den kommenden Derby-Job am übernächsten Freitag, 2. Oktober. Er sei sich sicher, dass die Mannschaft in der spielfreien Zeit neue Energie tanken werde.

Die Tabelle kann dabei nicht als mentale Unterstützung dienen: Der TVN ist neuer Tabellenletzter, folglich ist beim TSV Jesingen (jetzt Tabellenvorletzter) das Schlusslicht erloschen.

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