Fussball Bezirksliga

Verwirrspiel um Abstieg und Relegation

Fußball-Bezirksliga Da die SGM T/T Göppingen angeblich keine Mannschaft für kommende Saison melden kann, droht im Tabellenkeller Stühlerücken. Von Peter Eidemüller

Ardian Elezaj und der SGM T/T Göppingen droht eine harte Landung. Foto: Cornelius Nickisch
Ardian Elezaj und der SGM T/T Göppingen droht eine harte Landung. Foto: Cornelius Nickisch

Die Abstiegsfrage in der Fußball-Bezirksliga muss womöglich neu gestellt werden. Da unbestätigten Gerüchten zufolge ein Verein für kommende Saison keine Mannschaft melden wird, würde sich die Zahl der Absteiger in der heute zu Ende gehenden Runde reduzieren. Statt des FTSV Kuchen, der in dem Fall gerettet wäre, würde der eigentlich abgestiegene TSV Denkendorf in die Relegation rutschen.

Welche Mannschaft für dieses Verwirrspiel verantwortlich ist, lassen die Verantwortlichen des Bezirks unbeantwortet. „Kein Kommentar“, sagt Bezirksspielleiter Johannes Veit, der nur verrät, dass mit dem betreffenden Verein „keinerlei Kommunikation möglich ist“. Die Verantwortlichen würden seit Wochen nicht auf Anfragen reagieren, was den Bezirk am Freitagmorgen veranlasste, die unmittelbar betroffenen Klubs aus Kuchen, Denkendorf sowie die potenziellen Relegationsteilnehmer der A-Ligen per E-Mail zu informieren: Sollte der Wackelkandidat bis zum offiziellen Meldeschluss für nächste Saison am Donnerstag kommender Woche keine Mannschaft melden, würden tags drauf die Denkendorfer im ersten Relegationshalbfinale auf den A1-Vizemeister treffen. „Wir können die Denkendorfer nur bitten, sich für den Fall der Fälle bereitzuhalten“, sagt Veit, der seinen Groll in diplomatische Worte verpackt: „Das ist absolut unbefriedigend.“

Geldprobleme in Göppingen?

Offiziell bestätigen will es niemand, doch ahnt jeder, dass es sich bei dem wankelmütigen Verein um die SGM T/T Göppingen handelt. Die Spielgemeinschaft des TASV und Turanspor Göppingen hat erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass sowohl Trainer Serkan Coskun als auch der Vorsitzende Adem Özturk zum Saisonende aufhören. Anfang Mai hat die Stadt Göppingen der SGM den Schlüssel für die Heimspielstätte an der Hohenstaufenstraße abgenommen. Angeblich hat der Verein die Platzmiete nicht mehr bezahlen können. Seitdem trainieren und spielen die Göppinger in Eislingen. Gerüchten zufolge sollen die Spieler auch keine Gehälter mehr bekommen, der Sponsor hat den Geldhahn offenbar zugedreht. Von Göppinger Seite war gestern - kaum überraschend - niemand zu erreichen.

Nicht nur dieses Gebaren stößt der Konkurrenz sauer auf. „Hätte man das schon vor zwei, drei Wochen gewusst, hätten wir ganz anders planen können, auch im Hinblick auf Spielerverpflichtungen“, sagt Tim Kurka, Pressewart des TSV Denkendorf. Dort hatte sich der scheidende Trainer Thorsten Schöllkopf am Donnerstag nach dem Training eigentlich schon mit einem Vesper von der Absteigermannschaft verabschiedet. Durch die unverhoffte Kunde von der möglichen Relegationsteilnahme müssen die Denkendorfer nun kommende Woche im „Stand-by-Modus“ bleiben, bis Klarheit herrscht. Kurka: „Wir trainieren am Dienstag und halten uns bereit.“

Das tun Spieler, Funktionäre und Fans in Kuchen ohnehin schon. FTSV-Trainer Martin Braunmiller fürchtet allerdings, dass die Konzentration seiner Mannschaft auf das Relegationsspiel unter den verlockend klingenden Rettungsgerüchten leiden könnte. „Die Situation ist nicht sehr glücklich“, sagt er, nicht ohne dabei die Bezirksoberen zu kritisieren. „Das hätte man früher regeln müssen. Solch eine Info einen Tag vor dem letzten Spieltag herauszugeben, ist zu spät.“ Braunmillers Vorhersage: Göppingen wird rechtzeitig eine Mannschaft melden, um kommende Saison einen Bezirksligastartplatz zu haben. Sollte keine Mannschaft zustanden kommen oder der Verein keine neue Spielstätte finden, würde nach der Deadline zurückgezogen. In dem Fall stünde für kommende Runde ein Absteiger bereits fest. „Der Verband muss sich mal Gedanken über den Meldestichtag machen“, fordert Braunmiller, „seriöse Vereine wissen eigentlich schon im April, ob sie eine Mannschaft für die neue Saison haben oder nicht.“

Der Verband ist gefordert

Planung ist das halbe Leben – vor allem in Mannschaftssportarten wie dem Fußball. Rechtzeitig Gespräche mit Spielern, Sponsoren und Offiziellen zu führen, gehört zum Einmaleins jedes Vereinsfunktionärs. Wer sich wie und in welchem Maße um die Zukunft seines Klubs kümmert, kann zwar kein Paragraph oder Statut regeln. Sehr wohl allerdings, bis wann die Planung abgeschlossen sein muss.
Kuchens Trainer Martin Braunmiller trifft in der Diskussion um den möglichen Göppinger Rückzug aus der Bezirksliga den Kern des Problems: Erst nach Ende der Saison die Meldefrist für die nächste Spielzeit zu setzen, ist zu spät und bestraft im schlimmsten Fall all jene, die ihre Hausaufgaben rechtzeitig und gewissenhaft erledigt haben. Wie unzeitgemäß der späte Meldetermin ist, wird an Vereinen deutlich, die ausschließlich von einzelnen Geldgebern abhängig sind. Beispiele gab‘s bereits lange vor der SGM T/T Göppingen und Nafi Stuttgart. Auch der VfL Kirchheim kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn man die Hoffnungen auf einen Großsponsor setzt und im Glauben an dessen Unterstützung für die nachfolgende Saison eine Mannschaft meldet. 2011 zog der VfL bekanntlich seine Oberligamannschaft aus finanziellen Gründen zurück – nach Ablauf der Meldefrist.
Der Verband sollte der Entwicklung Rechnung tragen, dass der unterklassige Amateurfußball immer mehr ins Visier finanziell potenter Mäzene gerät, die sich, aus welchen Gründen auch immer, für einen Verein engagieren. Das mag gutgehen, solange der Erfolg da ist, geht aber spätestens dann schief, wenn das Geld ausgeht.
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