Fussball Kreisliga A

Lachende Kassierer und dufte Momente

Kreisliga-Szene Hohe Zuschauerzahlen, verpasste Aufstiege und ein Fast-Rückzug: Das Saisonfinale in den unteren Fußball-Ligen sorgt für Geschichten. Von Reimund Elbe

Die TG Kirchheim (schwarz) kam im Spitzenspiel beim TSV Weilheim II (rot) ins Straucheln und muss nun im Kampf um die Meistersch
Die TG Kirchheim (schwarz) kam im Spitzenspiel beim TSV Weilheim II (rot) ins Straucheln und muss nun im Kampf um die Meisterschaft auf Schützenhilfe hoffen. Foto: Carsten Riedl

Solch eine Kulisse bietet eine Kreisliga-B-Begegnung nicht alle Tage. 230 Zuschauer säumten gestern im Lindachstadion das „Spiel der Spiele“ zwischen dem TSV Weilheim II und der TG Kirchheim in der Staffel 6. Beim Duell Spitzenreiter contra Premium-Verfolger bekam das Publikum nicht nur fußballerisch hohes Kreisliga B-Niveau geboten, sondern zudem eine mögliche Vorentscheidung im Titelkampf.

Daniel Dominkovic sorgte für den Unterschied - obwohl der Kicker aus dem Kader der Landesliga-Mannschaft tags zuvor bereits in Neu-Ulm 90 Minuten Abstiegskampf in Reinkultur erlebt hatte. „Eine ganz starke körperliche wie mentale Leistung von Daniel über 180 Minuten in diesen zwei Tagen“, attestierte Weilheims Trainer Robert Walter seinem Zweifach-Torschützen. Nicht nur der Weilheimer Kassierer am Stadioneingang fand somit Grund zur Freude.

Für einen anderen Doppeltorschützen endete die Partie hingegen weniger lustig. Tim Lämmle sah in der 88. Minute nach einem Disput mit Schiedsrichter Michael Goodreau die Rote Karte. Die Bestrafung könnte das vorzeitige Saisonende für den TG-Goalgetter bedeuten - je nachdem, wie schwerwiegend das Sportgericht die Äußerungen Lämmles in dem Wortgefecht erachtet. In Weilheim herrschte derweil einen Tag nach der unglücklichen Niederlage der „Ersten“ in Neu-Ulm (1:2) durch den Erfolg der „Zweiten“ wieder deutlich bessere Stimmung. „Allerdings sind wir noch lange nicht durch, uns erwarten noch regelrecht eklige Spiele, wie zum Beispiel in Neidlingen“, blickt Robert Walter voraus.

Absolut glückliche Mienen gab es gestern auch bei einem B5-Underdog: Dem Tabellenvorletzten SG Ohmden/Holzmaden II drohte nämlich nach zweimaliger Punktspiel-Absage das vorzeitige Runden-Aus. In der vergangenen Woche spitzte sich die Lage zu - mit einem Happy End. „Es stand wirklich Spitz auf Knopf“, blickt Karl-Heinz Toparkus, Trainer der SGOH II, auf die mental zehrenden Tage zurück. Doch Akteure wie Heiko Auch hätten sich spontan bereit erklärt, für die Partie gegen den TSGV Großbettlingen II auszuhelfen. „Es ist einfach auch ein Gebot der Fairness gegenüber anderen Teams in der Liga, die Saison ordentlich zu beenden“, fordert Toparkus, der freilich düstere Wolken für die SGOH II aufziehen sieht. Man tue gerade alles, um für die kommende Saison genügend Spieler zu finden und zu binden, es sei jedoch „fünf vor zwölf“.

Großer Tag in Nürtingen

Historischer Tag für die SPV 05 Nürtingen: Das 4:1 in Neckarhausen brachte das Waldheim ins Wanken. Kreisliga A-Meister, Aufstieg: Erstmals kicken die Nullfünfer kommende Saison in der Bezirksliga. Einem der Architekten des kontinuierlichen Nürtinger Positivtrends der vergangenen Jahre blieb der besondere Augenblick verwehrt. Johann Drexler, Abteilungsleiter und Vereinsikone, verbrachte den ges­trigen Sonntag nicht in Neckarhausen, sondern im Bett - geschwächt von einer schweren Erkältung. „Es ist mit Sicherheit der schönste und größte Tag für unseren Klub, zumal wir den Aufstieg überhaupt nicht geplant hatten“, kommentierte Drexler das aktuelle Geschehen.

Die als Arbeiterverein vor 114 Jahren gegründete Sportvereinigung muss freilich noch diverse Infrastrukturprobleme lösen. Der Kabinentrakt entspricht beispielsweise nicht mehr modernen Ansprüchen. Der gestern neu gewählte Oberbürgermeister Dr. Johannes Fridrich, selbst früher Kicker und aktuell Dauergast bei den Heimspielen des Landesligisten TSV Oberensingen, dürfte zeitnah zur Thematik einen ersten Anruf seitens des Neu-Bezirksligisten erhalten.

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