Fussball Landesliga

Der Aufstiegsheld muss seinen Hut nehmen

Fußball Nur wenige Tage vor Saisonbeginn schmeißt Landesligist TSV Köngen Trainer Daniel Rieker raus. Von Max Pradler und Peter Eidemüller

Ende Juni hatten die Köngener um Trainer Daniel Rieker noch den Aufstieg via Relegation gefeiert -nun muss der Erfolgscoach gehe
Ende Juni hatten die Köngener um Trainer Daniel Rieker noch den Aufstieg via Relegation gefeiert -nun muss der Erfolgscoach gehen. Foto: Markus Brändli

Köngen. Fußball-Landesligist TSV Köngen hat kurz vor Beginn der neuen Saison überraschend Trainer Daniel Rieker entlassen. Nachdem der 33-Jährige den Verein erst vor sieben Wochen via Relegation zurück in die siebte Liga geführt hatte, wurde ihm und seinem Bruder Julien, der als Co-Trainer fungierte, am Montag vor dem Training gekündigt.

Eine erfolglose Vorbereitung, ein angeknackstes Verhältnis zu einzelnen Spielern sowie eine schlechte Integration der Neuzugänge wurde ihm seiner Aussage nach von den TSV-Verantwortlichen vorgeworfen. Spielleiter Joachim Dienelt spricht in diesem Zusammenhang von einem schleichenden Prozess, in dem Teile der Mannschaft Rieker seit Monaten kritisiert haben sollen, ohne dass dieser darauf reagiert hätte.

Rieker gilt als Typ, der nicht alles kopfnickend absegnet. Er hat seine eigene Meinung und haut auch schon mal auf den Tisch. So offenbar geschehen, als die Verantwortlichen für die neue Saison die Idee einer Trainer-Doppelspitze in den Raum stellten und von ihm eine klare Absage kassierten - sich freiwillig in die zweite Reihe zu stellen, nachdem er den Verein zurück auf Verbandsebene geführt hatte, kam für den gläubigen Moslem nicht infrage. Die klare Kante gegenüber den Vereinsoberen dürfte das Fass in der Fuchsgrube endgültig zum Überlaufen gebracht haben. „Wenn man in Köngen nicht zu allem Ja und Amen sagt, dann überlebt man in der Regel nicht lange - das war schon immer so“, lässt sich Daniel Rieker frustriert zitieren.

Erst kurz vor Saisonstart 2018 war er von der zweiten Mannschaft ins erste Glied gerückt, weil der damalige Trainer Stephan Hartenstein das Handtuch warf. Das Ganze fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Köngener nach dem Abstieg und dem Verlust von sieben Stammspielern mit einem Mittelfeldplatz in der Bezirksliga wohl zufrieden gewesen wären. Rieker schaffte jedoch die Sensation und führte den TSVK zurück in die Landesliga - eine traumhafte Geschichte: Das Eigengewächs, das selbst jahrelang auf dem Platz die Knochen für den TSV hingehalten hat, steigt mit seinem Herzensverein auf.

Doch in der Fuchsgrube war längst nicht alles Gold, was glänzte: Dem 33-Jährigen wurde offenbar seit Längerem aus der Führungsriege vorgeworfen, sein Verständnis von Fußball sei speziell und er würde zu viele Spieler aus „seiner“ ehemaligen zweiten Mannschaft hochziehen. Da­rüber hinaus wurde behauptet, die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer stimme nicht, der junge Coach habe zu wenig Autorität. Derart zerrüttet kann das Verhältnis allerdings nicht gewesen sein: Ein Großteil der Spieler soll sich nach der Entlassung am Montag geschockt gezeigt haben, einige wollen dem Verein nun angeblich sogar den Rücken kehren.

Sinko kehrt zurück

Neuer Trainer in Köngen soll nun ein alter Bekannter werden: Mario Sinko hatte den TSVK bereits vor drei Jahren in der Landesliga betreut, war dann aber aus beruflichen Gründen zurückgetreten. Am gestrigen Dienstag leitete der 50-jährige Kroate bereits die Übungseinheiten in der Fuchsgrube. Als Sinkos Co-Trainer ist der ehemalige VfL-Coach Markus Schweizer im Gespräch, dessen Bruder Michael in Köngen spielt.

Ein fader Beigeschmack

Wer vier Tage vor Saisonbeginn seinen Trainer rausschmeißt, muss Gründe haben - ob gute oder fadenscheinige, liegt im Fall des bei den Köngener Landesligakickerns geschassten Daniel Rieker im Auge des Betrachters. So oder so geben die Verantwortlichen in der Fuchsgrube keine gute Figur ab, wenn sie erst eine komplette Vorbereitungszeit verstreichen lassen, ehe sie handeln. Zumal sie damit riskieren, dass dem Landesligarückkehrer noch vor dem ersten Spiel der Rückenwind der Aufstiegseuphorie komplett aus den Segeln genommen wird.

Dass Daniel Rieker vor diesem Hintergrund enttäuscht und verletzt ist, liegt auf der Hand. Zumal intern offenbar schon seit längerer Zeit an seinem Stuhl gesägt worden war, ohne dass er dadurch entnervt das Handtuch aus eigenen Stücken geworfen hätte. Den Mann, der die Köngener als Bezirksligavizemeister durch eine begeisternde Relegation zurück in die Landesliga geführt hat, nun so kurz vor Beginn der neuen Runde zu entlassen, gibt dem Wiederaufstieg des TSV einen faden Beigeschmack

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