Fussball Landesliga

Weilheim will keinen Meister machen

Fußball-Landesliga TSVW-Gegner Hofherrnweiler-Unterrombach könnte sich mit einem Sieg am morgigen Samstag vorzeitig den Titel sichern. Von Klaus Schlütter

Nach 71 Landesligaspielen in rot ist Schluss: Can Kanarya wechselt nach Ebersbach.Archiv-Foto: Brändli
Nach 71 Landesligaspielen in rot ist Schluss: Can Kanarya wechselt nach Ebersbach.Archiv-Foto: Brändli

Verbandsliga, wir kommen! Die Vorbereitungen zur Meisterfeier laufen, die Aufstiegs-Shirts sind beflockt. Die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach hat vier Matchbälle, das ersehnte Ziel zu erreichen. Der erste soll gleich verwandelt werden, am besten morgen mit einem Sieg im Heimspiel gegen den TSV Weilheim. Selbst bei einer Niederlage könnte im Vereinsheim am Sauerbach die Feier steigen - wenn die Verfolger Bonlanden (gegen Geislingen) und Waldstetten (bei Nafi Stuttgart) Federn lassen.

„Wir wollen es fix machen. Die Euphorie bei uns ist riesengroß“, sagt TSG-Abteilungsleiter Alexander Paluch. Er schränkt jedoch gleich ein: „Ein Selbstläufer wird‘s nicht.“ Trainer Benjamin Bilger nickt: „Die junge Weilheimer Mannschaft hat Qualität. Hätte sie in der Vorrunde so erfolgreich gespielt wie jetzt, hätte sie keine Abstiegssorgen.“

In der Tat: In einer separaten Rückrunden-Tabelle wäre der TSVW Sechster. So aber steckt die Elf von der Limburg immer noch tief im Abstiegsschlamassel - 14. Tabellenplatz, 25 Punkte. Vier Vereine steigen ab. Germania Bargau und TSV Blaustein sind nicht mehr zu retten. Diese vier Mannschaften machen sehr wahrscheinlich die beiden weiteren Absteiger unter sich aus: Neben Weilheim der TV Echterdingen (27 Punkte), der TSV Bad Boll (27) und der TSV Neu-Ulm (30). Von diesem Quartett rettet sich nur der Punktbeste. Das Team mit den zweitmeisten Punkten bestreitet die Relegation gegen den Sieger aus der Runde der Bezirksliga-Zweiten von Stuttgart, Neckar-Fils, Kocher-Rems und Donau-Iller.

Schweres Restprogramm

„Für uns geht es nur um die Relegation“, betont Geiger. Allerdings hat Weilheim von allen vier Kandidaten das schwerste Restprogramm. Nach dem Auftritt in Hofherrnweiler geht‘s gegen Bonlanden und Oberensingen, die beide um die Verbandsliga-Relegation kämpfen, sowie gegen Nafi Stuttgart. Die besten theoretischen Chancen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, hat der TSV Bad Boll mit den beiden Heimspielen gegen die Absteiger Blaustein und Bargau, dazu auswärts in Sontheim und Ebersbach.

Für Außenseiter Weilheim wäre ein Überraschungssieg in Hofherrnweiler ein Schritt mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung Klassenerhalt. „Wir werden uns nicht verstecken. Wir müssen einmal einen Großen schnappen und dort zuschlagen. Bad Boll hat gezeigt, dass es machbar ist“, redet sich Geiger Mut zu. Die Boller gewannen kürzlich am Sauerbach mit 1:0. Schmerzlicher als die Niederlage war für die Gastgeber dabei die schwere Verletzung ihres Torjägers: Patrick Faber (acht Treffer) erlitt einen Riss der Achillessehne und fällt für den Rest das Jahres aus. Die Lücke soll künftig Nicola Zahner vom TSV Essingen, früher Profi beim VfR Aalen, schließen.

Aus der U19 des VfR Aalen zum TSV Weilheim wechselt Luca Hauser, ein zentraler Mittelfeldspieler. Als zweiter Neuzugang steht Torwart Ali Sahin von der TSV Oberensingen, die Nummer zwei hinter David Holzwarth, fest. Er ersetzt Alexander Lang, der beim TSV Bad Boll eine neue Herausforderung sucht.

Hart trifft den TSVW der Abgang von Can Kanarya zum SV Ebersbach. Der Abwehrspieler aus der eigenen Jugend bestritt bisher 71 Landesligaspiele für die Roten. Wie viel Bewegung sonst noch in den Spielermarkt kommt, hängt mehrheitlich davon ab, wie der Überlebenskampf ausgeht.

Duell der Benjamine

Das Spiel des Spitzenreiters gegen den 14. ist auch das Trainerduell der beiden Benjamine - Bilger kontra Geiger. Der Vorname Benjamin kommt aus dem Hebräischen und wird unterschiedlich übersetzt mit „Sohn des Glücks“ oder „Sohn des Trostes“.

Welcher Benjamin spielt im morgigen Duell welche Rolle? „Ich glaube, mein Kollege wird nach dem Spiel Trost brauchen, weil er seine Meisterfeier verschieben muss“, feixt der Weilheimer Coach, der morgen der Sohn des Glücks sein will. Kontert der von ihm zum Sohn des Trostes Ernannte mit breitem Grinsen: „Wenn er sich da mal nicht täuscht und von mir getröstet werden muss.“

Bilger und Geiger kennen sind schon lange und sind gut befreundet. Beide sind gleich alt (39 Jahre). Beide sind ehemalige Spieler, die sich im Trikot verschiedener Vereine schon oft gegenüberstanden. So zum Beispiel zwischen dem Heidenheimer SB und dem FC Normannia Gmünd vor rund 15 Jahren in seligen Oberligazeiten.ks

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