Fussball Landesliga

„Wir müssen mehr tun als andere“

Fußball Ab dem Wochenende rollt in der Landesliga wieder der Ball: Der stark abstiegsbedrohte TSV Weilheim will in den verbleibenden 14 Begegnungen das scheinbar Unmögliche möglich machen. Von Max Carlo Pradler

Jubelnde Weilheimer waren in der Vorrunde ein seltenes Bild. Das muss sich dringend ändern, wenn das Team um Kapitän Benjamin Sc
Jubelnde Weilheimer waren in der Vorrunde ein seltenes Bild. Das muss sich dringend ändern, wenn das Team um Kapitän Benjamin Schmitz (rechts) noch den Klassenerhalt schaffen will.Foto: Markus Brändli

1 440 Spielminuten haben die Teams in der Fußball-Landesliga bisher hinter sich. Davon ist der TSV Weilheim seit trostlosen 1 350 Minuten ohne Sieg. Lediglich am allerersten Spieltag gelang den Limburgstädtern ein Dreier. Anschließend, so könnte man meinen, hat das Team um Trainer Benjamin Geiger das Gewinnen verlernt. Mit gerade einmal sechs Zählern gilt der TSVW zumindest auf dem Papier bereits schon jetzt als sicherer Absteiger.

Dass trotz allem erst am Ende abgerechnet wird, ist nicht nur eine Floskel - auch das Weilheimer Quartett Benjamin Schmitz, Marvin Heth, Matteo Stefania und Kim Ehrler weiß das nur allzu gut. Bereits vergangene Saison erging es den Vieren beim TSV Köngen ähnlich, ehe sie sich mit den Fuchsgruben-Kickern dank eines Schlussspurts noch auf den Relegationsplatz retteten. „Die Situation ist vergleichbar, auch wenn wir in Weilheim eine deutlich jüngere und unerfahrenere Mannschaft haben. Wir müssen für den Erfolg einfach mehr tun als andere Teams“, sagt Verteidiger Benjamin Schmitz.

Wie das geht, haben die Weilheimer in der Vorbereitung gezeigt. Dort überraschte das Schlusslicht unter anderem mit Erfolgen gegen Verbandsligist Heiningen oder Liga-Konkurrent Weilimdorf. „Das gibt uns Rückenwind, aber wir wissen auch, dass es eben nur Testspiele waren. Davon können wir uns nichts kaufen“, resümiert Schmitz, der ab sofort vor allem als Leitwolf gefragt ist. Mit seinen 27 Jahren ist er nicht nur ältester Stammspieler des TSVW, sondern nach dem Abgang von Tim Roos zum 1. FC Heiningen nun auch neuer Kapitän.

Bad Boll hat sich gefangen

Mit großen Erwartungen war Ortsnachbar TSV Bad Boll in die Saison gestartet. Nach dem knappen Klassenerhalt sorgten der Trainerwechsel sowie zahlreiche Neuzugänge im Sommer für Aufbruchstimmung im Kurort. „Wir haben das Gefühl, dass hier etwas Großes entstehen kann. Die fußballerische Qualität und die menschliche Mischung - alles passt“, zeigte sich Trainer Manuel Doll damals optimistisch.

Sieben Spieltage später war allerdings auch der letzte Funke Euphorie verflogen. Der TSV Bad Boll war Tabellenletzter, das Konto zierte ein magerer Punkt. „Den Fehlstart haben wir einzig und allein uns selbst zuzuschreiben. Da war zwar auch viel Pech dabei, aber fehlende Cleverness und etliche Disziplinlosigkeiten haben uns das Leben schwer gemacht“, fasst Doll zusammen. Doch die Boller fingen sich, legten eine Serie hin und kämpften sich bis zur Winterpause weg von den Abstiegsrängen. Patzer dürfen sich die Kicker aus dem Erlengarten trotzdem keine mehr erlauben. „Wir haben richtig Bock auf diese Aufgabe, dass es jede Woche um alles geht“, deutet der ehemalige Kirchheimer Oberliga-Torhüter an. Doch schon der Auftakt hat es in sich: Beim „dollschen“ Familien-Duell in Waldstetten (Bruder Mirko ist Trainer bei der TSGV) muss der TSV am Sonntag gleich auf drei rot-gesperrte Leistungsträger verzichten.

Hübbe als TVE-Zaungast

Einen Rang vor den Bollern steht der TV Echterdingen. Für das Filder-Team kommt die knifflige Ausgangslage keineswegs unerwartet. Mit elf Neuzugängen und 14 Abgängen ging es beim TVE im Sommer personell drunter und drüber. „Dass das alles erst seine Zeit braucht, war klar. Daher ging es von Anfang an nur um den Klassenerhalt“, schildert Trainer Christopher Eisenhardt, der im Juli nach vier Jahren in Weilheim ebenfalls neu zu den Schwarz-Gelben gekommen war. Auch jetzt im Winter sorgte der TVE im Transferkarussell ordentlich für Schwung, sortierte mehrere Akteure aus und verpflichtete unter anderem mit Max Knoll und Marc Brodbeck zwei erfahrene Spieler. „Ich musste den Kader noch etwas nach meinen Vorstellungen anpassen. Das sollte uns jetzt mehr Stabilität verschaffen“, hofft Eisenhardt.

Für das ein oder andere Getuschel sorgte zuletzt immer wieder Alexander Hübbe: Regelmäßig schaute der langjährige Weilheimer Erfolgscoach bei Spielen der Echterdinger zu, und hielt sich dabei oftmals verdächtig nahe bei den Verantwortlichen des TVE auf. „Das hat aber alles einen rein freundschaftlichen Hintergrund, weil wir schon immer einen guten Draht zueinander hatten“, klärt Eisenhardt auf und nimmt damit allen Spekulationen den Wind aus den Segeln. Dass dies aber auch langfristig so bleibt, darauf will sich der 35-Jährige nicht festlegen: „Alex ist fußballverrückt. Vielleicht kitzelt es ihn ja irgendwann noch einmal. Wer weiß, wie es sich dann entwickelt.“

Voll im Soll liegt hingegen Aufsteiger TSV Oberensingen. Das erfahrene Team um Trainer Andreas Bross ist auf Rang vier sogar in Schlagdistanz zum Relegationsplatz. Den Blick nach oben wagt Abteilungsleiter Hagen Gutekunst allerdings nicht, ganz im Gegenteil: „Wir müssen noch kompakter werden, dann ist ein einstelliger Tabellenplatz möglich.“

Ex-Profi zurück in der Liga

Den namhaftesten Neuzugang des Winters kann NAFI Stuttgart verbuchen - auch wenn es eigentlich nur das Wiedersehen mit einem alten Bekannten ist: Denis Berger kehrt nach sechsmonatigem Gastspiel beim ASV Botnang zurück zu NAFI. Der 35-Jährige spielte unter anderem in der 2. Bundesliga für den VfL Bochum und in der dritten Liga für Hansa Rostock, die Kickers Offenbach sowie Jahn Regensburg.

Echterdingen führt die „Ewige Tabelle“ an

Mit viel Wohlwollen haben die Teams aus dem unteren Tabellendrittel am vergangenen Samstag das 1:1 im Nachholspiel zwischen dem 1. FC Germania Bargau und dem TSV Neu-Ulm zur Kenntnis genommen. Durch die Punkteteilung bleiben beide Teams im Tabellenkeller. Neu-Ulm überholte durch den Zähler allerdings den TSV Blaustein und liegt nun auf dem Relegationsplatz.

In der „Ewigen Tabelle“ der Landesliga, Staffel 2, die seit 2003 geführt wird, liegt der TV Echterdingen mit 14 Spielzeiten und 683 Punkten auf Platz eins. Die zweit meisten Spielzeiten kann der TSV Köngen vorweisen (zwölf). Der TSV Weilheim liegt mit neun Jahren in der Landesliga auf Rang acht der „Ewigen Tabelle“. Allerdings benötigen die Limburgstädter nur noch drei Zähler, um am 1. FC Eislingen vorbeizuziehen.max

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