Fussball Landesliga

Wundenlecken in Weilheim

Saisonanalyse Nach dem Abstieg aus der Landesliga gibt es viele ungeklärte Fragen unter der Limburg. Von Reimund Elbe

„Wir müssen die positive Tendenz der vergangenen Monate mit in die Bezirksliga nehmen“: Weilheims Coach Benjamin Geiger. Foto: M
„Wir müssen die positive Tendenz der vergangenen Monate mit in die Bezirksliga nehmen“: Weilheims Coach Benjamin Geiger. Foto: Markus Brändli

Weilheim. Sein Name: Nico Ruggiero. Seine Tat: Erster Landesliga-Torschütze in der Vereinsgeschichte des TSV Weilheim am 12. September 2010 im Heimspiel gegen den FC Donzdorf. Endstand der Partie damals 1:2. Sein Name: Salih Egrlic. Seine Tat: Vorerst letzter Landesliga-Torschütze des TSV Weilheim vergangenen Samstag im Heimspiel gegen Oberensingen. Endstand der Partie: ebenfalls 1:2.

Nahezu neun Jahre liegen zwischen beiden Toren und Heimniederlagen. In der Langzeitbetrachtung brachte diese Zeit für die Fußball-Abteilung des TSVW Phasen mit vielen Höhen - inklusive dem mehrfachen Griff nach dem Verbandsliga-Aufstieg - und deutlich weniger Tiefen.

Letztere beherrschten jedoch in der nun zu Ende gegangenen Spielzeit die Szenerie. Etwas Wehmut kam am Pfingstsamstagabend nach dem Schlusspfiff beim ein oder anderen im Lindachstadion deshalb schon auf. Auch beim Torschützen. „Traurig, dass wir absteigen“, sagte Salih Egrlic, zumal die Mannschaft vor allen Dingen in der Rückrunde bewiesen habe, tauglich für die Landesliga zu sein.

Weilheims Trainer Benjamin Geiger ging in der Stunde des Abstiegs mit sich selbst kritisch um. „Vielleicht war es ein Fehler, dass wir uns nicht schon weit vor der Winterpause von einigen Spielern getrennt haben“, spielte der Coach auf den erst nach Weihnachten vollzogenen Kaderumbau an.

Gleichzeitig spricht Geiger von einer „Hängepartie“, was den Kader für die kommende Bezirksliga-Runde betrifft. Besonders die Offensive sorgt für Kummer beim Coach. Zwar würden vier bis fünf A-Junioren in den Kader übernommen. Doch die Lücken, die unter anderem der zur TSV Oberensingen wechselnde Matteo-Pio Stefania (elf Saisontore) reiße, wiege schwer. „Der Kader steht noch nicht endgültig“, sagt Geiger. Nichtsdestotrotz wolle er „die positive Tendenz aus den vergangenen Monaten“ in die Bezirksliga mitnehmen. Man müsse aus der Situation „eben das Beste machen“.

Weilheims Spielleiter Armin Sigler erinnerte sich nach Spielschluss besonders an das Anfang Mai mit 1:2 verlorene Match beim damals mitgefährdeten TSV Neu-Ulm. „Diese Niederlage war wohl die bitterste in der ganzen Runde“, haderte der Funktionär. „Acht bis zehn Punkte mehr waren in der Summe in dieser Saison einfach drin“, lautet Siglers persönliche Rechnung.

Die Zukunftsperspektive der Weilheimer Fußballer? „Die Substanz ist bei uns auf jeden Fall da“, gibt sich Sigler optimistisch. Diese Substanz - unter anderem durch einen guten Unterbau in der Jugend - müsse man auf jeden Fall bewahren.

Die Fans sind die Gewinner

Fest stand es bereits seit dem vorangegangenen Spieltag, offiziell besiegelt ist es seit Samstag um 18.45 Uhr: Der TSV Weilheim steigt in die Bezirksliga ab. Das Ende der neunjährigen Zugehörigkeit des TSVW zur siebthöchsten Spielklasse markiert den Beginn einer Zeit ohne fußballerisches Aushängeschild rund um die Teck. Wer im Umkreis von 30 Kilometern künftig anspruchsvollen Amateurfußball sehen will, muss nach Reutlingen, Göppingen oder Heiningen fahren.

Die Teckregion hinkt dabei nicht nur den Ansprüchen, sondern auch den Möglichkeiten hinterher. Nachdem der VfL Kirchheim bereits seit Jahren erdulden muss, wie seine auf Top­niveau ausgebildeten Eigengewächse mangels Perspektive der Heimat den Rücken kehren, werden auch die Weilheimer die Früchte ihrer erfolgreichen Jugendarbeit künftig nicht mehr selbstverständlich ernten: Die Bezirksliga besitzt für aufstrebende Talente zu wenig sportlichen Reiz. Vom finanziellen, den höherklassige Vereine bieten können, ganz zu schweigen.

Gewinner dieser Entwicklung gibt es trotzdem: die Fans. Die können sich in der Bezirksliga kommende Saison auf ein paar attraktive Derbys mehr freuen, was aller Abstiegstränen zum Trotz auch den Weilheimern Trost spenden sollte. Neidlingen, Kirchheim und Erkenbrechtsweiler statt Buch, Blaustein und Bargau - an prestigeträchtigen Nachbarschaftsduellen wird es dem TSVW vorerst nicht mangeln.

Anzeige