Fussball

Denkanstöße für den Dialog

Fußball Die Verantwortlichen des Bezirks nehmen die Vertreter der Vereine im Teilkreis Nürtingen/Kirchheim bei den Themen Schiedsrichterschwund und Gewalt in die Pflicht. Von Peter Eidemüller

Fördern und fordern: Der Bezirksvorsitzende Rainer Veit setzt bei der Problemlösung auf den Austausch mit den Vereinen. Foto: Ma
Fördern und fordern: Der Bezirksvorsitzende Rainer Veit setzt bei der Problemlösung auf den Austausch mit den Vereinen. Foto: Markus Brändli

Denkanstoß - dieser Begriff fiel wohl am häufigsten am Donnerstagabend im Saal der TG Kirchheim, wo der Fußballbezirk um den Vorsitzenden Rainer Veit mit den Vereinen des Teilkreises Nürtingen/Kirchheim nach Lösungen für die drängendsten Probleme suchen wollte: Schiedsrichtermangel und Gewalt.

In beiden Fällen nahmen Veit, der stellvertretende Sportgerichtsvorsitzende Rocco D‘Onofrio und Schiedsrichterobmann Steffen Müller die rund 70 Vereinsvertreter in die Pflicht. „Die Vereine müssen mehr auf die Disziplin einwirken“, forderte D‘Onofrio, „wir fällen mittlerweile mehr Urteile wegen Disziplinlosigkeiten als wegen Situationen im laufenden Spiel.“ Soll heißen: Die Zahl der Fälle, in denen eine Mindestsperre von sechs Wochen ausgesprochen wird, steigt (siehe Infoartikel).

Während Rainer Veit in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Präventionsmaßnahmen des Verbands verwies, gab Rocco D‘Onofrio den Klubvertretern einen weiteren Denkanstoß mit auf dem Weg: „Die Vereine müssen sich überlegen, ob sie Sündenböcke und Wiederholungstäter nicht ausschließen. Schließlich sollten die Erwachsenen den Jugendspielern als Vorbild dienen.“

Im Teilkreis fehlen 30 Referees

Dass die Großen den Kleinen oft genug ein schlechtes Vorbild geben, machte Schiedsrichterobmann Steffen Müller in seinem Appell gegen den Schwund an Unparteiischen deutlich. „Wer würde angesichts von so viel Beleidigungen und Anfeindungen auf dem Platz seine eigenen Kinder guten Gewissens zur Pfeife greifen lassen?“

Das betretene Schweigen der Vereinsvertreter quittierend, unterfütterte Müller den Referee-Rückgang mit alarmierenden Zahlen: Um den Spielbetrieb ordentlich abzuwickeln, würden der Gruppe Nürtingen rund 30 Schiedsrichter fehlen. Müller: „Wir kommen momentan nur über die Runde, weil wir Kollegen haben, die bis zu 80 Spiele pro Saison leiten.“

Das dürfte vor dem Hintergrund des fehlenden Nachwuchs auch in Zukunft so bleiben. Für den letzten Neulingslehrgang hätten lediglich drei der knapp 50 Vereine eine Rückmeldung gegeben. „Das ist beschämend“, sagte Müller, der bereits für die kommende Rückrunde den „worst case“ beschrieb: „Spielausfälle sind keine Drohung, sondern Realität.“

In diesem Zusammenhang nahm Bezirksboss Rainer Veit vor allem die Schiedsrichterbeauftragten in den Vereinen in die Pflicht, noch mehr Werbung fürs Pfeifen zu machen. Gleichzeitig stellte er klar, dass es Relegationsspiele und Spielverlegungswünsche in Zukunft nur noch für Vereine gibt, die ausreichend Mitglieder zu Neulingskursen anmelden.

Weiterreichende Vorschläge kamen aus dem Auditorium. „Warum nicht jeden Trainer dazu verpflichten, Spiele zu pfeifen, sobald er eine aktive Mannschaft übernimmt?“, regte Owens Coach Rainer Ziegelin an. Jesingens Abteilungsleiter Peter Martsch könnte sich hingegen vorstellen, Rotsünder künftig zu Schiedsrichterlehrgängen zu verdonnern - ein Denkanstoß, den Rainer Veit versprach mit zur nächsten Verbandstagung zum WFV nach Stuttgart zu nehmen. „So etwas können und dürfen wir auf Bezirksebene nicht entscheiden“, betonte er.

Im selben Atemzug machte Veit klar, dass er sowohl beim Thema Gewalt als auch in Sachen Schiedsrichterschwund wenig vom Bestrafen halte. „Das muss immer die letzte Konsequenz bleiben. Wir als Bezirk wollen im Dialog mit den Vereinen gemeinsam Lösungen finden.“

Ob und wie dies gelingt, wird sich frühestens bei den regulären Staffeltagen im Juli zeigen. Bis dahin hoffen Veit und seine Bezirksmitstreiter, dass ihre Denkanstöße haften bleiben.

Die Zahl der Tätlichkeiten nimmt zu

Tätlichkeiten gegen Spieler ahndet die Sportgerichtsbarkeit des WFV mit Sperrstrafen zwischen sechs Wochen und 18 Monaten. Wer den Schiedsrichter angeht, wird zwischen vier und 24 Monaten aus dem Verkehr gezogen. In beiden Fällen droht außerdem der Ausschluss aus dem Verband.

Im Bezirk Neckar/Fils gab es in der aktuellen Saison bislang 44 entsprechende Verfahren, in der gesamten Saison 15/16 68 - Zahlen für die Spielzeiten 16/17 und 17/18 gibt es nicht wegen des in dieser Zeit unbesetzten Bezirkssportgerichts. Nach dem schlagzeilenträchtigen Rücktritt des damaligen Vorsitzenden Siegfried Bippus im Mai 2017 wurden Fälle aus dem Bezirk verbandsweit verteilt.pet

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