Fussball

Die Überlebenskünstler aus „Lichtenbach“

Fußball Der TSV Lichtenwald und der VfL Winterbach bilden eine bezirksübergreifende Spielgemeinschaft.

Lichtenwald/Winterbach. Die Fußballer des TSV Lichtenwald standen schon oft vor dem Aus. Nun sind sie gerettet. Und zwar dank einer Spielgemeinschaft mit dem FC Winterbach, der ebenfalls in Not war - wenn übernächsten Sonntag im Fußballbezirk die Saison be­ginnt, wird die SGM „Lichtenbach“ unter anderem Gegner des TSV Notzingen in der Kreisliga B1.

Im April 2018 standen die Lichtenwalder Kicker zum ersten Mal fast vor dem Aus. Kein Abteilungsleiter, kein Trainer, nur wenige Spieler, nur eine Jugend-Mannschaft. Es fand sich aber eine Gruppe engagierter Menschen in und um den Verein, die den Fußball in Lichtenwald weiterleben lassen wollten. Werner Kiepfer wurde zum Abteilungsleiter gewählt und stellte ein Team zusammen, das anpackte. Aleks Bastasic kam vom TSV Deizisau als Trainer und brachte fast seine komplette A-Jugend auf den Schurwald mit. In der Kreisliga B schrammten die Lichtenwalder ganz knapp am dritten Platz vorbei, „aber Ende vergangenen Jahres kamen wir wieder in die Bredouille“, erzählt Kiepfer. Sieben Spieler und der Trainer wollten zurück nach Deizisau und der Fußball in Lichtenwald stand kurz vor der Rückrunde erneut vor dem Aus.

Szenenwechsel in den Bezirk Rems/Murr, ein halbes Jahr zuvor: Nach Unstimmigkeiten mit ihrem Heimatverein VfL Winterbach gründeten einige Fußballer um die Spielertrainer-Zwillinge Tobias und Fabian Kurz im Juni 2019 einen neuen Verein, den FC Winterbach. Die Brüder waren sieben Jahre Jugendtrainer beim VfL gewesen, drei Jahre coachten sie die zweite Mannschaft. Diese wechselte komplett mit ihnen zum FC, dazu einige Jugendspieler. „Da wir für die Spieler eine enorm hohe Ablösesumme an den VfL zahlen sollten, haben wir in der Saison verzichtet, am Spielbetrieb teilzunehmen“, so Tobias Kurz.

Platzprobleme in Winterbach

Schon früh nach der Gründung hatte der Verein Kontakt zu den Lichtenwaldern aufgenommen, da er in Winterbach Probleme hatte, einen Platz zu bekommen. „Das hat sich dann zerschlagen“, sagt Kiepfer, der aber in seiner Not Ende vergangenen Jahres den Kontakt wieder aufnahm und mit den Winterbachern einen Deal ausmachte: Die Kurz-Zwillinge trainieren den TSV, dafür dürfen sie mit ihrer Mannschaft in Lichtenwald kicken. Acht Winterbacher Spieler wechselten für ein halbes Jahr zum TSV und stockten so die Mannschaft auf. „Dafür bin ich Tobias und Fabian immer noch extrem dankbar“, sagt Kiepfer.

„Dann haben wir uns voller Vorfreude in die Saison stürzen wollen, aber es kam Corona“, sagt der TSV-Abteilungsleiter. Wieder einmal standen die Fußballer in Lichtenwald vor der Frage: Wie geht es weiter? Doch sie waren dieses Mal nicht allein. Bei beiden Vereinen reifte während der Corona-Krise die Idee einer Spielgemeinschaft. „Beim ersten Gespräch im April haben wir identische Vorschläge gemacht, ohne uns vorher abgesprochen zu haben“, erinnert sich Tobias Kurz lachend. „Dann ging es nur noch um Kleinigkeiten“, ergänzt Kiepfer. Es passte eben.

Nur ein Problem bleibt: Der lange Name Spielgemeinschaft TSV Lichtenwald/FC Winterbach ist ein bisschen sperrig. Aber da haben die Überlebenskünstler schon eine Lösung. Tobias Kurz erklärt: „Wir haben uns für unsere Spieler-Whatsapp-Gruppe einen Misch­namen ausgedacht: die SGM Lichtenbach.“ Karla Schairer

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