Fussball

Eichert-Elf muss ins Esslinger Exil

Fußball-Staffeleinteilung Der TSV Notzingen tritt in der am 30. August beginnenden Saison in der Staffel 1 und 2 der B-Liga an. Der TSV Schlierbach kehrt nach drei Jahren in die Kirchheimer Ecke zurück. Von Reimund Elbe

Da geht‘s lang: Der TSV Notzingen um Filipe Noguiera (links) und Abteilungsleiter Michael Panknin muss künftig im Raum Esslingen
Da geht‘s lang: Der TSV Notzingen um Filipe Noguiera (links) und Abteilungsleiter Michael Panknin muss künftig im Raum Esslingen kicken. Foto: Genio Silviani

Das Smartphone von Michael Panknin hat in den vergangenen Tagen nicht stillgestanden. Fast im Minutentakt schlugen Nachrichten über WhatsApp und andere digitale Kanäle auf dem Handy des Notzinger Fußball-Abteilungsleiters auf. Grund: Seit dem Wochenende kursiert in Fußballkreisen der Ligenplan für die kommende Saison, in der die Notzinger mit ihren beiden Mannschaften nicht mehr in den angestammten Teck-Staffeln antreten. „Die Umgruppierung unserer beiden Teams in die Esslinger Ecke hat bei einigen im Verein sehr starke Emotionen hervorgerufen“, gibt Panknin zu.

In der am 30. August beginnenden Saison müssen sowohl die erste als auch zweite Mannschaft ins Esslinger Exil in und um die Kreisstadt herum. Sirnau, Neuhausen, Ruit, Scharnhausen, Mettingen, Aichwald statt Nabern, Dettingen, Neidlingen, Jesingen, Ötlingen, Oberlenningen - harter Tobak für den Teckregion-Klub.

Bezirksspielleiter Johannes Veit versteht den Hader. „Die Entscheidung in Sachen Notzingen gehörte zu den schwierigsten überhaupt bei der aktuellen Staffelplanung“, gibt er Einblick in den schwierigen Entscheidungsprozess.

Obwohl er und die Staffelleiter die Lage tagelang sondiert hatten, birgt das Resultat trotzdem noch Widersprüchliches. Dass der TSV Wolfschlugen III beispielsweise in die B6-Staffel statt eine der Notzinger Mannschaften eingruppiert wurde, gehört dazu. „Die Meldung der Wolfschlugener kam erst kurzfristig“, erläutert Johannes Veit, der folglich eine pragmatische Lösung habe finden müssen, weil die anderen Wolfschugener Teams bereits der B4 und B5 zugeordnet worden waren.

Michael Panknin gibt derweil den Diplomaten. „Der Bezirk hat uns zwar ein Ei ins Nest gelegt, aber wir sind Sportsleute und müssen die Entscheidung letztendlich akzeptieren“, sagt der Notzinger Fußball-Chef. Er mache sich jedoch nichts vor. „Die jetzige Lösung ist für uns weder sportlich noch finanziell attraktiv“, verweist der Abteilungsleiter auf fehlende Derbys und vermutlich geringere Zuschauer- und Catering-Einnahmen.

Mit dem Verlassen einer gewohnten Umgebung kennen sich die Notzinger freilich aus. Nach dem Spielbetrieb-Wiedereinstieg im Jahr 2013 fristeten sie zunächst in der mittlerweile aufgelösten B3 mit Teams aus der Plochinger und Köngener Ecke ihr Dasein, ehe zwei Jahre später die ersehnte Rückkehr in die mit vielen Teckteams gespickte B6 erfolgte.

Ein Kuriosum erwartet die Notzinger Kicker auf jeden Fall: Mit der neu gegründeten Spielgemeinschaft TSV Lichtenwald/FC Winterbach wird auch eine Mannschaft aus dem Rems-Murr-Kreis Teil des hiesigen Spielbetriebs.

Erleichterung in Schlierbach

Viel mit dem Smartphone hantierte in den vergangenen Tagen auch Schlierbachs Coach Cesare D‘Agostino. Allerdings bekam der einstige Regionalliga-Akteur des VfL Kirchheim im Gegensatz zu Michael Panknin nur Positives übermittelt. „Die Jungs sind happy, dass sie nach drei Jahren Pause wieder in der B6 kicken dürfen“, berichtet der Italiener, der aus seinem Rückkehrwunsch in die „Kirchheimer“ Staffel nie ein Hehl gemacht hatte. Dass Hattenhofen, Nachbarort Schlierbachs, mit in die B6 rutscht, gefällt D‘Agostino zudem.

In der 3 000-Einwohner-Gemeinde aus dem Kreis Göppingen hält sich die Begeisterung über den zwangsweisen Umzug in die B6 jedoch in Grenzen. „Auf den ers­ten Blick unverständlich, wir wären gerne in der Göppinger Ecke geblieben“, sprudelt es aus TSGV-Fußball-Abteilungsleiterin Sabine Bohner heraus. Am Donnerstag würden sich die Hattenhofener Fußball-Funktionäre treffen, um die neue Situation zu besprechen. „Jetzt haben wir Fahrten bis nach Kohlberg vor uns, das wird ein extrem großer Aufwand“, schwant Bohner wenig Gutes. Verständnis zeigt sie unterdessen für die Staffelplaner. „Ich möchte nicht in deren Haut stecken, die Staffelplanung ist eine schwierige Aufgabe“, so die Hattenhofenerin.

Viel weniger diskutiert wird derweil bei den A-Kreisligisten. In den drei Staffeln gibt es einmal 16 Teams (A1) sowie zweimal 17 (A2 und A3) und keine nennenswerten Verschiebungen von Teams in andere Staffeln. Die Zahl der Absteiger beläuft sich auf zwei (A1) und vier (A2 und A3), kann sich je nach Zugehörigkeit von Bezirksliga-Absteigern aber noch erhöhen.

Staffeleinteilung

Bezirksliga: VfL Kirchheim, TSV Weilheim, TV Neidlingen, SG Erkenbrechtsweiler-Hochwang, TSV Jesingen, 1. FC Donzdorf, 1. FC Eislingen, 1.FC Rechberghausen, FC Esslingen, FTSV Kuchen, FV Neuhausen, FV Plochingen, FV Vorwärts Faurndau, SPV 05 Nürtingen, TSV Neckartailfingen, Türk. SV Donzdorf Jugendclub, TV Nellingen
Kreisliga A, Staffel 2: SF Dettingen, SV Nabern, TG Kirchheim, TSV Weilheim II, FV 09 Nürtingen, Spvgg Germania Schlaitdorf, TB Neckarhausen, TSuGV Großbettlingen, TSV Altdorf, TSV Grafenberg, TSV Grötzingen, TSV Harthausen

TSV Linsenhofen, TSV Oberboihingen, TSV Raidwangen, Türkspor Nürtingen 1973, TV Bempflingen

Kreisliga B, Staffel 1: TSV Notzingen, ASV Aichwald II, SG Eintracht Sirnau II, SGM TSV Lichtenwald/FC Winterbach, SV 1845 Esslingen, SV Mettingen, TB Ruit II, TSG Esslingen II, TSV Baltmannsweiler, TSV Denkendorf II, TSV RSK Esslingen II, TSV Wäldenbronn-Esslingen II, Türk. SV Ebersbach II, VfB Oberesslingen/Zell II

Kreisliga B, Staffel 2: TSV Notzingen II, FV Neuhausen II, FV Plochingen II, SV Ebersbach/Fils II, TB Ruit, TSV Baltmannsweiler II, TSV Berkheim II, TSV Scharnhausen, TSV Wäldenbronn-Esslingen, TSV Wendlingen II, TSV Wernau II, Türk. FC Köngen, Türk. SV Ebersbach, TV Unterboihingen II

Kreisliga B, staffel 5: SGM Ohmden/Holzmaden II, AC Catania Kirchheim II, TSV Oberlenningen II, TSV Ötlingen II, 1. FC Frickenhausen II, NK Marsonia Frickenhausen, TSV Beuren, TSV Grafenberg II, TSV Kohlberg, TSV Linsenhofen II, TSV Wolfschlugen II, TV Tischardt, VfB Neuffen, SGM SV Reudern/TSV Oberensingen III

Kreisliga B, Staffel 6: AC Catania Kirchheim, TSGV Hattenhofen, SGM Ohmden/Holzmaden, TSV Wolfschlugen III, SGM VfB Neuffen II/TSV Kohlberg II, SF Dettingen II, SV Nabern II, TV Neidlingen II, TSV Jesingen II, TSV Oberlenningen, TSV Ötlingen, TSV Owen, TSV Schlierbach

Bezirkspokal im Schnellverfahren

In Corona-Zeiten feiern kreative Ideen Hochkonjunktur. So feilte Bezirksstaffelleiter Johannes Veit bis zuletzt akribisch an einem straffe(re)n Ablauf des Bezirkspokals. „Um den Ligabetrieb zu entlasten“, wie der Großbettlinger betont, komme es nun zu einer bisher noch nie da gewesenen Schnellabwicklung der ersten Pokalrunden.

Am 2. August soll zunächst das Pokal-Finale der vergangenen Runde abgewickelt werden, weil Druck bezüglich der Meldung für den WFV-Pokal bestehe.

Drei Tage später startet bereits die Qualifikationsrunde des Wettbewerbs 2020/2021. Und dann wird’s erst richtig knackig. Zwischen dem 9. und 23. August gibt es weitere Runden, inklusive Viertelfinale - bevor am 30. August die Punktrunde beginnt. „Die Pokalspiele können somit optimal in die Saisonvorbereitung eingebaut werden“, so Veits Hintergedanke.

Im Frühling folgen Halbfinale und Endspiel. Handlungsspielraum verschafften den Bezirksfunktionären dabei unter anderem die normalerweise Ende Juli und Anfang August stattfindenden Zeitungsturniere um den Teckboten- und den Sennerpokal, die wegen der Corona-Folgen bekanntlich komplett abgesagt werden mussten.rei

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