Fussball

Ein Mann des Ausgleichs

Nachruf Karl Wieland, langjähriger Vorsitzender des Fußballbezirks, ist am Montag gestorben.

Oberboihingen. Der Fußballbezirk Neckar-Fils trauert um einen seiner profiliertesten Köpfe: Karl Wieland, der langjährige Bezirksvorsitzende, ist am frühen Montagmorgen gestorben, wenige Wochen vor seinem 83. Geburtstag.

Fußball war sein Leben: das trifft auf Karl Wieland zu. Von Kindesbeinen an kam er mit „seinem“ Sport in Berührung, ganz speziell mit der Schiedsrichterei. Bereits sein Vater war 23 Jahre lang Obmann der Schiedsrichtergruppe Nürtingen. Solchermaßen „vorbelastet“ griff Wieland früh zur Pfeife. Von 1953 an war er als 18-Jähriger aktiver Unparteiischer und frönte dieser Leidenschaft bis 1990. Insgesamt 19 Jahre lang leitete er Spiele der Ersten Amateurliga, damals dritthöchste Spielklasse in Deutschland. „Die schönste Aufgabe im Fußball ist die Schiedsrichterei, wenn man die innere Einstellung dazu hat“, hat er einmal gesagt. Natürlich gehörte er auch dem Ausschuss der Gruppe Nürtingen an - von 1957 bis 1963 und von 1965 bis 1967.

Von 1963 bis 1965 fällte er für das Sportgericht Neckar-Fils Urteile, und von 1979 bis 1982 wirkte er als stellvertretender Bezirksvorsitzender. 1982 wurde er als Nachfolger von Michael Pangert an die Spitze des Bezirks gewählt und lenkte die Geschicke der Kicker zwischen Neckar und Fils bis zum Bezirkstag Ende März 2009 mit großer Umsicht. 56 Jahre seines Lebens hatte er ehrenamtlich dem Fußball geopfert, ehe er in der Jesinger Gemeindehalle unter stehenden Ovationen seinem Nachfolger Karl Stradinger Platz machte und von den Vereinsvertretern zum Bezirks-Ehrenvorsitzenden gewählt wurde.

Dies zeigt, wie beliebt Karl Wieland bei den Vereinsfunktionären des Bezirks war. Seine ruhige, besonnene und souveräne Art brachten dem auch im württembergischen Fußballverband anerkannten Experten höchste Wertschätzung und größten Respekt ein. Und natürlich jede Menge an bedeutenden Auszeichnungen wie die Verdienstmedaille des Deutschen Fußballbundes (DFB), die Verdienstmedaille des WFV in Gold, die WFV-Schiedsrichter-Ehrennadel in Gold, die WFV-Verbands-Ehrennadel in Gold und die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

Neuerungen gegenüber war Wieland immer aufgeschlossen. Zum Beispiel, als es darum ging, den Spielbetrieb in der untersten Spielklasse attraktiver zu machen. 1991 ergriff der Bezirk unter seiner Ägide die Initiative und war mit einem Pilotprojekt Wegbereiter der Relegation, die heutzutage bis hinauf zur Verbandsliga nicht mehr wegzudenken ist.

Zuvorkommend und freundlich war Wieland immer ein Vorbild für andere. Der gebürtige Tübinger, der in Oberboihingen wohnte, war ein Mensch, dem Harmonie über alles ging. Unüberbrückbare Differenzen gab es für ihn nicht. Er suchte stets einen Weg und fand ihn auch. Er war ein Mensch, der Brücken baute, ein Mann des Ausgleichs. Negative Schlagzeilen konnte er leiden wie Zahnschmerzen.

In den vergangenen Jahren war es still geworden um Karl Wieland, der am 27. September 83 Jahre alt geworden wäre. Zunehmend hatte er sich zurückgezogen aus der Öffentlichkeit und selbst auf seine sonntäglichen Sportplatzbesuche verzichtet, die er immer wieder gerne wahrnahm, um den Kontakt zur Basis, zu „seinen“ Vereinen, zu pflegen.

Eine Lungenentzündung hatte ihm zuletzt stark zugesetzt und vergangene Woche einen Aufenthalt im Nürtinger Krankenhaus unumgänglich gemacht. Dort ist er am frühen Montagmorgen friedlich eingeschlafen. Beigesetzt wird er in Linsenhofen, wo sein Zwillingsbruder wohnt. Wann die Trauerfeier stattfinden wird, steht noch nicht fest.uba

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