Fussball

Eine Liga steht unter Strom

Fußball Titelrennen und Abstiegskampf in der Landesliga versprechen Hochspannung. Die Teckregion ist auch ohne Verein mitten im Geschehen. Von Reimund Elbe

Bekannte Gesichter mit Kirchheimer und Weilheimer Vergangenheit, die in der Landesliga mitmischen: Ferdi Er, Michele Latte, Fati
Bekannte Gesichter mit Kirchheimer und Weilheimer Vergangenheit, die in der Landesliga mitmischen: Ferdi Er, Michele Latte, Fatih Özkahraman, Christopher Eisenhardt und Yücel Uluköyli (im Uhrzeigersinn).

Für Krimifreunde scheint dieses Saisonkapitel wie geschaffen. Am kommenden Wochenende startet die Fußball-Landesliga in die Restrunde - und die verspricht das Gegenteil von Tristesse. Beim Hauen und Stechen um die Wunschplätze mischen viele Gesichter mit, die man in der Teckregion aus anderen Vereinen kennt. Wie verrückt das Rennen um Aufstieg und Titel in der Landesliga ist, unterstreicht das Beispiel des TSV Neu-Ulm. Nach vier Spieltagen Tabellenvorletzter und prompt als Abstiegskandidat gehandelt, legten die Bayern kurz drauf eine Wahnsinns-Serie hin. Aktueller Stand: seit neun Partien unbesiegt - Spitzenreiter.

Doch auf der bayerischen Seite des Donau-Ufers schwebt nicht nur der TSV auf Wolke sieben. Türk Spor Neu-Ulm machte es mit 29 Punkten nur unwesentlich schlechter als der Nachbar (30 Zähler). Beim Furore-Neuling machen die beiden Ex-Profis Ünal Demirkiran, der als Spielertrainer auf dem Platz steht, und Mittelfeld-Regisseur Alper Bagceci den Unterschied aus. Beide stammen aus der Jugend des ehemaligen Bundesligisten SSV Ulm 1846.

Beim Tabellendritten TSV Oberensingen übt man sich dagegen in Zurückhaltung. „Wir bauen hier Stück für Stück etwas auf“, meint TSVO-Fußballboss Hagen Gutekunst. Einer der Baumeister heißt Ferdi Er, einst der Jugend des VfL Kirchheim entsprungen, dort auch in der Oberliga aktiv und danach Stütze beim einstigen Landesligisten TSV Weilheim. Er, der in wenigen Tagen seinen 39. Geburtstag feiert, gilt als der Dauerläufer schlechthin. Bei der aktuellen Nummer eins des Nürtinger Fußballs ist er auch aufgrund seiner körperlichen Fitness mittlerweile unverzichtbar. „Der Ferdi hört erst auf, wenn er mit uns den Aufstieg geschafft hat“, ist sich sein Mitspieler Michele Latte sicher und grinst.

Özkahraman greift nach Krone

Bei der TSV Oberensingen , die mit zwei Zählern Rückstand auf den Spitzenreiter in die Restrunde geht, genießt auch Fatih Özkahraman großes Vertrauen. Mit 18 Saisontoren führt der einstige Oberligakicker des VfL Kirchheim und Goalgetter des TSV Weilheim mit fünf Treffern Vorsprung die Torschützenliste an.

Beim Tabellenfünften SV Ebersbach zählt der Ex-Weilheimer Yücel Uluköyli (27) als Stammkraft zur Mannschaft. In der Vorbereitung leistete sich das Filstal-Team ein mageres 1:1 gegen den Bezirksligisten VfL Kirchheim. Ganz andere Probleme plagen derweil Christopher Eisenhardt beim TV Echterdingen. Der stand schon mit dem VfL Kirchheim im DFB-Pokal und saß beim TSV Weilheim als Trainer auf der Bank. Jetzt steht er mit dem abstiegsgefährdeten TVE auf dem Relegationsplatz. In der Vorbereitung gab es immerhin Lob vom Ex-Klub. „Echterdingen hat uns in einigen Phasen die Grenzen aufgezeigt“, stellte Weilheims Trainer Benjamin Geiger nach dem 2:2 im Testspiel fest. Eisenhardt muss im Abstiegskampf auf die Dienste von Nico Plattenhardt verzichten. Den Cousin von Nationalspieler und Hertha-Profi Marvin Plattenhardt zieht es studienbedingt nach Köln. Beim Hallenturnier Anfang Januar schnürte Eisenhardt noch einmal selbst die Fußballschuhe, jetzt steht ihm eine nervenaufreibende Schlussphase in der Landesliga bevor.

Mit dem Rücken zur Wand steht der TSV Köngen als Tabellenvorletzter mit zwölf Zählern. Acht Monate nach dem triumphalen 5:1 gegen den TSV Weilheim in der Relegation taumeln die Köngener gefährlich nah am Abgrund. Rund 20 Punkte sollten noch her, um den erneuten Abstieg zu verhindern. Ein harter Job für Coach Mario Sinko, der künftig auf seinen Assistenten Markus Schweizer verzichten muss. Der wird, wie berichtet, DFB-Stützpunkttrainer in Adelberg.

Ein Internationaler beim Landesliga-Neuling

Türk Spor Neu-Ulm sorgte in der Fußball-Landesliga für den Transferkracher des Winters. Vitalij Lux, kirgisischer Nationalspieler, wechselte vom Regionalligisten SSV Ulm 1846 zum Landesliga-Zweiten. Der Angreifer war unmittelbar beteiligt an einer der größten Pokalsensationen der jüngeren DFB-Pokalgeschichte. Er sorgte beim 2:1-Triumph über den damaligen Cup-Verteidiger Eintracht Frankfurt im August 2018 für das vorentscheidende 2:0. Mit Blick auf die Restrunde in der Landesliga redet er nicht lange um den heißen Brei: „Wichtig ist, dass wir erfolgreich spielen und in die Verbandsliga aufsteigen.“rei

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