Fussball

Elf Freunde - elf Kisten

Kreisliga-Szene Die TG Kirchheim schießt sich mit einem 11:3 gegen indisponierte Notzinger zur Herbstmeisterschaft in der B6, weil Weilheims „Zweite“ nach 15 Spielen erstmals wieder verliert. Von Klaus Schlütter

Das hat gesessen: Die TG zeigte sich beim 11:3 gegen Notzingen in Sachen Chancenverwertung sogar noch spendabel.Foto: Genio Silv
Das hat gesessen: Die TG zeigte sich beim 11:3 gegen Notzingen in Sachen Chancenverwertung sogar noch spendabel.Foto: Genio Silviani

Kreisligafußball ist … wenn bei Sauwetter zwei Dutzend Unentwegte ihren Mannschaften die Daumen drücken. Wenn die Vereinsvorsitzende Silvia Kretzschmar die Eintrittsgelder kassiert. Wenn an der einen Seitenlinie ihr Sohn und Abteilungsleiter Florian, an der anderen der neue Klubhauswirt das Linienrichter-Fähnchen schwenkt. Wenn fast so viel Tore fallen wie Regentropfen - beim 11:3-Erfolg der TG Kirchheim gegen den TSV Notzingen in der Kreisliga B6.

Die verdiente Belohnung für den Kantersieg folgte unmittelbar nach dem Abpfiff, als bekannt wurde, dass sich Herbstmeister TSV Weilheim II mit 1:2 gegen den TSV Oberlenningen einen unerwarteten Ausrutscher geleistet hat. Die erste Heimniederlage kostete den TSVW die Tabellenführung, die er seit dem fünften Spieltag inne hatte. Dafür geht die TG Kirchheim jetzt als stolzer Spitzenreiter in die dreimonatige Winterpause.

„Endlich macht Fußball wieder Spaß. Wir hätten heute eigentlich noch viel mehr Tore schießen müssen, so viele Chancen waren da“, freute sich Florian Kretzschmar. Dabei musste Tiago Santos Araujo (zwölf Treffer), einer der glorreichen Drei in der Abteilung Attacke, verletzt zuschauen. Aber seine Mitstreiter sorgten dafür, dass er an diesem Tag nicht vermisst wurde. Tim Lämmle netzte viermal ein und schraubte seine Erfolgsquote auf 32 Tore. Christian Dangel (15) trug zwei Treffer bei. Zusammen hat das Trio Infernale nun 59 der insgesamt 86 Tore geschossen.

Notzingen hatte im neunten Duell seit 2004 in keiner Phase die Chance, dem Spiel - in welcher Form auch immer - eine Wende zu geben. Spielertrainer Michael Panknin (32) will die Konsequenzen aus der enttäuschenden Vorrunde ziehen und in der Rückrunde verstärkt auf die Jugend setzen. Auf Talente wie den 19-jährigen Felix Lehrer, der zwei der drei Gegentore erzielte.

Walter tief enttäuscht

Tief enttäuscht war Weilheims Trainer Robert Walter nach dem 1:2 gegen Oberlenningen. 15 Spiele hintereinander war seine Mannschaft ungeschlagen. Noch nie in den bisherigen sieben Duellen hatte sie gegen diesen Gegner verloren. Nun dieser Tiefschlag ausgerechnet vor der langen Pause. Vor zwei Wochen hatten die Roten noch vier Punkte Vorsprung, jetzt einen Zähler Rückstand. So schnell kann’s gehen.

Die Oberlenninger feierten den Coup anschließend mit Pizza und Bier in der Kabine. Trainer Hamit Geckin strahlte: „Der Sieg war verdient, vor allem aufgrund unserer guten zweiten Halbzeit. Von den Weilheimern war ich enttäuscht. Denen ging mit zunehmender Spieldauer die Luft aus.“ Das entscheidende Tor war ein echter Hingucker. Abstoß von Torwart Kevin Dravec vom eigenen Strafraum. Der Ball, vom Winde verweht, segelte bis in den Weilheimer Strafraum und Cenan Micina lochte ein.

Wie in Ober- gab es auch eine Klasse drüber in Unterlenningen Grund zum Jubeln. Das 4:3 des TVU in der Kreisliga A2 gegen Neckartailfingen II war der zweite Sieg innerhalb von acht Tagen, was der abstiegsbedrohten Bühl-Elf sechs überlebenswichtige Punkte bescherte. 4:0 führten die Hausherren schon und mussten am Ende doch noch zittern. „Wir haben’s unnötig spannend gemacht“, meinte Abteilungsleiter Marc Schmohl, „nach der klaren Führung setzte der Schlendrian ein.“ Vielleicht eine Erklärung, keine Entschuldigung: Sein Team musste nach einer Gelb-Roten Karte für Jannik Schumacher in der ganzen zweiten Halbzeit mit zehn Mann auskommen.

Bei den übrigen Teckvereinen ist nach diesem Spieltag Wunden lecken angesagt. Heftig erwischte es den TSV Ötlingen in Oberboihingen. So heftig, dass es Trainer Benedetto Savoca nach dem 2:3 die Sprache verschlug. Spielleiter Marco Geißler erklärte, warum und geißelte Schiri Dieter Handlos aus Rudersberg: „Er gab einen Elfmeter gegen uns, der keiner war. Das dritte Gegentor fiel aus klarer Abseitsstellung. Mit solchen Entscheidungen kannst du nicht gewinnen.“

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