Fussball

Für höhere Aufgaben gewappnet

Fußball Mit dem Aufstieg in die Bezirksliga hat der TSV Jesingen eine zehnjährige Durststrecke beendet. Väter des Erfolgs sind vier Funktionäre, die eine vor vier Jahren begonnene Kaderoptimierung gekrönt haben. Von Helge Waider

Es tut sich was beim TSV Jesingen - nicht nur wie hier beim ersten Training nach der Coronapause. Der Bezirksligaaufsteiger um d
Es tut sich was beim TSV Jesingen - nicht nur wie hier beim ersten Training nach der Coronapause. Der Bezirksligaaufsteiger um das Trainerduo Danell Stumpe und Gaetano Caruana (beide in roten Shirts, von rechts) liegt sportlich und organisatorisch voll im Plan. Foto: Carsten Riedl

Ein lauer Sommerabend mitten in Jesingen. Eine gemütliche Terrasse umrahmt von Blumenkästen mit summenden Bienen und Hummeln, vor dem Haus mäandert die Lindach ihrer Mündung am Kirchheimer Hafenkäs entgegen. Und mittendrin ein Männerquartett, das sich fast blind versteht - so oder ähnlich fangen für gewöhnlich Erfolgsstories an.

In der Tat hat der Erfolg bei den Fußballern des TSV Jesingen viele Namen - aber eben auch vier Köpfe, die die sprichwörtlichen Fäden ziehen: Peter Martsch, der Abteilungsleiter, Ideenentwickler und Macher als Koordinator sowie Stefan Haußmann, als einstiger beinharter Oberliga-Abwehrspieler tief im lokalen Fußball vernetzt und so ein optimaler Sportlicher Leiter mit Organisationstalent. Dazu das Trainerduo, bestehend aus Danell Stumpe, bestens vernetzter Ex-Landesliga- spieler mit dem richtigen Händchen für die Mannschaft, und sein „Co“ Gaetano Caruana, einstiger Filigrantechniker beim VfL in der Verbandsliga und gleichfalls ein Kenner der lokalen Fußballszene.

Es sind echte „Typen“, die sich schon lange kennen. Haußmann und Stumpe seit glorreichen Notzinger Landesligazeiten in den 1990er-Jahren, Haußmann und Caruana seit ihrem späteren gemeinsamen Engagement beim VfL Kirchheim, und „Chef“ Martsch kennt sie ohnehin alle aus seiner aktiven Zeit als Unparteiischer.

Gemeinsam hat das Quartett, unterstützt von einer Heerschar fleißiger Funktionärs- und Helferhände und nicht zuletzt der erfolgreichen Kicker, den 2016 geschmiedeten Plan in der abgelaufenen Saison mit dem Aufstieg in die Bezirksliga umgesetzt - nach zehnjähriger Abstinenz. „Wir hatten wegen der corona-bedingten Quotientenregel beim Aufstieg zwar das notwendige Quäntchen Glück“, sagt Stefan Haußmann, „aber wir waren schon mit dem Ziel in die Saison gegangen, aufsteigen zu wollen - aber nicht zu müssen.“ Und Peter Martsch ergänzt: „Wir liegen trotz zwischenzeitlicher, durchaus auch vereins- interner Widerstände im Plan.“

Hinter den Kulissen aktiv

Die pandemiebedingte Pause nutzten die Jesinger, um organisatorisch aktiv zu werden. Die Beschallung am Spieltag verdient dank neuer Musik- und Sprechanlage nun auch diesen Namen. Zudem wird es künftig an jedem Spieltag einen erfahrenen Stadionsprecher geben, der die Zuschauer mit Informationen und Musik versorgt. In Verhandlungen ist Peter Martsch aktuell noch mit einem Sponsor für eine elektronische Anzeigetafel. Die überdachte Klein-Terrasse an der Sporthalle soll modifiziert werden und künftig einen Loungecharakter erhalten. Die Stadionwurst - bislang rustikal in einer der Gerätegaragen zubereitet - soll eine neue Heimat in einer separaten Grillstation bekommen und die bereits eingeführte „Soccer Watch“, jene permanente Kamera, die das Spielfeld bei jeder Partie bestens im Blick hat, soll weitergeführt werden.

Sorge um Platzkapazitäten

In der Planungsphase befindet sich weiterhin die sogenannte „Kalthalle“: „Hier liegt der Ball aktuell bei der Stadt Kirchheim“, sagt Peter Martsch, der auch über den Tellerrand hinausblickt und die Trainingssituation in den Wintermonaten kritisch betrachtet: „Wenn zu den bestehenden Vereinen mit Reserveteams und Jugendmannschaften noch neue Klubs hinzukommen, wird es ganz schnell zu eng auf den Kunstrasenplätzen.“

Auch sportlich, so scheint es, sind die Hausaufgaben bis zum Ende der Wechselperiode am vergangenen Dienstag gemacht worden. Die Jesinger trennten sich von etlichen Spielern und verpflichteten neue Akteure (siehe Infokas- ten) und haben nun laut Coach Danell Stumpe „einen qualitativ wie quantitativ breiten Kader“, der sich über einen Sponsorenpool finanziert.

Ein schlagkräftiger Kader wird auch nötig sein, denn die Saison wird mit voraussichtlich 17 Mannschaften und daraus resultierenden 32 Spielen intensiv werden. Gut, dass in den Lehenäckern auch die zweite Mannschaft einen neuen „Anstrich“ erhielt. Mit dem seitherigen A-Junioren-Coach Andreas Zechner wurde ein neuer Trainer installiert, der vom mitspielenden Co-Trainer Christopher Dangel unterstützt wird. Organisatorisch wurde darüber hinaus mit Oliver Dudium ein Sportlicher Leiter speziell für die „Zweite“ gefunden, der zusammen mit den Coaches im stetigen Dialog mit dem Bezirksliga-Trainerteam stehen soll und somit Talente „nach oben“ empfehlen oder Rekonvaleszenten „von oben“ in der nun „Perspektivteam“ genannten Reserve aufnehmen soll.

Die Jesinger rechnen für die Runde durchaus mit einigen englischen Wochen, verkürzter Winterpause und einem Punktspielbetrieb, der sich bis in den Juni nächs- ten Jahres hineinziehen wird. Am Ende werden im schlechtesten Fall nicht weniger als fünf Teams direkt absteigen - Grund genug für Stefan Haußmann in Optimismus zu machen: „Wir wollen uns von Beginn an nicht verstecken. Ich weiß, dass die ersten Spiele richtungsweisend sein werden.“ Und Co-Trainer Gaetano Caruana bestätigt: „Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Wir sind hier noch nicht fertig.“

Schon für die Vorbereitung der voraussichtlich am 13. September startenden Saison, haben sich die Jesinger viel vorgenommen. Nach dem Trainingsauftakt am 27. Juli stehen Testspiele gegen die Landesligisten SC Geislingen (H), TSV Bad Boll (A) und den FC Frickenhausen (H) an. Ein Bezirksligaduell wird es gegen den von Chris Eisenhardt trainierten TSV Bernhausen (H) geben. Aus der Kreisliga A wurden Tests gegen die SF Dettingen (H) und den FV 09 Nürtingen (A) vereinbart.

Neun Abgänge, elf Zugänge und ein Ex-Oberligaspieler in der Warteschleife

Ganz im Sinne der Mittelfristplanung des Jesinger Trainerstabs, die vorsieht, den Spielerkader stets weiter zu optimieren, gibt es personell auch vor der neuen Saison wieder ein größeres Stühlerücken im Kader der Jesinger. „Quasi wie nach einem Siebvorgang haben wir im Laufe der letzten vier Jahre ein schlagkräftiges Team geformt, das auch in der Bezirksliga bestehen kann“, gibt Stefan Haußmann Einblicke in die Erfolgsformel der Gerstenklopfer.

Tatsächlich verließen mit Alessio Palmieri, Murat Kocak und Nick Wongkaew (alle zum AC Catania Kirchheim), Sascha Foschi, Kosta Kalaitzis (beide TSGuV Großbettlingen), Nazario Giacobbe (TSV Schlierbach), Benjamin Matic (TSV Oberboihingen), Ricardo Baptista (TSV Notzingen) und Visar Vehapi (Karriereende) neun Akteure den Verein. Dagegen stehen nicht weniger als elf Neuzugänge: Goalie Onur Cekic und Stürmer Can Temur kommen von Türkspor Nürtingen 73, Dazu kommen Rückkehrer Felice Galeota (Abwehr/SF Dettingen), Offensivkraft Simon Kottmann (TSV Weilheim), die Allrounder Sedat Ibak (TSV Altdorf) und Christian Dangel (SGEH) sowie Max Hiergeist (Abwehr) und Simon Lindenschmid (Mittelfeld) vom TV Unterboihingen. Zu diesem Oktett gesellen sich last but not least mit den Defensivkräften Max Fischer (TSV Welheim) und Alexander Kubicki (TSV Jesingen) sowie Offensivrenner Laurin Zimmermann (VfL Kirchheim) drei hoffnungsvolle Talente aus dem Juniorenbereich.

Abgerundet werden soll der Kader mit einem früheren Oberliga-Akteur, mit dem derzeit Verhandlungen geführt werden. wai

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