Fussball

Hiergeist tritt nach Eklat zurück

Fußball Dem Abteilungsleiter des A-Ligisten TV Unterboihingen wird die Entscheidung gegen Daniel Zeller, der nun doch Trainer bleibt, zum Verhängnis.

Wendlingen. Paukenschlag bei Fußball-A-Ligist TV Unterboihingen: Statt des angekündigten Trainerwechsels von Daniel Zeller zu Daniel Rieker tritt nun nach aufreibenden Tagen Christian Hiergeist vom Amt des Abteilungsleiters zurück. „Weil ich den Vertrag mit Daniel Zeller nicht verlängern wollte, gab es heftige Anfeindungen gegenüber meiner Person“, erklärt Hiergeist, der bereits seit 24 Jahren als Abteilungsleiter beim TVU tätig ist.

Doch was war passiert? Ende April offenbarte Trainer Daniel Zeller, dass er im September aller Voraussicht nach als Nachrücker in den Wendlinger Gemeinderat kommt. Problem: Da sich die Sitzungen des Gremiums mit den Trainingszeiten überschneiden, wäre Zeller künftig regelmäßig verhindert gewesen, die Übungseinheiten des A-Ligisten zu leiten. „Daniel hat auch in der Vergangenheit häufiger mal privat oder beruflich gefehlt. Daher hatte er ja intern bereits angekündigt, im Sommer 2021 aufzuhören“, schildert Hiergeist. Aufgrund dessen hat sich der Abteilungschef dazu entschieden, schon jetzt die Reißleine zu ziehen und den auslaufenden Vertrag Zellers nicht zu verlängern. Dabei seien jedoch ausschließlich sportliche Gründe zum Tragen gekommen, wie Hiergeist bekräftigt: „Ich habe kein Problem mit Daniel, aber er tanzt auf zu vielen Hochzeiten. Ich wollte einen Trainer, der sich voll und ganz auf den TVU konzentrieren kann.“

Schnell hatte sich der Fußballchef daraufhin auf den Köngener Aufstiegstrainer Daniel Rieker als Nachfolger festgelegt. Vergangenen Donnerstag wurden dann sowohl Daniel Zeller als auch das Team über die geplante Personaländerung informiert. Während Zeller die Entscheidung laut Hiergeist zwar „betrübt, aber dennoch gefasst“ aufgenommen hatte, kam es vonseiten der Mannschaft zum Eklat. „Mein Handy stand nicht mehr still. Ich wurde übel angegangen und beleidigt, wie ich es mir denn erlauben könnte, den Trainer zu entlassen“, schildert Hiergeist. Drahtzieher der Fehde sollen laut Hiergeist Philipp Zeller, der jüngere Bruder des Coaches, und Co-Trainer Zoltan Sebescen gewesen sein. Nachdem die Anfeindungen überhand genommen hatten - Hiergeist wurde sogar öffentlich in einer Nürtinger Gaststätte lautstark beleidigt -, entschied sich der Abteilungsleiter, dem Vorstand seinen Rücktritt zum 30. Juni anzubieten - den dieser am späten Montagabend auch annahm.

Das TVU-Urgestein ist sich sicher, dass rund um die Trainerthematik in erster Linie auch „alte Rechnungen beglichen wurden“. Gemeint ist damit vor allem die Auslagerung des TVU aufs Sportgelände des TSV Wendlingen. „Dass ich das unterstützt habe, haben mir viele übel genommen. Dafür haben sie sich jetzt an mir gerächt.“

Daniel Zeller bleibt nun also doch überraschend Trainer der Unterboihinger, während Daniel Rieker leer ausgeht. „Die Lage war sehr unübersichtlich. Offiziell war ich vier Tage lang Trainer, aber ich wusste nie, ob es auch so bleibt. Christian Hiergeist mache ich dabei aber keinen Vorwurf, er war immer sehr ehrlich zu mir", meint Rieker, der den TSV Köngen vergangenes Jahr zurück in die Landesliga geführt hatte. Einer seiner damaligen Schützlinge, Sven Römer, agiert künftig übrigens als Co-Trainer von Zeller. Max Pradler

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