Fussball

Im engen Favoritenkreis unterwegs

Fußball-Landesliga Mit guter Stimmung starten die Frauen des TSV Wendlingen in die Saison und bekommen es gleich zu Beginn mit Topteams zu tun. Von Reimund Elbe

Zeit für den nächsten großen Schritt: Die Landesliga-Kickerinnen des TSV Wendlingen wollen wieder rauf in die Verbandsliga.Foto:
Zeit für den nächsten großen Schritt: Die Landesliga-Kickerinnen des TSV Wendlingen wollen wieder rauf in die Verbandsliga. Foto: Markus Brändli

Ein wunderbarer, warmer August-Sommerabend im Ötlinger Rübholz. In der Vereinsgaststätte speisen nahezu 100 Gäste und genießen entspannt das Ambiente am Waldrand. Ein paar Meter weiter gibt’s nur ab und an einen Schluck aus der Trinkflasche für die dort Verweilenden, dafür etliche Kommandos: Auf dem Kunstrasenplatz läuft eine der letzten Trainingseinheiten des TSV Wendlingen für die neue Landesliga-Saison. Wendlingen - dies heißt eigentlich im konkreten Fall Spielgemeinschaft Ötlingen/Wendlingen. Überregional darf das Team von Simon Heller, so die Verbandsvorgabe, aber lediglich unter einem Namen eines eingetragenen Vereins starten.

Montags und mittwochs laufen die Übungseinheiten im Wendlinger Speck, freitags im Rübholz. Die Landesliga-Heimspiele trägt die Spielgemeinschaft auch in der kommenden Runde komplett im Speck aus. Koordinationsübungen bilden den ersten Schwerpunkt in dieser Trainingseinheit, die Arbeit mit dem Ball folgt anschließend. Heller, im Sommer 2018 vom SV Aufhausen zum Landesligisten gekommen und zudem WFV-Lehrwart im Juniorinnenbereich, schaut alles andere als pessimistisch Richtung kommende Spielzeit. „In meiner ersten Saison wollte ich nach dem damaligen Verbandsliga-Abstieg Stabilität ins Team bringen.“

Jetzt komme die Zeit für den nächsten Schritt. Soll heißen: Der TSV Wendlingen will wieder rauf in die Verbandsliga und steht mit diesem Wunsch nicht allein da. „Dieses Ansinnen höre ich auch aus dem Kreis der Spielerinnen“, betont der Chefcoach. Uwe Starz, Koordinator für Frauenfußball beim TSV Wendlingen, sieht die Lage ähnlich positiv. Allerdings bereite ihm speziell die „Zweite“, im vergangenen Jahr Bezirksliga-Vizemeister, Kummer. Auf dem Papier stünden zwar ausreichend Spielerinnen, viele davon würden jedoch auswärts studieren oder anderweitige Ausbildungen absolvieren. „Trotzdem blicken wir der Runde in beiden Teams positiv entgegen, nach dem Flex-Modell werden wir auf jeden Fall nicht spielen“, sagt Starz.

Schwieriges Programm wartet

Trainer Heller hat unterdessen zu Beginn seiner zweiten Saison nicht nur taktisch (siehe Interview mit Franziska Richter), sondern auch organisatorisch einiges umgestellt. Die Kaderfestlegung erfolgte beispielsweise deutlich früher als vergangenes Jahr. Nach dem Trainingslager in Altheim bei Ehingen Anfang August bestimmte der Coach den 20 Spielerinnen umfassenden Kader. Außergewöhnlich viel Bewegung gab es darin nicht. Mit Melissa Eggebrecht rückte eine weitere Torhüterin neben Stammkeeperin Alin Kurutz in den Kader. Eine Maßnahme, die Sinn macht. In der vergangenen Saison musste bei einem Kurutz-Ausfall jeweils eine Feldspielerin ins Tor. Aus Neuffen kam zudem Leonie Hammley. Anna Haußmann (Schule) und Marie Kopatsch (Ausbildung bei der Bundespolizei) stehen dem Landesligisten hingegen vorerst nicht mehr zur Verfügung.

Die letzte Generalprobe erbrachte indes ein Indiz dafür, dass der TSV Wendlingen auf dem richtigen Weg zu sein scheint. Beim klassenhöheren SV Jungingen unterlag der TSVW vergangenen Sonntag lediglich 2:3. Lisa Wager, zuletzt mit 21 Treffern Vierte der Landesliga-Torjägerinnenliste, zeigte sich dabei mit zwei Toren bereits gut in Schuss.

Zum Auftakt bekommt das Team von Simon Heller nun gleich gehobene Landesliga-Klasse serviert. Erdmannhausen, Plattenhardt, Gröningen-Satteldorf - allesamt Teams aus den Top Fünf der vergangenen Saison. „Jetzt muss alles sitzen“, fordert der Coach, „wenn wir die ersten drei Partien nicht körperlich und mental voll dabei sind, wird es schwierig.“

„Ziel kann nur der Aufstieg sein“

Wendlingen. Die 26-jährige Franziska Richter ist nicht nur eine kampfstarke und routinierte Innenverteidigerin, sondern auch Spielführerin des Fußball-Landesligisten TSV Wendlingen. Die ehemalige Weilheimerin gab im Rübholz, bei einer letzten Trainingseinheiten vor dem Rundenstart, Auskunft über die Gefühlslage bei der Spielgemeinschaft Ötlingen/Wendlingen - und zeigte sich dabei äußerst optimistisch für die kommende Saison.

Welches Ziel hat sich euer Team für die am Sonntag beginnende Saison gesetzt?

Franziska Richter: Unser Ziel ist ganz klar, oben mitzuspielen. In der vergangenen Saison verpassten wir ja als Tabellenvierte relativ knapp die Aufstiegsrelegation, da waren wir dann schon etwas enttäuscht. Dieses Jahr wollen wir deshalb auf jeden Fall mehr erreichen. Ziel kann somit nur der Aufstieg in die Verbandsliga sein.

Trainer Simon Heller hat in der Defensive auf Dreierkette umgestellt. Wie kommt ihr mit der neuen Taktik, weg vom gewohnten 4-4-2-System, zurecht?

Richter: „Ich bin guter Dinge, dass die Umstellung gut klappt und uns weiterbringt. Unser Ziel ist es, mit dem neuen Spielsystem mehr Druck nach vorne aufzubauen - denn das Manko in der vergangenen Saison war, dass wir relativ wenig Tore geschossen haben. Diese Bilanz wollen wir verbessern.

Wen sehen Sie als größte Konkurrenten im Kampf um den Titel?

Der TGV Dürrenzimmern kommt als Absteiger aus der Verbandsliga und gilt deshalb automatisch als Favorit, auch wenn die Mannschaft relativ schwer einzuschätzen ist. Aber auch Plattenhardt, Vizemeister Gröningen-Satteldorf und Erdmannhausen werden bestimmt ähnlich wie in der vergangenen Saison ein gutes Wörtchen im Kampf um den Aufstieg mitreden. Reimund Elbe

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