Fussball
Rechenspiele abseits des Rasens

Fußball Weiterspielen oder abbrechen: Die unklare Situation mit dem Saisonausgang im Amateurbereich sorgt bei den Teckvereinen für gemischte Reaktionen. Von Klaus-Dieter Leib

Wie geht es in den unteren Fußball-Klassen weiter: Kann diese Saison überhaupt noch zu Ende gespielt werden? Und was, wenn nicht: Welcher Tabellenstand würde für entscheidende Fragen wie Auf- und Abstieg und Meisterschaft herangezogen: Der aktuelle oder der nach der Vorrunde?

In der Bezirksliga wäre dies vor allem für den VfL Kirchheim interessant: In der Vorrundentabelle stehen die Teckstädter auf dem ersten Platz, in der aktuellen auf dem zweiten. „Wir haben sehr viel investiert, und es wäre schade, wenn wir die Saison nicht zu Ende spielen können“, sagt VfL-Trainer Michel Forzano. Gleichzeitig fände er es ungerecht, wenn eine Tabelle entscheiden würde, in der nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl von Spielen gemacht hätten. Unabhängig davon geht in Sachen Planungen für die Spielzeit 2020/21 beim VfL zurzeit gar nichts. „Da keiner weiß, wie es weitergeht, können wir aktuell auch keine Spielergespräche führen“, sagt Forzano.

Bei Lokalrivale TV Neidlingen laufen die Verhandlungen für die neue Saison per Videokonferenz. „Ich gehe davon aus, dass unser Kader im Großen und Ganzen zusammen bleibt“, sagt TVN-Spielertrainer Patrick Kölle, der damit rechnet, dass die Saison nicht mehr zu Ende gespielt werden kann: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit dem Auf- und Abstieg nichts mehr zu tun haben, egal wie die Entscheidung auch sein wird.“

Beim TSV Weilheim würde Trainer Benjamin Geiger die Saison gerne zu Ende spielen - auch wenn er nicht mehr dran glaubt: „Es wäre schade, wenn man uns die Chance nimmt noch einmal anzugreifen.“ Die Planungen für die neue Saison sind für den aktuellen Tabellenvierten nicht einfach, vor allem in Sachen Etat. „Es wird sicherlich Firmen geben, die nach der Krise nicht mehr in der Lage sein werden, den Verein zu unterstützen“, glaubt Geiger, der sich aber vorstellen kann, unter der Limburg weiterzuarbeiten.

Keine Absteiger?

Einen interessanten Lösungsvorschlag hätte Stefan Haussmann, Sportchef von A-Ligist TSV Jesingen: „Die ersten beiden Mannschaften steigen auf, und es sollte keine Absteiger geben, dadurch gibt es in der nächsten Runde einen verschärften Abstieg.“ Bei nur einem Aufsteiger könnte es auch für den TSV Jesingen eine unangenehme Konstellation geben: In der Hinrundentabelle steht der TSV Oberboihingen auf dem ersten Platz, in der aktuellen Tabelle der TSV Jesingen.

Nutznießer von Haussmanns Idee wäre der Tabellenletzte TSV Weilheim II, der so vom Abstieg in die Kreisliga B verschont bliebe. Für den SV Nabern und die SF Dettingen gäbe es keine großen Auswirkungen.

Planungen auf Eis gelegt

In der Kreisliga B, Staffel 6 machen sich mit der TG Kirchheim (39 Punkte), dem AC Catania Kirchheim (36) und dem TSV Ötlingen (34) gleich drei Vereine Hoffnungen auf den Direktaufstieg. Für den Ötlinger Trainer Benedetto Savoca wird es keine gerechte Lösung geben: „Es wäre ärgerlich, wenn wir die Runde nicht zu Ende spielen könnten, aber wir nehmen es auf jeden Fall, wie es kommt.“ Die Planungen für die neue Saison sind im Rübholz vorerst auf Eis gelegt.

Für die SGM Ohmden/Holzmaden sind die Chancen auf den Direktaufstieg in der Kreisliga B, Staffel 5 nur noch theoretischer Natur. Der Abstand auf Spitzenreiter TSV Raidwangen beträgt bereits 15 Zähler. Deshalb sieht SGOH-Trainer Viktor Oster den kommenden Entscheidungen gelassen entgegen: „Egal, wie es aussehen wird, man kann nicht alle Vereine zufriedenstellen.“ Auch die Planungen für die neue Runde werden durch die Ungewissheit ziemlich eingeschränkt, deshalb wünscht sich der SGM-Coach, dass schnell eine Entscheidung getroffen wird: „Das wäre das Beste für alle“, so Oster.

Schlierbacher melden Vollzug

In der Kreisliga B, Staffel 7 steht der einzige Teckverein, TSV Schlierbach mit 31 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz. Bei einem Rückstand von zwölf Punkten auf Tabellenführer Türk SV Ebersbach gibt es nur noch minimale Chancen auf den Direktaufstieg. „Wir müssen die aktuelle Situation einfach akzeptieren“, sagt Schlierbachs Trainer Cesare D’Agostino, der die Saison gerne zu Ende spielen würde, aber nicht mehr richtig daran glaubt. Die Planungen für die neue Runde sind fast abgeschlossen. „Es haben fast schon alle Spieler zugesagt“, freut sich D‘Agostino, der auch in der nächsten Runde Trainer in Schlierbach bleiben wird.