Fussball

Sturm und Drang mit „Eberhard“

Kreisliga-Szene Auf den Fußballplätzen taucht am Sonntag ein zusätzlicher Gegner auf. Nicht alle Rückrunden-Hoffnungen werden vom Winde verweht. Von Walter Rau

Sein Tor legte den Grundstein gegen den Tabellendritten TB Neckarhausen: Unterlenningens Daniel Deuschle dreht nach dem 1:0 in d
Sein Tor legte den Grundstein gegen den Tabellendritten TB Neckarhausen: Unterlenningens Daniel Deuschle dreht nach dem 1:0 in der 64. Spielminute mit geballter Faust ab. Foto: Markus Brändli

Ausgerechnet am ersten kompletten Spieltag im neuen Jahr war der Wettergott den Kreisliga-Fußballern nicht wohlgesonnen. Tief „Eberhard“ sorgte mit Orkanböen und Starkregen dafür, dass sechs Partien ausfallen mussten. Betroffen waren nur drei Spielorte: In Owen, Oberlenningen und Nabern fielen jeweils die Spiele der ersten und zweiten Mannschaft ins Wasser. In Oberlenningen war bereits die Woche über nicht an Fußball zu denken. „Wir haben auf unserem Mini-Kunstrasen trainiert, von daher kam die Absage für uns nicht überraschend“, sagte TSVO-Pressewart Matthias Feller. „Wir waren vollzählig und heiß darauf, zu spielen, haben aber eingesehen, dass reguläre Bedingungen nicht möglich waren“, akzeptierte auch Naberns Abteilungsleiter Michael Dangel die Absage.

In Owen hätten sie gerne zumindest eines der beiden B-Liga-Spiele über die Bühne gebracht. Doch nach Rücksprache zwischen Trainer Rainer Ziegelin und Staffelleiter Rudolf Cserny am Morgen war klar, dass erstens der Platz zu feucht war, und laut Regularien beide Spiele abgesagt werden sollten, wenn beide Heimmannschaften der selben Liga angehören. Owen II hätte übrigens sein Spiel in der B5 gegen den Tabellenzweiten Linsenhofen zum zweiten Mal in dieser Saison im Flex-Modell ausgetragen. Nach dem Rückzug des SV Aich II in der Winterpause sind die Herzogstädter der zweite Club, der auf dieses Modell zurückgreift. Laut Pressewart Harry Streicher nicht das letzte Mal. „Nach dem personellen Aderlass in der Winterpause wird das Flex-Modell bei uns immer wahrscheinlicher. Wenn die Handball-Saison zu Ende geht, können wir wieder traditionell auf personelle Verstärkungen hoffen“, sagt Streicher augenzwinkernd und hebt den regen Austausch beider Abteilungen hervor. „Handballer können eher kicken, als andersrum“, betont er die meist einseitige Hilfe innerhalb des Vereins.

Zu ungewohnter Zeit bestritt gestern Abend der TSV Jesingen sein Spiel in der Kreisliga A. Nach dem Engerlinge-Befall im eigenen Stadion (wir berichteten) trainieren die Gerstenklopfer regelmäßig auf dem alten Kunstrasenplatz an der Jesinger Allee. Gestern um 17 Uhr konnten sie nach der Bezirksliga-Partie des VfL auf dem neuen Kunstrasen ran. Und wie: Gegner Tischardt wurde zweistellig mit 10:0 abgewatscht. „Wir haben heute unser spielerisches Potenzial über 90 Minuten ausgeschöpft“, war Jesingens Trainer Danell Stumpe zufrieden. Besonders der Angriff mit den Neuzugängen Kevin Sen (3) und Sascha Foschi (4) haben ihren Job mit insgesamt sieben Treffern gut gemacht. Mit den zuletzt gezeigten Leistungen dürfen die Jesinger sogar in Richtung Relegationsrang zwei (acht Zähler Rückstand) schauen. „Wir bleiben auf dem Boden, wollen jedes Spiel alles raushauen und uns für die neue Runde einspielen“, bremst Stumpe verfrühte Euphorie.

Durchaus euphorisch zeigte sich Unterlenningens Abteilungsleiter Marc Schmohl nach dem überraschenden 2:0-Erfolg des TVU gegen den A2-Tabellendritten TB Neckarhausen. „Wir standen defensiv gut und haben uns für eine gute Leistung belohnt“, sagt er. Den Akteuren machte weniger der gewohnt schlechte Platz auf dem Bühl zu schaffen als der Sturm. TVU-Neuzugang Luca Ruoff profitierte von der Wind-Lotterie mit einem Tor aus 75 Metern zum erlösenden 2:0 (75.). Sein „Fernschuss“ wurde nach dem Aufsetzen von einer Böe erfasst, sodass der Ball über den verdutzten Gäste-Keeper Mohammad Tello hinweg ins Tor getragen wurde. „Auf dieser Leistung müssen wir aufbauen, damit wir aus dem Keller kommen. Am kommenden Sonntag erwartet uns bei Catania ein heißes Spiel“, erklärte Schmohl.

Catania schöpft neue Hoffnung

Bei den Catanesi brachte das Brüderpaar Cosimo und Daniele Attorre sprichwörtlich - und vor allem gestern treffend- frischen Wind in die Mannschaft. Beim 5:0-Auswärtssieg gegen Neckartailfingen II platzten gleich mehrere Knoten. Es waren die ersten Saisonpunkte überhaupt für den ACC, folglich hielten die Kirchheimer auch erstmals den eigenen Kasten sauber und erzielten in einem Spiel fast genau so viele Tore wie bisher in der ganzen Saison (6).

Das Brüderpaar feierte auch selbst aktiv einen sportlichen Einstand nach Maß. Trainer Cosimo und sein „Co“ Daniele trafen jeweils doppelt. „Wir sind kein Aufbaugegner mehr und werden, solange rechnerisch noch alles drin ist, versuchen das Unmögliche möglich zu machen,“ meint Cosimo Attorre. „Wir sind auch zum Spiel immer 20 Spieler. Ich bin stolz auf unseren Teamgeist. Wir haben heute ein Zeichen gesetzt“, aufgeben kommt für ihn nicht infrage.

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