Fussball

Süßes und Saures im Rübholz

Frauenfußball Beim Staffeltag in Ötlingen serviert der Bezirksvorstand bedenkliche Zahlen sowie Hoffnungsvolles.

Beim Staffeltag in Ötlingen gab's für die Vertreter der hiesigen Frauenvereine nicht nur gute Nachrichten. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Als Bezirksvorsitzendem obliegt es Rainer Veit, nicht nur frohe Fußball-Botschaften zu verkünden. Am Samstagmorgen nahm der routinierte Funktionär sogar kurz Luft, bevor er das drängendste Problem auf den Punkt brachte: Der Frauenfußball in Württemberg befinde sich weiter in einem immer weniger kontrollierbarem Sinkflug.

Wenig überraschend, hat die Corona-Problematik die fragile und missliche Lage befeuert. Statt 975 Frauen- und Mädchenteams, wie noch zur vergangenen Abbruchsaison, werden es ab September zwischen Hohenlohe und Bodensee nur noch 832 sein. „Zahlen, die nachdenklich stimmen“, kommentierte Veit während des Staffeltags des Frauen- und Mädchenfußballs im Ötlinger Rübholz.

Ihn schmerzt das Thema auch deshalb so stark, weil er bei seiner Wahl zum Bezirkschef 2018 unter anderem die Stabilisierung der Situation im Frauen- und Mädchenbereich als eine seiner Topaufgaben definiert hatte. Mit 21 gemeldeten Frauenteams landet Neckar/Fils als größter WFV-Bezirk in der württembergischen Gesamtstatistik aktuell zumindest im Mittelfeld. Im Vergleich: Die Bandbreite weist vom traditionell stark besetzten Bezirk Bodensee (31 Teams) an der Spitze bis hin zu Schlusslicht Zollern (8).

Dafür drohen im hiesigen Bezirk allerdings nun im Juniorinnenbereich vermehrt ruhende Bälle. Rückläufige Teamzahlen sowohl im C-Bereich (zehn auf neun), D (vierzehn auf zehn) sowie E (dreizehn auf neun), sind die eine Seite der Medaille - dass unterschiedliche Teamstärken das Problem verschärfen, die andere. So waren, Stand Samstag, lediglich zwei D7-Mannschaften gemeldet.

Bezeichnend, dass sich im Anschluss an den Staffeltag etliche Vereinsvertreter in einem spontanen Gesprächskreis im Ötlinger Klubheim Gedanken über pragmatische Lösungen machten. Ein hehres Ziel: Mannschaftsstärken angleichen, zur Rettung eines attraktiven Spielbetriebs.

Bezirksjugendleiter Torsten Krautz hat unterdessen bereits Konsequenzen gezogen und beispielsweise den Bezirkspokal im weiblichen Jugendbereich für die kommende Saison komplett gestrichen. „Auch die Hallenkreismeisterschaften finden nicht statt“, gab Krautz bekannt.

Keiner will in die Regionenliga

Etwas stressfreier gestaltet sich derweil die Lage im Frauenbereich. Wichtigste Nachricht: Es wird eine Bezirksliga mit 14 Teams geben, lästige Qualifikationsrunden entfallen. Doch eine problemfreie Zone stellt auch dieser Sektor nicht dar. So verzichteten mit VfB Reichenbach, FC Donzdorf, SV Göppingen gleich drei infrage kommende Teams auf die Option des Regionenliga-Aufstiegs, was beim Chef auf wenig Begeisterung stieß. „Wir sind der größte Bezirk in Württemberg, da sollte sich doch jemand finden, der in die Regionenliga aufsteigen will“, kritisierte Rainer Veit, zumal auch das Ansehen des Bezirks auf württembergischer Ebene dadurch in Leidenschaft gezogen werden könnte.

Thilo Ihring vom SV Göppingen retournierte umgehend. „Wir haben uns mit den anderen Klubs abgesprochen und alle haben aus sportlichen Gründen verzichtet“, erläuterte er die Motivation. In der Bezirksliga seien nach der Qualifikationsrunde im Herbst erst zwei bis drei Partien absolviert gewesen. Daraus einen „Quotientenmeister“ und Aufsteiger zu küren, sei schlichtweg „Humbug“.

Dass zudem ausgerechnet Bezirkspokalsieger SGM Wendlingen/Ötlingen II das Team zurückzog und das Startrecht im WFV-Pokal nicht wahrnahm (wir berichteten), ist ebenso kein Gute-Laune-Bringer im Bezirksvorstand.

Doch neben Saurem gab es auch Süßes, wie das Beispiel des Neu-Bundesligisten FC Donzdorf zeigt. „Erfreulich, so etwas gab‘s im Bezirk noch nie“, kommentierte Rainer Veit erfreut den Aufstieg der B-Juniorinnen auf die höchste Ebene. Beim Thema Regionenliga-Aufstieg zeichnet sich ein Lerneffekt ab. Reimund Elbe

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