Fussball

Über Kirchheim in die Bundesliga?

Fußball Frank Schmidt kann als Trainer des FC Heidenheim in der heute beginnenden Relegation gegen Bremen Geschichte schreiben. Sein erstes Spiel als FCH-Coach bestritt er 2007 gegen den VfL. Von Peter Eidemüller

VfL-Stürmer Antonio Tunjic (am Ball) erzielte beim 2:2 im Rückspiel des VfL gegen Heidenheim beide Tore für die „Blauen“. Rund 1
VfL-Stürmer Antonio Tunjic (am Ball) erzielte beim 2:2 im Rückspiel des VfL gegen Heidenheim beide Tore für die „Blauen“. Rund 13 Jahre später klopft das Team von der Ostalb an die Tür zur Bundesliga - mit dem gleichen Trainer wie 2007: Frank Schmidt. Archivfoto: Thomas Skalak

An den 29. September 2007 kann sich Chris Eisenhardt erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. „Das war eine außerordentliche Erfahrung“, umschreibt er mit einem Schmunzeln die seinen Worten nach „historischste“ Pleite seiner Fußballerlaufbahn - mit 1:9 gingen der damals 23-jährige Verteidiger und der VfL Kirchheim bei dem Verein unter, der heute im Relegationshinspiel gegen Werder Bremen an die Tür zur Bundesliga klopft.

„Heidenheim hat uns damals von der ersten Minute an komplett beherrscht“, erinnert sich Eisenhardt an das Duell des Oberligaaufsteigers aus der Teckstadt mit dem aufstrebenden Klub von der Ostalb. Der FCH spielte in der Saison 2007/08 im Schnitt vor über 2500 Zuschauern, die Partie gegen Kirchheim verfolgten immerhin knapp 1200 - die Euphorie rund um den Anfang 2007 aus dem Heidenheimer Sportbund ausgegliederten Fußballclub war riesig, der Regionalligaaufstieg das große Ziel. „Jede halbwegs gute Aktion wurde mit Szenenapplaus bedacht“, beschrieb Teckbotenmitarbeiter Eberhard Einselen die Stimmung beim Spiel gegen den VfL.

Trimm-dich-Pfad als Strafe

Ganz anders die Stimmung bei den Verlieren. „In der Kabine war es totenstill, alle haben nur böse Blicke ausgetauscht“, denkt Chris Eisenhardt zurück. Die Quittung für das „Debakel von der Ostalb“, wie der Teckbote hinterher titelte, kam prompt: Der damalige Kirchheimer Trainer Michael Rentschler bat die Spieler tags drauf zur Strafe zu einer Laufeinheit auf den Naberner Trimm-dich-Pfad. „So einfach können wir nicht zur Tagesordnung übergehen“, ließ er sich damals zitieren.

Rentschler, der seit seinem Ausstieg beim VfL 2008 als Verbandstrainer beim WFV angestellt ist, hat das Spiel nicht nur wegen des Ergebnisses im Gedächtnis. „Es war auch das allererste Spiel von Frank Schmidt als Heidenheimer Trainer“, erinnert sich Rentschler, der damals mit Schmidts Vorgänger Dieter Märkle eine Fahrgemeinschaft bildete, da die beiden regelmäßig nach Köln mussten, um die Fußballlehrerlizenz zu erwerben.

Dass Schmidt seit dem 9:1 gegen den VfL, für den damals Feriz Meha den Ehrentreffer besorgt hatte, ununterbrochen in Heidenheim an der Seitenlinie steht, nötigt Rentschler Respekt ab. „Das spricht für Frank und für den Verein“, sagt der 49-Jährige und schiebt lachend nach: „Wir waren quasi der Steigbügelhalter für die Heidenheimer Erfolgsgeschichte.“ Fakt ist: Der FCH stieg am Ende der Saison tatsächlich in die Regionalliga auf. Ein Jahr später ging‘s direkt in die dritte Liga, 2014 in die zweite.

Siegtreffer aberkannt

Dabei hätte ausgerechnet der VfL den kometenhaften Aufstieg der Heidenheimer beinahe ausgebremst: Im Rückspiel im April 2008 luchsten die Kirchheimer dem übermächtigen FCH an der Jesinger Allee nach zwei Toren von Antonio Tunjic beim 2:2 einen Punkt ab. Dass es nicht drei waren, lag in der Erinnerung von Chris Eisenhardt auch am damaligen Schiedsrichter: Der hatte kurz vor Schluss den vermeintlichen Siegtreffer des VfL aberkannt, nachdem Kirchheims Selim Altinsoy Heidenheims Keeper Sabanov den Ball beim Abschlag aus den Händen gespitzelt hatte. „Das war nie im Leben ein Foul, der Ball war frei“, behauptet Eisenhardt 13 Jahre später - pikant: Hätten sie beim VfL verloren, wären die Heidenheimer in der Endabrechnung punktgleich mit der TSG Hoffenheim II gewesen und hätten ums Regionalligaticket bangen müssen.

„Ich hab‘ das damals nicht groß verfolgt, sondern nur auf uns geschaut“, sagt Michael Rentschler. Mit Erfolg: Der Punktgewinn gegen den FCH war ein Baustein auf dem Kirchheimer Weg zum Klassenerhalt, den der VfL als Tabellenvierzehnter mit vier Zählern Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz sicherte.

Was bleibt, ist die Erinnerung an zwei denkwürdige Spiele gegen eine Mannschaft, die heute und am Montag Fußball-Geschichte schreiben kann. „Mich freut es für Heidenheim“, sagt Chris Eisenhardt, der nach dem finanziell bedingten Rückzug des VfL aus der Oberliga 2011 in Frickenhausen, Weilheim und Echterdingen als Spieler und Trainer aktiv war, ehe er vor wenigen Wochen als Coach bei Bezirksligist TSV Bernhausen anheuerte.

Auch als Spieler gegen den VfL erfolgreich

Frank Schmidt hat gegen den VfL nicht nur sein allererstes Spiel als Heidenheimer Trainer bestritten - der 46-Jährige war auch als aktiver Spieler gegen Kirchheim am Ball. In der Saison 2003/04 war der torgefährliche Abwehrspieler mit Zweitligaerfahrung bei Alemannia Aachen, mit dem Heidenheimer SB Gegner des VfL in der Verbandsliga.

Zwei Siege feierten die Heidenheimer damals gegen Kirchheim. Im Oktober 2003 überrollte der HSB den VfL an der Jesinger Allee mit 4:0, im Rückspiel im April 2004 gelang den Ostälblern ein 1:0-Sieg, der beim VfL für betretene Mienen sorgte: „Das war unser schlechtestes Saisonspiel“, schimpfte der damalige Trainer Alexander Gavranovic.

Zur Startelf in beiden Partien gehörten neben dem heutigen Kirchheimer Trainer Oliver Klingler auch Chris Eisenhardt, damals als 20-Jähriger frisch der A-Jugend der SV Böblingen entwachsen. „Ich bin stolz, dass ich in meiner Laufbahn gegen Heidenheim und gegen Frank Schmidt spielen durfte“, blickt er auf die Duelle zurück. pet

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