Fussball

Veranstaltern droht ein Loch in der Kasse

Fußball Der Aufruf des WFV zum Verzicht auf Hallenturniere trifft vor allem traditionsreiche Ausrichter hart. Manch einer will die Hoffnung nicht aufgeben. Von Reimund Elbe

Fußball vor Zuschauern in der Halle - nach Auffassung des Württembergischen Fußballverbands muss das in diesem winter nicht sein
Fußball vor Zuschauern in der Halle - nach Auffassung des Württembergischen Fußballverbands muss das in diesem winter nicht sein.Foto: Genio Silviani

Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat offiziell alle Hallenmeisterschaften abgesagt und empfiehlt allen Klubs, in diesem Winter die Finger vom Budenzauber zu lassen. Die Meldung traf vergangene Woche etliche Veranstalter ins Mark. Zu den besonders hart Getroffenen zählt der FTSV Kuchen. Dessen Mitternachtturnier mit Playersnight war in den vergangenen Jahren ein Zuschauermagnet. Rund 1 000 Besucher im Schnitt vergnügten sich in und um die Ankenhalle und kurbelten den Umsatz an. Für Januar war die 14. Auflage vorgeplant. Fußball-Abteilungsleiter Steffen Schmiedel spricht von „unabsehbaren Folgen“, sollte der Ball tatsächlich ruhen.

„Unser Jahresetat kann dann gar nicht funktionieren“, fürchtet er, zumal die Kuchener dann auch die „Penalty Night“ - inzwischen ein Kult-Event im Winter - vergessen könnten. Dass Tobee, der singende Zahnarzt aus dem Fils­tal, schon im Sommer seine beliebte Party mit weiteren Mallorca-Sangesbarden im Ankenstadion nicht bieten konnte, schmerzt den Verein allein schon kräftig. Mit einem Verkaufsstand generierte der FTSV Kuchen dort stets gute Einnahmen. „Allein vom Bratwurst-Verkauf bei unseren Spielen können wir nicht existieren“, sagt Schmiedel.

Trotzdem werden die Kuche­ner in Kürze wohl das Aus der Winterturniere beschließen - und stehen damit in der Szene nicht alleine da. Der TSV Notzingen bietet zwar deutlich weniger Turnier-Tradition, jedoch viel Schwung auf dem Weg, sich in der Szene zu etablieren. Ganz nachvollziehen mag Abteilungsleiter Michael Panknin die aktuelle WFV-Empfehlung noch nicht. „Wir hätten als Alternative das Turnier zum Beispiel auf zwei Tage splitten können, um so die Zahl der Kontakte zu reduzieren“, meint Notzingens Fußballchef und klammert sich mit seinem Team an einen Strohhalm. Schließlich planen mittlerweile auch Fußball-Bundesligisten wie Leipzig, Tausende Spielbesucher zuzulassen. Panknin: „Vielleicht betrachten wir die Gesamtsituation Ende des Jahres mit neuen Erfahrungen schon wieder ganz anders.“

Bei den Sportfreunden aus Dettingen sorgt die neue Lage ebenso für Tristesse. Das Hobbyturnier in der Halle stellt laut Abteilungsleiter Christian Renz „eine der wenigen Einnahmequellen der Abteilung in der Winterzeit“ dar. Doch Renz sieht auch Vorteile, zumal die Umsetzung des Hygienekonzepts in der Halle viel aufwändiger als im Freien sei.

Auch die ganz großen Traditionalisten sorgen sich. Dem FC Frickenhausen droht nach 20 Jahren lückenloser Turnierhistorie erstmals eine Absage. Nicht die erste für den Landesligisten in diesem ungewöhnlichen Jahr. Im Sommer fiel bereits der bekannte Junior-Cup flach. „Es macht vermutlich wenig Sinn, auf Teufel komm raus dran festzuhalten, zumal man womöglich mehr kaputt macht als gut“, meint Ausschussmitglied Marcel Haug. Auch der FCF dürfte alsbald die Absage verkünden.

Die Sindelfinger Hallenfußball-Gala im Glaspalast ist Marktführer in Württemberg. Beim VfL Sindelfingen, gemeinsam mit dem GSV Maichingen Veranstalter, herrscht Alarmstufe rot. „Eine Absage wäre für uns finanziell eine Katastrophe“, sagt VfL-Abteilungsleiter Ralf Brenner. Diese Woche wolle man das weitere Vorgehen beraten. „Seit März steht der Glaspalast praktisch leer“, berichtet Brenner. Und es sieht nicht danach aus, dass sich dieser Zustand alsbald ändern würde.

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