Fussball

Virologische Reifeprüfung

Randnotiz zum Fußballtraining in Corona-Zeiten. Von Max Pradler

Symbolbild: pixabay

Endlich! Nach über zehn Wochen langer Corona-Pause dürfen seit Kurzem auch Amateurfußballer wieder trainieren. Zwar nur in Kleingruppen und unter Hygienebestimmungen, aber immerhin trifft man so mal wieder seine Teamkollegen und kann den Ball an den Füßen spüren. Was in der Theorie aber mit viel Wohlwollen und Vorfreude wenigstens noch ein wenig schmackhaft geklungen hatte, wurde in der Praxis dann aber schnell von knallharter Ernüchterung eingeholt. Bereits zu Hause ging das Schlamassel los: Weil Umkleidekabinen und Duschen weiterhin gesperrt bleiben, muss ich mich bereits vorab umziehen. Eine Tasche mit Ersatzklamotten brauche ich aber ja trotzdem, oder soll ich mich danach etwa mit den verschwitzten Klamotten wieder ins Auto setzen und nach Hause fahren?

Auf dem Sportgelände angekommen warten bereits ein paar überpünktliche Kollegen, vorbildlich mit eineinhalb Metern Abstand zueinander. Zwischen all den neuen originellen Begrüßungsformen entscheiden wir uns für die einfachste - den Faust-Check. Der Trainer wuselt derweil schon über den Rasen und platziert fleißig seine desinfizierten Hütchen. Vier quadratische Felder über den ganzen Platz verteilt, jeweils eines für eine Fünfergruppe. Während die beiden Torhüter immerhin spezifisches Training absolvieren können, bleiben den Feldspielern nicht viele Möglichkeiten. Unspektakulär geht es von Station zu Station: Pässe spielen, Ballkontrolle, Sprints und Koordinationsübungen. Ich erinnere mich an das unbeliebte Zirkeltraining im Schulsport zurück. Die Rahmenbedingungen allerdings machen das ganze Spektakel diesmal durchaus einzigartig: Selbst innerhalb der Gruppe auf den Abstand achten und ja niemanden berühren. Jeder Spieler hat außerdem seinen eigenen Ball, alle anderen sind tabu. Auf einmal höre ich einen der Torhüter lautstark fluchen: „Ach Scheiße, ich vergess‘ das immer!“ Er hatte sich versehentlich auf seine Handschuhe gespuckt. Eigentlich völlig normal für Keeper, in Zeiten von Corona allerdings strengstens untersagt. „Oh verdammt! Aber keine Sorge, ich besuche dich im Gefängnis“, scherzt der andere Torwart-Kollege.

Nach einer Stunde Stationstraining pfeift der Coach - Feierabend. Das Abbauen entwickelte sich dann aber nochmals zur virologischen Reifeprüfung. Sowohl Hütchen als auch Leibchen dürfen nämlich ausschließlich von einer Person mit Einweghandschuhen angefasst und eingesammelt werden. Danach müssen sie sich, genauso wie Bälle und Fußballschuhe, noch einer ausgiebigen Dusche mit Desinfektionsspray unterziehen. „Fußballtraining“ unter Corona-Bedingungen? Nein, danke!

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