Handball

Abschied von Reiner Kerzinger

Nachruf Einer, der den Handballsport in Owen geprägt hat, ist im Alter von 62 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben.

Reiner Kerzinger

Owen. Die Handballgemeinde rund um die Teck trauert um einen der ihren: Reiner Kerzinger ist mit 62 Jahren an einem kurzen, heimtückischen Krebsleiden gestorben. Einer, der den Handballsport rund um die Teck mehr als ein Jahrzehnt lang geprägt hat und der wie kein anderer für den sportlichen Erfolg in seinem Heimatverein TSV Owen stand. Als der Mann, für den die Rückennummer 13 ein Sportlerleben lang Glückszahl war. Als der Spieler, der von vielen verehrt und ebenso gefürchtet wurde. Auf dem Spielfeld eine Urgewalt von unscheinbarer Statur, blitzschnell im Antritt und auf seinem Platz im Rückraum mit einem Wurf ausgestattet, der an Präzision und Härte wenig Vergleiche zuließ. Einer, der auf dem Spielfeld im Rampenlicht stand und nach dem Abpfiff die Bühne gerne anderen überließ.

Auszuloten, wo die eigenen Grenzen verlaufen, ist ein Reiz, dem jeder ehrgeizige Sportler irgendwann erliegt. Für Reiner Kerzinger war dieser Moment im Frühsommer 1985 gekommen, als er dem Ruf des damaligen Zweitliga-Absteigers TSV Heiningen in die Regionalliga folgte. Es war mit 27 Jahren der Höhepunkt seiner Laufbahn als Sportler.

Mit ihm als Verantwortlichem auf der Bank erlebten nach seiner aktiven Zeit als Handballer viele die andere Seite von Reiner Kerzinger kennen. In seinem Heimatverein TSV Owen, aber auch bei seiner zweiten Liebe in Lenningen, wo er zunächst als Spieler und später als Trainer der gerade neu gegründeten SG nicht nur Erfolge feierte, sondern eine bis zuletzt enge Kameradschaft fand. Als Mentor mit offenem Ohr und ebensolchem Herz. In einer Rolle, in die er nicht hineinzuwachsen brauchte. Sie entsprach ihm. Freundschaften im Sport entstehen leicht. Für Reiner Kerzinger war Freundschaft kein Wort, das man leichtfertig aussprach. Sie hatte bedingungslos und frei von Hierarchien zu sein - vor allem von Dauer. Für ihn war es das Fundament einer Lebensauffassung, in der Empathie und Aufrichtigkeit die Eckpfeiler bildeten. Das brachte ihm viele Sympathien ein, nicht nur im Sport. Als Führungskraft und Arbeitgeber im Beruf, als Kommunalpolitiker im Gemeinderat seiner Heimatstadt Owen.

Im Herbst vorvergangenen Jahres ist Reiner Kerzinger auf einen Gegner getroffen, der Fair Play nicht kennt. In seinem letzten Gefecht hat ihn das Glück verlassen. Für den Handball und alle, die ihm näher standen, wird er für immer ein Glücksfall bleiben. Bernd Köble

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