Handball Bezirksliga

Brautpaar in freudiger Erwartung

Bezirksliga Owen und Lenningen werfen gemeinsam ihr Bestes in die Waagschale. Der neue Trainer Matthias Briem muss daraus eine Einheit schmieden. Von Klaus Schlütter

Die Pflichtspiel-Premiere ist schon mal geglückt: Die erste Runde im HVW-Pokal haben Max Bächle und die HSG OLE gegen Landesligi
Die Pflichtspiel-Premiere ist schon mal geglückt: Die erste Runde im HVW-Pokal haben Max Bächle und die HSG OLE gegen Landesligist HSG Bargau/Bettringen mit Bravour gemeistert.Foto: Genio Silviani

Aus zwei mach eins, hieß es vor 28 Jahren. Am 17. Mai 1991 gründeten die Handball-Nachbarn TSV Ober- und TV Unterlenningen die Spielgemeinschaft Lenningen. Mit Beginn des Jahres 2019 folgte Teil zwei der Verschlankungsaktion im Lenninger Tal. Wieder heißt es „Aus zwei mach eins“ und wieder werden Kräfte und Ressourcen gebündelt, diesmal mit den Ballwerfern des TSV Owen. Mit dem gemeinsamen Logo „HSG Ole“ auf der Brust gehen künftig alle Mannschaften der früheren Drei-Täles-Klubs auf Punktejagd.

Ein kompletter Neubeginn für die Männer in der Bezirksliga, in der die SG Lenningen und der TSV Owen bisher als Lokalrivalen vereint waren. Das letzte Derby gewannen die Lenninger mit 31:22 und belegten in der Abschlusstabelle Platz fünf. Owen wurde in der Meistersaison des TSV Denkendorf am Ende Siebter.

Jetzt sind alle gespannt, wie sich die Mannschaft nach der Fusion in der neuen Saison behaupten wird. Trotz einiger Abgänge - die beiden Trenkle-Brüder und Rückraum-Ass Philipp Nebenführ wechselten zum TSV Dettingen/Erms in die Landesliga, den Ex-Owener Patrick Renner-Slis zog es nach Wolfschlugen in die Württemberg-Liga - ist man im Täle überzeugt, vorne mitmischen zu können. Neu hinzu kommen Torhüter David Pisch vom VfL Kirchheim und Noa Weller aus der A-Jugend der JSG Deizisau-Denkendorf. Zudem will man dem vereinseigenen Nachwuchs die Chance geben.

„Es wird nicht gleich alles hundertprozentig funktionieren. Dafür war die Vorbereitungszeit sehr kurz“, meint HSG-Sprecher Raphael Schmid. Er versichert aber mit Nachdruck: „Die Teamchemie stimmt.“

Auch deshalb ist der neue Trainer Matthias Briem überzeugt: „Wir haben die Qualität, im vorderen Tabellendrittel zu landen.“ Er gibt jedoch zu bedenken: „Noch gilt es, die neue Einheit endgültig zu verwirklichen. Davon sind wir noch ein Stück weit entfernt.“ Um die Schlagkraft zu erhöhen, hat Briem den Bezirksliga-Kader von ursprünglich 23 auf 16 Spieler reduziert. Damit sind alle Positionen mindestens doppelt besetzt. Die sieben Spieler, die vorerst durch den Rost gefallen sind, verstärken die zweite Mannschaft von Trainer Uli von Petersenn in der Kreisliga A. „Jeder hat die Chance, sich mit guten Leistungen für die ‚Erste‘ zu empfehlen“, sagt Briem.

Unterschiedliche Systeme

Die Qualität der Kerntruppe ist das eine, wie sie ihre Stärken auf die Platte bringt, das andere. Beide Teams haben bisher unterschiedliche Systeme gespielt. Bei Lenningen hatten die 6-0- beziehungsweise 5-1-Varianten in der Abwehr den Vorrang. Owen dagegen bevorzugte mehrheitlich die offensivere 3-2-1-Strategie. Briems Mixtur aus beiden Spielformen heißt „Geduld in der Abwehr, Tempo im Angriff“, ohne sich dabei auf Zahlenkombinationen festzulegen.

Der neue Trainer weiß schließlich, worauf es auf dem Spielfeld ankommt. Als Spieler kann Matthias Briem eine erfolgreiche Vita vorweisen. Er begann seine Laufbahn beim HC Wernau und in Ostfildern, kletterte auf der Karriereleiter über den Oberligisten TV Dettingen/Erms zum TSV Deizisau in die Regionalliga und schaffte es schließlich bis in die zweite Bundesliga beim HSC Coburg. 2009 ging‘s zurück ins Ländle. Erst zu den Stuttgarter Kickers in der dritten Liga, von 2012 bis 2018 zum SKV Unterensingen in der Württembergliga.

Briem ist inzwischen 36 Jahre alt. Noch jung genug, um auf dem Spielfeld den Leitwolf zu geben. Da stellt sich die Frage: Mischt er bei der HSG noch mal mit? Der 1,92 Meter große Linkshänder könnte der Mannschaft mit seiner Qualität und Routine natürlich weiterhelfen. Er lässt sich zumindest ein Hintertürchen offen: „Ich werde keinem den Platz streitig machen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass ich ohne Training der Heilsbringer wäre“, sagt er. „Sollte die Personalnot groß sein, wäre ich der Letzte, der Nein sagen würde.“

Andere Fragen haben sich vor dem Saisonstart von selbst beantwortet. Eigentlich stehen zwei Hallen zur Verfügung. Für welche entscheidet sich die HSG? Gespielt wird ein Jahr lang ausschließlich in Lenningen. Die Owener Teckhalle wird zurzeit umgebaut und saniert. Beantwortet ist auch die Frage, in welchen Trikots die Mannschaft auflaufen wird. Vom bisherigen Gelb des TSV Owen und vom Blau der SG Lenningen ist nichts übrig geblieben. Nach der Hochzeit spielt die HSG im ersten Punktspiel am Samstag gegen Eichenkreuz Bernhausen in modischem Weiß. Aber Vorsicht: Bernhausen ist für Briem der Titelfavorit. Da drohen gleich die ersten Flecken auf dem jungfräulichen Kleid.

Anzeige