Handball

Die Roten in Mausgrau

Handball Der TSV Weilheim muss sich nach einer enttäuschenden Saison in der Bezirksklasse neue Ziele stecken und setzt dabei auf Neuzugänge. Von Bernd Köble

Eine Saison gegen viele Widerstände: Dominik Klett (im roten Trikot) und der TSV Weilheim tun sich in der Bezirksklasse schwerer
Eine Saison gegen viele Widerstände: Dominik Klett (im roten Trikot) und der TSV Weilheim tun sich in der Bezirksklasse schwerer als von vielen im vergangenen Sommer erwartet - darunter auch Trainer Michael Rehkugler (unten).Fotos: Markus Brändli

Als Aufstiegskandidat gestartet, im Mittelmaß gelandet - nach 15 Spieltagen ist im Weilheimer Handball nichts, wie es hätte sein sollen. Warum es eine Saison zum Vergessen ist, und wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass schon seit vielen Wochen kein Mensch mehr vom Aufstieg spricht, fragen sich jetzt viele. Klar ist: Der Anspruch in Weilheim ist ein anderer. „Dass die Rückkehr in die Bezirksliga kein Selbstläufer wird, war uns klar“, räumt Abteilungschef Markus Mayer ein. „Dass wir hier aber gleich im Niemandsland versinken, damit hat keiner gerechnet.“

Wohl auch nicht Michael Rehkugler, der nach Umwegen über Lenningen und Grabenstetten seiner alten Liebe TSV die Hand beim Treppensteigen reichen wollte. Jetzt tut sich auch der Trainer schwer bei der Suche nach Erklärungen. Dreißig technische Fehler wie zuletzt gegen Esslingen, eine Vielzahl leichtfertig vergebener Wurfchancen, das sind Dinge, die einen am Ende zum Verlierer stempeln. „Die Chancen, die wir haben, würden in jedem Spiel reichen“, sagt Rehkugler. „Aber wir machen sie einfach nicht.“ Trotzdem hat sich an seiner Überzeugung wenig geändert, auch wenn er sie inzwischen leiser vertritt: „Wir sind nicht so schlecht, wie wir im Moment dastehen.“

Sicher: Es hätte auch ganz anders laufen können. Fünf klaren Weilheimer Siegen stehen neun mehr oder weniger knappe Niederlagen entgegen. Darunter heiß umkämpfte Spiele wie in Leinfelden oder zu Hause gegen den Spitzenreiter aus Wolfschlugen. Aber auch katastrophale Aussetzer wie beim 31:34 gegen Tabellenschlusslicht Neuhausen, den heutigen Gegner in der Lindachsporthalle.

Zumindest statistisch gesehen ist die Saison ein Schritt nach vorn. Mit durchschnittlich 25 Treffern pro Spiel war die fehlende Effizienz im Angriff das Hauptproblem in der Abstiegssaison. Dieses Jahr schlug es im Schnitt immerhin 30 Mal im gegnerischen Gehäuse ein. Das Problem: unerklärliche Schwächephasen, in denen die Mannschaft kontrollierte Spiele aus der Hand gibt, sich wilde Aktionen leistet, statt das Ding einfach in Ruhe heimzuschaukeln.

Enttäuschung statt Erfahrung

Momente, in denen erfahrene Kräfte, von denen es in Weilheim einige gibt, in der Verantwortung stehen. Spieler wie Florian Braun, der im Sommer vom Landesliga-Absteiger Grabenstetten zu seinem Stammverein zurückkehrte und von dem der Trainer, der gleichzeitig sein Onkel ist, sagt: „Mit seinen Fähigkeiten müsste er aus dieser Mannschaft herausstechen.“ Stattdessen steht der wurfgewaltige Rückraumspieler mit durchschnittlich 2,6 Treffern pro Spiel stellvertretend dafür, wo sich die Roten im Moment bewegen: weit unter ihren Möglich­keiten.

Erklärungen gibt es immer. Der im Rückraum gesetzte Maximilian Müller brach sich gleich zu Saisonbeginn den Arm, Stammkräfte wie Benjamin Banzhaf oder Jan Stark hält der Beruf häufiger als gut wäre vom Training ab. Patrick Seyferle und Toptorschütze Dominik Klett spielen nach Verletzungen an Rücken und Ellbogen seit Wochen nur unter Schmerzen, und weil Moritz Latzel im Weilheimer Gehäuse schon fünfmal in dieser Saison die einzig verfügbare Kraft war, hat sich der 46-jährige Rehkugler vorsichtshalber schon mal seinen Spielerpass ins Schubfach gelegt. Immerhin war er mal Torhüter und das kein schlechter. Man weiß ja nie. Dienstagabend waren sie 13 Mann hoch im Training - zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison.

Das sind nicht gerade Voraussetzungen, bei denen Trainer ins Schwärmen geraten. Trotzdem sagt Weilheims Sportchef Markus Mayer: „Der Michl sitzt kommende Saison bei uns auf der Bank - egal, was passiert.“ Das würde bedeuten, dass eine Option zur Pflicht wird, denn eine weitere Platzrunde in der Bezirksklasse würde unter der Limburg allem zuwiderlaufen: einer attraktiven Halle, willigen Sponsoren und einem Publikum mit Erwartungshaltung. „Der Aufstieg innerhalb von zwei Jahren war immer unser klarer Plan“, sagt Mayer. Im Umkehrschluss heißt das: Nächstes Jahr ist die Bezirksliga Pflicht.

Ohne Verstärkung - das wissen die Verantwortlichen - wird es auch im zweiten Anlauf schwierig. Ein Grund, weshalb es früh Signale gibt. Sebastian Martin, derzeit noch im Trikot des TSV Grabenstetten, soll ein Kandidat für den Rückraum sein. Einer der Athletik und Erfahrung in der Württembergliga mitbringt. Vom Landesligisten TSV Köngen ist Gian Luca Pupin im Gespräch. Köngens Kapitän kehrte in dieser Saison nach einem Kreuzbandriss zurück in den Rückraum und wäre charakterlich ein Typ mit Führungsqualitäten.

Ob beide als zusätzliche Verstärkung oder als Ersatz gehandelt würden, ist noch nicht klar. Florian Braun denkt an Abschied und soll vor einem Wechsel zum möglichen Landesliga-Aufsteiger TSV Denkendorf stehen, wo Ralf Wagner Trainer ist. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt Markus Mayer, der auf weitere Gespräche setzt und an seinem Rückraum-Shooter festhalten will. Fix ist dagegen der Wechsel von Jakob Klein zum VfL Kirchheim in die Landesliga. Was immer die kommenden Wochen bringen mögen. Das Gesicht des TSV Weilheim wird sich ändern und mit ihm - wenn es gut läuft - auch der Geist in den Köpfen. Oder wie Markus Mayer sagt: „Unschuldig an unserer Situation ist keiner.“

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