Handball

Die Verbandsliga kehrt zurück

Handball Ab der Saison 2020/21 soll es in Württemberg eine zusätzliche Spielklasse über der Landesliga geben. Das Präsidium des HVW muss Ende März dem zustimmen. Von Bernd Köble

Vor mehr als 13 Jahren: Lenningens Marc Segeritz (in Blau) im Oktober 2005 im Verbandsliga-Duell mit dem Team Esslingen. Im dara
Vor mehr als 13 Jahren: Lenningens Marc Segeritz (in Blau) im Oktober 2005 im Verbandsliga-Duell mit dem Team Esslingen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Verbandsliga bei den Frauen wieder abgeschafft, in der Saison 2007/08 folgten die Männer.Foto: Gerald Prießnitz

Nach der Heim-WM im Januar kehrt in den Ligen des Deutschen Handballbundes (DHB) wieder der Alltag ein. Allein in Württemberg, wo der zweitgrößte Landesverband beheimatet ist, befasst man sich zurzeit mit nicht Alltäglichem. Die geplante Neuordnung der Spielklassen bestimmt seit vergangenen Sommer die Debatte im HVW mit seinen acht Bezirken. Der Plan: Aus der zweigleisigen Württembergliga mit bisher 30 Mannschaften soll eine württembergische Top-Liga mit nur noch 14 Teams entstehen. Mit der Rückkehr zur Verbandsliga mit zwei 14er-Staffeln will der HVW die Brücke zur bisherigen Landesliga schlagen, wo sich ebenfalls einiges ändern soll: vier statt bisher drei Staffeln, dafür mit jeweils nur noch zehn statt seither 14 Vertretern. Damit wäre die im Herbst vorgeschlagene Einführung einer Bezirksoberliga vom Tisch, die zu Kritik führte, weil Vereine darin eine Abwertung der Landesliga sahen.

Klingt alles furchtbar kompliziert. Wozu also das Ganze? Der Verband will das Spielniveau heben. Weniger Spiele, mehr Qualität. Vor allem im Frauenbereich wird das Leistungsgefälle innerhalb der Ligen seit Jahren immer gravierender. Gleichzeitig würde man damit einen lange geduldeten Fehler im System korrigieren: Die ungerade Zahl an Landesliga-Staffeln glich bisher einem Nadelöhr. Alljährlich nach Saisonschluss brach eine Lawine von Auf- und Abstiegsspielen los, die fast keine Spielklasse verschonte. Die Relegation als komplizierte Gleichung mit einer Vielzahl Unbekannter - das alles fiele weg, wenn nur noch gerade Zahlen die Arithmetik bestimmten. Experten wie Michael Roll, der im HVW für das Ressort Spieltechnik zuständig ist, sprechen von einer klaren Pyramide, die Durchlässigkeit und mehr Flexibilität garantiere. „Fällt die Relegation weg, haben wir zudem deutlich mehr Ausweichtermine während der Runde“, sieht Roll einen weiteren Vorteil.

Weniger Spiele, mehr Teams

Weniger Spiele bedeuten freilich auch weniger Schiedsrichter. Was man im HVW als „Nebeneffekt“ verkauft, könnte vorläufige Antwort sein auf ein Problem, das nicht nur im Handball existenziell zu werden droht: 674 Unparteiische hat der HVW allein in den vergangenen drei Jahren verloren. In der laufenden Saison haben noch 1 159 Schiedsrichter eine gültige Lizenz. Da klingt die Gegenrechnung fast schon verlockend: 104 Spiele bei den Männern und 88 bei den Frauen fielen durch die Strukturreform ab Sommer 2020 weg. Dies trotz der Tatsache, dass unter dem Strich 16 Mannschaften mehr im Rennen wären. „Die Schiedsrichternot ist ein Argument“, bekennt Roll, „aber nicht das Argument.“

Was wie die Lösung für sämtliche Probleme erscheint, sieht man in den Bezirken durchaus auch kritisch. Wolfgang Stoll vom TSV Wolfschlugen, Vorsitzender im Bezirk Esslingen-Teck, hält die Debatte noch längst nicht für beendet. Zwischen Teck, Neckartal und Filderebene hat nicht nur fast jedes Dorf seinen eigenen Handballverein, hier herrscht auch die größte Leistungsdichte im gesamten Verbandsgebiet. Hier wäre man folglich Hauptleidtragender einer Schlankheitskur an der Spitze. Längst nicht alle, die bisher auf Verbandsebene unterwegs waren, dürften künftig noch einen Platz finden. Wer weit oben in der Tabelle steht, dem drohen stattdessen längere Wege und damit zusätzliche Reisekosten.

„Viele Ansätze sind richtig“, meint deshalb Wolfgang Stoll. „Aber Zehner-Staffeln in der Landesliga, das ist eindeutig zu wenig.“ Zudem ist klar: Auf lange Sicht werden auch die Bezirke an Reformen nicht vorbeikommen. Das Ganze schlägt nach unten durch. „Es kann ja nicht sein, dass wir mit zahlenmäßig stärkeren Staffeln spielen als der Verband“, meint Stoll. „Damit haben wir uns bis jetzt ja noch überhaupt nicht beschäftigt.“

Am 16. Februar treffen sich die acht Bezirksvorsitzenden ein letztes Mal, um über die Pläne zu beraten. Am 18. März steht bei den Abteilungsleitern der Vereine im Bezirk eine außerordentliche Versammlung im Kalender. „Ein Pflichttermin“, weist Stoll schon mal hin. Das letzte Wort hat dann am 31. März das HVW-Präsidium. „Alle Vereine sind jetzt informiert“, sagt Michael Roll, der den Eindruck vermeiden will, man habe längst Fakten geschaffen. „Wir haben alle Kritikpunkte gesammelt“, betont er. „Wir stecken immer noch in einer Diskussion.“

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