Handball

Ein Blick in die Werkstatt

Handball In Kirchheim, Weilheim und im Lenninger Tal wird am Erfolg in der neuen Saison gebastelt. Der VfL zeigt sich frühreif, die HSG OLE betreibt Grundlagenforschung. Von Bernd Köble

Steht noch am Anfang: HSG-Trainer Matthias Briem beim ersten Test Ende Juni gegen den VfL Kirchheim.Foto: Markus Brändli
Steht noch am Anfang: HSG-Trainer Matthias Briem beim ersten Test Ende Juni gegen den VfL Kirchheim.Foto: Markus Brändli

Es ist die Zeit, in der sich Trainer noch wortkarg geben und Ergebnisse mit einem Achselzucken quittiert werden. Die relativ knappe Niederlage der Kirchheimer Landesliga-Handballer gegen Plochingen Anfang des Monats mag da eine Ausnahme sein. Das Unentschieden zur Pause gegen den Drittliga-Aufsteiger hat beim VfL den Kompass genordet. Der Kurs stimmt. „Wir sind zufrieden, wie es läuft,“ sagt Abteilungschef Uwe Hamann zum Stand der Vorbereitung, in der es zudem zwei klare Siege gegen Bezirksliga-Nachbar HSG Owen/Lenningen und den Landesliga-Konkurrenten aus Uhingen/Holzhausen gab. Am Wochenende soll ein Trainingslager in den Bergen bei Riezlern die Mannschaft noch enger zusammenschweißen. Dabei sind die drei Neuzugänge Benjamin Sott (25) vom TSV Wolfschlugen, Dominik Burkhardt (22), der vom TV Jahn Göppingen kam, und der Ex-Weilheimer Jakob Klein (21) bereits gut integriert, wie Hamann feststellt. Zwar nicht neu, aber wieder mit dabei, ist Thimo Böck im zentralen Rückraum, der nach einem dreifachen Jochbeinbruch vergangene Saison sehnsüchtig vermisst wurde. „Er wird in diesem Jahr eine ganz wichtige Rolle spielen“, sagt Uwe Hamann.

Schneller, variabler und vor allem deutlich jünger zeigt sich der VfL vor der neuen Saison. Die routinierten Stammkräfte Roman Keller, Peter Sadowski und Oliver Latzel wurden durch junge Kräfte ersetzt. Ein Umbau, der sich fortsetzen soll. B-Jugendliche im Training der zweiten Mannschaft verdeutlichen diesen Trend. Wie belastbar das Gerüst ist, wird sich spätestens Ende August zeigen. Das Turnier in Wolfschlugen und der Köngener Vesalius-Cup sind kurz vor dem Ernstfall im Pokal und in der Liga als letzter Lackmus-Test vorgesehen.

Briem wirbt um Geduld

Auf den wartet man im Startjahr auch bei der HSG Owen/Lenningen mit Spannung. Der Job, die Mannschaft, das ganze Vereinskonstrukt - für Matthias Briem gibt es nichts, was nicht neu wäre. Dazu zählt auch die Erfahrung, dass man in Owen einen Baustein der Vorbereitung traditionsgemäß auf holprigen Rasen setzt. Dass der Auftritt am vergangenen Sonntag beim SV-Cup buchstäblich ins Wasser fiel, nahm der neue Coach eher mit Erleichterung zur Kenntnis. Das Wissen um Verletzungsrisiken gehört für einen Spieler mit Zweitliga-Erfahrung schließlich zum Standardrepertoire.

Aus zwei unterschiedlichen Spielsystemen, aus zwei Mannschaften, die sich vergangene Saison in der Bezirksliga noch als Gegner beharkten, muss der 35-jährige Debütant nun eine homogene Einheit schmieden. Logisch, wo seit dem Trainingsbeginn Anfang Juni die Schwerpunkte lagen: Kaum Testspiele, dafür jede Menge Einzelgespräche und taktische Grundlagen. Briem zeigt sich zufrieden. Ein 23-köpfiger Kader in der Vorbereitung, viel Engagement, und was am wichtigsten ist: ein Wir-Gefühl, das, von den üblichen Sticheleien in der Umkleide abgesehen, stetig wächst. „Man merkt, dass sich beide Mannschaften schon vorher gut gekannt haben“, sagt Briem. „Auf dem Spielfeld spürt man sehr viel Respekt.“

Zeitdruck verspürt der Trainer nicht. Dienstagabend gab es eine 26:31-Niederlage gegen die Landesliga-Mannschaft des TV Neuhausen. Es war erst der zweite Test nach dem 20:28 gegen den VfL Kirchheim vor drei Wochen. „Wir müssen unseren eigenen Weg gehen“, sagt Matthias Briem, der mit dem Stadtpokal in Heidenheim Anfang September nur eine Turnierteilnahme eingeplant hat. Der komplette Neubeginn braucht seine Zeit. „Auch nach der Vorbereitung wird noch nicht alles perfekt sein“, sagt er.

Aus zwei mach eins - das klingt beim ersten Hinhören nach personellem Luxus. Den gibt es, aber längst nicht überall. Während im linken Rückraum und zwischen den Pfosten die Alternativen zahlreich sind, verlief die Suche nach einem zweiten Linkshänder neben dem Lenninger Luca Bächle, der auf Rechtsaußen gesetzt ist, bisher erfolglos.

Weilheim setzt auf Erfahrung

Einen der begehrten Linkshänder hat sich eine Liga tiefer in der Bezirksklasse der TSV Weilheim auf den letzten Drücker geangelt. Ein echter Glücksgriff, denn Johannes Negwer ist nicht nur Neu-Bürger in der Zähringerstadt, er bringt auch eine interessante handballerische Vita mit. Darin finden sich unter anderem zahlreiche Tore im Trikot des neuen Drittligisten TV Plochingen, für den Negwer in der Baden-Württemberg-Oberliga spielte. Zuletzt stand der 34-jährige Rechtsaußen eine Saison lang in Diensten des Bezirksligisten TV Altbach. Inzwischen zählen beim Familienvater kurze Trainingswege mehr als sportliches Renommee.

Ähnliches gilt auch für Sebastian Martin, der vom TSV Grabenstetten kam und dort wie schon zuvor in Wernau und in Owen Württembergliga spielte. Trainer Michael Rehkugler setzt bei seinem zweiten Versuch, in die Bezirksliga zurückzukehren, also auf Erfahrung. Damit machen die Weilheimer den Verlust ihrer beiden Stammkräfte Florian Braun (nach Denkendorf in die Landesliga) und Jakob Klein (zum VfL Kirchheim) zumindest auf dem Papier mehr als wett. Harald Lehmann, seit April neuer Sportlicher Leiter beim TSV, kommt der Aufstieg als klar formuliertes Ziel zwar nicht über die Lippen. Er sagt jedoch: „Wir müssen dieses Jahr vorne mitspielen. Der Wille ist da.“

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