Handball

Kaltstart nach sieben Wochen

Handball Titelkandidat oder Mittelfeldteam? Die SG Lenningen kämpft beim Bezirksliga-Gipfel heute Abend in Denkendorf nach langer Pause um den Anschluss in der Tabelle. Von Bernd Köble

Noch lange nichts entschieden: SG-Trainer Peter Schmauk und seine Mannschaft glauben weiterhin an ihre Aufstiegschance.Foto: Mar
Noch lange nichts entschieden: SG-Trainer Peter Schmauk und seine Mannschaft glauben weiterhin an ihre Aufstiegschance.Foto: Markus Brändli

Als müsste man die Krücken beiseitelegen und die ersten Schritte wagen. Auch wenn der Vergleich - um im Bild zu bleiben - etwas hinkt, so ähnlich dürften sich Lenningens Bezirksliga-Handballer vor dem heutigen Wiedereinstieg nach der verlängerten Weihnachtspause fühlen. „Mir wäre es am liebsten gewesen, wir hätten komplett durchgespielt“, meint Peter Schmauk. Ausgebremst zu werden, wenn es richtig gut läuft, das mag kein Trainer. Und bei Lenningen lief es in der Tat: Drei Siege in Folge, die beiden letzten sogar recht deutlich. Doch der jüngste Ernstfall liegt sieben Wochen zurück. Am 9. Dezember rief sich Schmauks Truppe mit einem fulminanten 28:22 beim Tus Stuttgart als möglicher Titelkandidat in Erinnerung. Nach Minuspunkten gerechnet war es ein Sieg gegen den aktuellen Tabellenführer, doch ganz oben steht im Moment eine andere Mannschaft: der TSV aus Denkendorf, der ein Spiel mehr bestritten hat und morgen Abend die Lenninger zum Spitzenspiel empfängt.

Spitzenspiel? Womöglich gar entscheidend? „In dieser Begegnung wird gar nichts entschieden“, wehrt Schmauk ab. „Ganz egal, wer gewinnt.“ Wie so oft, verrät die Tabelle nicht alles. Fünf Punkte trennen die SG vom Spitzenreiter und heutigen Gegner, vier Zähler Abstand sind es zum heimlichen Tabellenführer TuS Stuttgart, der mit nur vier Minuspunkten auf Platz zwei steht. Pluspunkt für Lenningen: Denkendorf hat nach dem heutigen Duell noch alle drei Verfolger im Programm, für das Team aus der Landeshauptstadt gilt Ähnliches. Und: Der direkte Vergleich ist aus Lenninger Sicht gegen alle drei Vertreter an der Spitze, dazu zählt auch das Eichenkreuz-Team aus Bernhausen, dank knapper Resultate in Reichweite. Für Schmauk, der heute Abend bis auf den verreisten Max Bächle alle Mann beisammen hat, folglich kein Grund, das Titelrennen abzuschreiben. Er ist überzeugt: „Die Entscheidung wird erst gegen Ende fallen.“ Vielleicht sogar am letzten Spieltag, dem 13. April, wenn Lenningen den TuS Stuttgart empfängt. Welches der vielen Gesichter in dieser Saison die SG heute Abend zeigen wird, ist eine Frage, auf die allerdings auch der Trainer im Moment keine Antwort weiß. „Die Pause war schon lang“, sagt Schmauk. „Das Spiel wird wohl der gewinnen, der am schnellsten seinen Rhythmus wiederfindet.“ Zumindest in diesem Punkt liegt der Vorteil beim Gegner. Die Denkendorfer stießen beim EZ-Pokal Anfang Januar als bester Bezirksvertreter bis ins Viertelfinale vor. Der letzte Auftritt in der Liga datiert vom 22. Dezember, da waren die Lenninger schon zwei Wochen raus aus dem laufenden Betrieb.

Die Sache ernst nehmen - mehr aber auch nicht, das ist auch die Devise von Ralf Wagner, der in Denkendorf seine vierte Saison als Trainer bestreitet und der sagt: „Der Aufstieg war von unserer Seite nie ein formuliertes Ziel.“ Seine Mannschaft ist extrem jung, hat mit Lukas Taxis einen Strippenzieher mit hoher Spielintelligenz im zentralen Rückraum. Einen echten Leader, wie nicht nur sein Trainer findet. Ob der Mannschaft noch die Reife fehlt für den ganz großen Wurf, wird sich vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. „Unbekümmertheit schlägt bei uns mangelnde Erfahrung“, sagt Wagner.

Vielleicht das Erfolgsrezept der Stunde, denn auch der Coach gilt trotz oder gerade wegen seiner langjährigen Erfahrung an der Seitenlinie als äußerst risikofreudig. Einer, der gerne am Limit spielt, so auch bei den bisher einzigen fünf Punktverlusten in dieser Saison. Zwei Niederlagen, ein Unentschieden - alle in eigener Halle. Heimschwäche? „Das sind Punkte, die darf man auch mal liegen lassen“, meint Wagner ganz entspannt. „Wir sind mit unserer Bilanz bisher jedenfalls sehr gut bedient.“

Vom Fernsehsessel zurück aufs Spielfeld, Liga-Alltag statt WM-Begeisterung. Heute Abend wird sich zeigen, wem der Rollenwechsel besser gelingt. Was er von der WM an Erkenntnissen mitgenommen habe? „Dass man mit einer guten Abwehr und Willensstärke jeden schlagen kann“, sagt Peter Schmauk. Vielleicht sogar den TSV Denkendorf.

So wollen sie spielen

TSV Denkendorf: Belser, Novak - Janu, Hochholdinger, Dobler, Secker, Riehs, Fröschle, Taxis, Lohmann, Wiesmann, Sauer, Beck

SG Lenningen: Lamparter, Reichle - Rieke, Schopp, M. Trenkle, T. Trenkle, Baumann, Pisch, Nebenführ, Haid, L. Bächle, Renz, Gökeler

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