Lokalsport

19 Jahre sind genug: Ostwald zieht‘s in den Süden

Handball Mit dem 72-jährigen Kurt Ostwald geht heute der Bezirksvorsitzende von Bord. Nachfolger stehen ebenso fest wie ausgedehnte Griechenland-Urlaube. Von Thomas Pfeiffer

Erinnerungen an gute alte Zeiten in der Scharnhausener Körschtalhalle: Kurt Ostwald.Foto: Carsten Riedl
Erinnerungen an gute alte Zeiten in der Scharnhausener Körschtalhalle: Kurt Ostwald.Foto: Carsten Riedl

Als Kurt Ostwald (72) 1947 im zarten Alter von drei mit seiner Mutter vom Böhmerwald nach Esslingen als Flüchtling zog, da wusste er noch nicht, was ihn erwarten würde: ein Leben voller Handball. Mit 14 bestritt er beim TSV Esslingen sein erstes Jugendspiel, und mit 25 stand der 1,86-Meter-Mann im Zenit seiner Schaffenskraft. Die Derbys gegen Frisch Auf Göppingen im damaligen Spielklassen-Oberhaus Oberliga waren legendär. „Göppingen hat gegen uns meist gewonnen“, erinnert sich der Ex-Kreisläufer, „wir hatten nur eine Chance, wenn sie ersatzgeschwächt anreisten, wenn sie ohne Nationalspieler Horst Singer kamen.“

Mit 26 machte Ostwald Schluss mit dem Aktivenhandball, weil er Maschinenbau studierte und mit der Familienplanung begann, mit 30 pfiff er als Schiedsrichter in der Regionalliga. In jungen Jahren ließ ihn der Handball praktisch nie los - auch nicht, als er Ingenieur, Daimler-Angestellter und ums Weiterkommen im Konzern bemüht war. Da blieb er im Handballbezirk Esslingen-Teck der Schiedsrichterwart.

Doch nach Schul-, Jugend-, Aktivenhandball und der Pfeiferei sollte das größte Kapitel in seiner Vita erst noch folgen: Mit 54 ließ sich Ostwald zum Vorsitzenden des Handballbezirks wählen. Damit war er erst der dritte Mann, der der Dachorganisation nach dem Zweiten Weltkrieg vorstand: Julius Böheim vom TV Nellingen (1946 - 1976) und Hans Metz (TG Esslingen/1976 - 1998) hießen die Vorgänger, die die Bezirks-Geschicke zusammen über ein halbes Jahrhundert geleitet hatten. Zur Ära der langlebigen Bezirks-Bosse passt(e) Ostwald perfekt: Der Scharnhau­sener hat inzwischen auch schon fast 20 Amtsjahre auf dem Buckel.

Doch beim Bezirkstag am 1. April in Ostfildern wird definitiv Schluss sein für ihn. Schließlich sei er 72, und das sei ein angemessenes Alter für einen Rücktritt, sagt er. Bezirksintern lief die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren, doch fündig wurde man bislang nicht. „An meinem Entschluss wird sich beim Bezirkstag aber nichts mehr ändern“, beugt Ostwald allen Spekulationen vor. Findet sich kein Nachfolger bis zur Wahl, werden die bisherigen Vorstandsmitglieder Wolfgang Stoll (Vereinsvertreter), Wolfgang Kraaz (Finanzen) und Roland Dotschkal aus Owen (Spieltechnik) eine Interimslösung bilden, die womöglich mit einem vierten Mann ergänzt wird.

Vorsitzender des Sportkreises Esslingen wird Kurt Ostwald - gewählt bis 2018 - dagegen bleiben. „Die Arbeitsbelastung dort ist weniger groß, weil die vorhandene Geschäftsstelle in Esslingen viel Arbeit abnimmt.“ Gravierende Probleme hatte er während seiner 19-jährigen Handballtätigkeit nicht. „Die größte Herausforderungen war, als der HVW damals die Bezirksreform auf den Weg brachte“, sagt Ostwald im Rückblick. In seine Amtszeit fiel auch die Kreierung einer Bezirks-Homepage, ein gesponsorter Fairplay-Wettbewerb für die Vereine und die Einführung der sogenannten Nachwuchs-Spielfeste. Auf Letztere ist Ostwald besonders stolz. „Fast alle anderen HVW-Bezirke haben sie übernommen“, sagt er.

Demnächst kann er sich zurücklehnen - und entspannt den Blick aufs Ionische Meer genießen. „Nach meinem Rücktritt werde ich mit meiner Familie öfters Urlaub in Südgriechenland machen, wo wir seit vielen Jahren hinfliegen.“ Mit dem Freizeit-Zuwachs sollen die Peloponnes-Aufenthalte auf „zwei bis drei Monate“ pro Jahr ausgedehnt werden.

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