Lokalsport

Abenteuer Oberliga

VfL erstmals mit Fremdstars

Die Tischtennisspieler des VfL Kirchheim stehen vor einer neuen Herausforderung. Der Oberliga-Aufstieg verlangt einen sportlichen Kraftakt.

Kirchheim. Mit dem Aufstieg der Herren in die baden-württembergische Oberliga am 16. April feierte die Tischtennisabteilung des VfL den historisch bedeutsamsten Mannschaftserfolg. Fast fünf Monate nach dem entscheidenden 9:4-Sieg beim TTC Mühringen will das Teck-Sextett beweisen, dass es reif genug ist für die Fünftklassigkeit. Doch härter hätte es für die Kirchheimer zum Oberliga-Start nicht kommen können: Am 24. September gastiert die Truppe ausgerechnet beim Meisterschaftsfavoriten VfR Birkmannsweiler. „Dort wird es für uns nichts zu holen geben“, prophezeit VfL-Abteilungsleiter Axel Schorradt. Anschließend wird‘s leichter. Nacheinander kommen mit dem TTC Gnadental (1. Oktober) und der TG Donzdorf (15. Oktober) zwei vermeintliche Abstiegskonkurrenten in die LUG-Sporthalle. „Einen oder zwei Punkte“ erhofft sich Schorradt aus beiden Partien.

Mit dem früheren indischen U 21-Nationalspieler Sanmay Paranjape (23/SV Grünwettersbach) und Ricardo Jimenez (21/Puerto Rico) haben sich die Kirchheimer hoffnungsvoll verstärkt, nachdem sich das ursprüngliche Personalkonzept mit dem Rumänen Romulus Revisz als Spielertrainer in letzter Sekunde zerschlagen hatte. Die Nachricht, dass der Ex-Frickenhausener Regionalligaspieler Paranjape ab der Rückrunde 2016/17 wieder auf dem deutschen Markt sei, spielte dem VfL in die Karten. Die Abteilung bekam eine preiswerte Lösung ihres Personalproblems und verpflichtete den 21-jährigen Tischtennis-Könner aus Delhi kurz vor dem offiziellen Meldeschluss ebenso wie Jimenez. Beide sind zwar lediglich mit Handschlagverträgen ausgestattet, doch Zweifel an der fristgerechten Zusammenarbeit hegt beim VfL keiner. „Ich gehe davon aus, dass Jimenez rechtzeitig nach Deutschland kommt und übernächsten Samstag in Birkmannsweiler absprachegemäß sein erstes VfL-Spiel bestreitet“, sagt VfL-Landesligaspieler Jan Eder, der bei den Transfergesprächen eine Hauptrolle spielte (siehe Interview links).

Oberliga, wir kommen: Mit viel Enthusiasmus gehen Kirchheims junge Tischtennis-Wilde in die neue Saison. Offizielles Saisonziel ist der Klassenverbleib, notfalls auch über den achten Tabellenplatz, der Relegationsspiele nach sich zieht. Doch insgeheim träumt die Mannschaft von mehr. Bis auf Team-Routinier Klaus Hummel (40), der die Oberliga mit dem VfL zum zweiten Mal erlebt, hat noch keiner seinen Zenit überschritten. „Unsere jungen Spieler sind noch nicht am Ende ihrer sportlichen Entwicklung“, sieht Axel Schorradt Steigerungspotenzial, „und ehrgeizig sind sie auch.“ Läuft alles verletzungsfrei ab, könnte im insgesamt dritten Oberliga-Jahr der Abteilungsgeschichte sogar ein sicherer Mittelfeldplatz winken.

Sorgen bereitet den VfL-Verantwortlichen noch ein wenig das Spielgerät, mit dem in der Oberliga üblicherweise gearbeitet wird: Der Plastikball hat die klassische Zelluloidkugel längst verdrängt. Seit der Weltverband ITTF die Zelluloidbälle als Gefahrengut eingestuft hat und sie verbieten ließ, benutzt auch im baden-württembergischen Oberhaus fast jeder Verein nur noch Plastikbälle – obgleich sie in dieser Spielklasse nicht zwingend vorgeschrieben sind. Größe, Flugbahn und Schnitteigenschaft der Bälle unterscheiden sich. Die gängige Plastik-Praxis der Oberliga – vielleicht ein kleiner Nachteil für die zelluloidgewohnten VfL-Akteure bei Auswärtsspielen. „Vielleicht sollte unsere erste Mannschaft vor Gastspielen das Abschlusstraining immer mit Plastikbällen bestreiten“, sagt Schorradt. Umgekehrt dürfen die VfL-Cracks bei Heimspielen weiterhin auf die schnittfreundliche(re)n Zelluloidkugeln setzen: Ein Ball-Wechel ist intern noch kein Thema.

Schließlich versprechen die alten Bälle auch größere Erfolgschancen. Besonders, wenn sich dazu die VfL-Sympathisanten lautstark ins Zeug legen. Jubeltage wie in der Vorsaison, als zum Verbandsliga-Spitzenspiel gegen die TG Donzdorf (9:5) rund 100 erwartungsfrohe Zuschauer pilgerten, wünscht sich die kleine VfL-Abteilung in der neuen Spielrunde ein paar mehr.

Letztlich werden die Oberliga-Heimspiele von Geßner (Foto: Markus Brändli), Gantert, Hummel und Co. mit zum Gradmesser dafür, ob Spitzentischtennis auf Amateurebene in der Stadt der Basketballer, Turner und Segelflieger kurzfristig eine Chance hat.

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